Mieter auf dem Brüser Berg setzen sich zur Wehr

Mieter auf dem Brüser Berg setzen sich zur Wehr

Anwohner der Marie-Curie-Straße haben der Deutschen Annington eine lange Mängelliste vorgelegt.

Die Anwohner der Marie-Curie-Straße teilen ein gemeinsames Schicksal: Sie leben in Häusern, die alle einen hohen Renovierungsbedarf vorweisen. Thomas Riedl, er wohnt in Hausnummer 4, reichte es jetzt. Er startete eine Initiative, trommelte Gleichgesinnte zusammen und lud einen Vertreter der Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington zu einer gemeinsamen Ortsbegehung ein.

"Die Häuser 1 bis 22 wurden 1993 gebaut. Seitdem ist bis auf wenige Ausnahmen nichts renoviert worden", beklagt Riedl. Jahrelang hat er einen Schriftverkehr mit seinem Vermieter geführt - nahezu erfolglos. Einmal wurde in dieser Zeit der Hausflur angestrichen. "Alleine laufe ich bei der Annington gegen eine Gummiwand. An denen prallt jede Beschwerde ab. Man muss sich zusammenschließen und Öffentlichkeit herstellen, sonst erreicht man nichts", erklärt Riedl.

Gemeinsam haben die Annington-Mieter eine vierseitige Mängelliste zusammengestellt, die sie jetzt Wilhelm Brüser, Außendienstmitarbeiter der Annington, vor Ort übergaben. Bei einem Rundgang durch die Wohnanlage zeigten die Mieter ihm auch die augenfälligsten Schäden. "Ich kann jetzt nur alles auflisten und fotografieren. Was wann renoviert wird, habe ich nicht zu entscheiden", sagte Brüser.

Die Mieter beklagten zum Beispiel, dass ein Jahr lang keine Pflege der Grünanlagen erfolgt sei, dass die Klingelkästen verdreckt und teilweise defekt seien, dass der Hausmeister nicht sorgfältig bei der Müllentsorgung vorgehe, dass es zu wenig Mülltonnen gebe und dass Sperrmüll in der Tiefgarage lagere - und ein abgemeldetes Auto dort dauerhaft parke. "Wir haben schon oft Mängellisten geschickt. Mein Brief vom 3. Juli 2011 ist bis heute nicht beantwortet", klagte Thomas Krecké, der seit drei Jahren in der Anlage wohnt.

Die SPD-Bezirksfraktion Hardtberg hat sich ebenfalls der Mieterprobleme angenommen. "Wir haben es hier nicht nur mit einem zivilrechtlichen Problem zu tun, dass sich auf Vermieter und Mieter konzentriert, es wird auch zunehmend zu einem kommunalpolitischen Problem werden", sagte Barbara Naß, Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion. Bundes- und auch Landespolitiker hätten jahrelang zugesehen, wie öffentlich geförderte Wohnungsbestände von sogenannten Hedgefonds aufgekauft worden seien.

"Da es solchen Firmen nur, und zwar ausschließlich, um schnelle Rendite geht, werden ganze Wohnblocks förmlich ausgeblutet. Lässt sich keine Rendite mehr erwirtschaften, werden solche Objekte abgestoßen und verkommen mehr und mehr. Leerstände sind schließlich die Folge, mit der Maßgabe, dass auch umliegende Wohnobjekte mit heruntergezogen werden", so Naß weiter.

Hiergegen müsse rechtzeitig entgegengewirkt werden. Aus diesem Grunde lädt die SPD für heute Abend zu einer Bürgerversammlung ins Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, Fahrenheitstraße, ein. Beginn ist um 18 Uhr. "Zum einen wollen wir helfen und unterstützen, wenn es darum geht, wie man gegen instandsetzungsscheue Heuschrecken vorgeht, zum anderen möchten wir damit solche Probleme öffentlich machen", so Naß.

Katja Weisker, Pressesprecherin der Deutschen Annington, erklärte, dass zahlreiche kleinere Mängel wie Schlosser- und Elektrikarbeiten mittlerweile abgearbeitet worden sind. Bezüglich der Malerarbeiten in den Hausfluren und an den Außenfassaden sei noch keine Entscheidung gefallen. "Das geschieht in den nächsten Tagen", so Weisker.

Deutsche Annington: 2001 wurde die Deutsche Annington gegründet und kaufte direkt das Vermögen der ehemaligen Bundeseisenbahn. Seit der Fusion mit der Viterra 2005 ist Annington das größte deutsche Wohnungsunternehmen. Der Firma mit Sitz in Bochum gehören 190.000 Wohnungen. Weitere 30 000 werden für Auftraggeber verwaltet. In Bonn unterhält Annington 4500 Wohnungen.

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