Der Verein Zingaro wird volljährig: Medinghovener sollen miteinander ins Gespräch kommen

Der Verein Zingaro wird volljährig : Medinghovener sollen miteinander ins Gespräch kommen

Seit 18 Jahren fördert der Verein Zingaro interkulturelle Begegnungen in Medinghoven. Ziel ist, das Miteinander und den Austausch der Kulturen zu fördern.

Zu Anfang drehte sich bei „Zingaro“ alles um Kinder. So kam es auch zu dem märchenhaften Namen des interkulturellen Vereins, der im 18. Jahr seines Bestehens 2019 volljährig wurde. In einem Bilderbuch von Paul Korky ist „Zingaro“ der schwarze Kater der Zauberin Lilly, die in ihrem schwarzen Haus lebt. Da der schwarze Kater dort zur Stolperfalle wurde, zaubert sie ihn kurzerhand grün. Doch nun wird die Suche nach ihm in der Natur zum Problem. Als sie Zingaro nun in allen Regenbogenfarben erscheinen lässt, gefällt das dem Kater gar nicht. Hinter der glücklichen Lösung für beide steckt zugleich auch der Anspruch des Vereins: Kater Zingaro wird wieder schwarz gezaubert und muss seine Identität der Umgebung nicht mehr anpassen. So, wie auch die Kinder vieler Nationen in Medinghoven glücklich werden sollen.

Die Vorsitzende von Zingaro, dem Verein zur Förderung interkultureller Arbeit, Marina Zarkh und ihre Beisitzerin Ursula Hagen, sprechen über die Anfänge des Vereins. Seit Anbeginn verfolgen dessen Mitglieder das Ziel, das Miteinander und den Austausch der Kulturen in ihrem Stadtteil zu fördern. „Anfang 2000 war die Situation in Medinghoven schwierig und wurde zunehmend schwieriger“, fasste Ursula Hagen die Gründung des Zingaro-Vereins unter der damaligen ersten Vorsitzenden Barbara Naß zusammen.

Sozialgefüge wandelt sich

Medinghoven wandelte sich in seinem Sozialgefüge mit dem Hauptstadtentscheid für Berlin und dem damit verbundenen Wegzug der Bundesbediensteten: Heute sind unter den rund 3000 Bewohnern des Stadtteils etwa 90 Nationen zu zählen. Etwa die Hälfte der Mitbürger, schätzen die beiden Frauen, dürften Hartz- IV-Empfänger sein. Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven für Jugendliche sind oftmals der Grund dafür, dass negative Berichte über Medinghoven entstehen.

Als der Verein sich 2001 gründete, hatte man vor allem die vielen Kinder im Blick, die nachmittags keine Betreuung und häufig auch kein Mittagessen bekamen, so Hagen. So richtete der Verein mit Landesmitteln eine erste Übermittagsbetreuung im Spielhaus der Stadt ein. Zusammen mit einer Hausaufgabenbetreuung war dies das erste Projekt von Zingaro, das bis zur Eröffnung der OGS an der Medinghovener Gemeinschaftsgrundschule (2007) eine wichtige soziale Lücke füllte. Im Laufe der Zeit wandte sich der Verein nicht mehr nur an Kinder und Jugendliche, sondern auch an deren Eltern und weitere Erwachsene.

Seit acht Jahren gibt es das viel genutzte „Café Fünf“

„Wir bieten niederschwellige Programme an, um Familien mit Migrationshintergrund zu erreichen und ihnen eine Möglichkeit zu geben, ihre Nachbarn kennenzulernen“, so Zarkh. Sie betont, wie wichtig es sei, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die meisten Angebote des Vereins sind auch Angebote die den Migranten Gelegenheit geben, Deutsch zu verstehen und zu sprechen. Ob man gemeinsam an Waldreinigung oder Baumpflanzungen teilnimmt, Museen besucht, miteinander Boule spielt, Grillfeste feiert (am 8. Juni auf dem Grillplatz der Waldfreunde), Fahrradtouren macht oder auch die Hardtberger Kulturnacht sowie das Weinfest in Duisdorf besucht, immer sind Kennen- und Deutschlernen Anlass für die Aktivitäten.

Seit acht Jahren gibt es bereits das viel genutzte „Café Fünf“ des Vereins in den Räumen des Stadtteilbüros des Diakonischen Werks in Medinghoven (Briandstraße 5). Hier treffen sich jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr Mitglieder von Zingaro mit Besuchern des Stadtteils. Über den sprachlichen Austausch hinaus sind die Vereinsmitglieder auch eine Hilfe beim Ausfüllen von Formularen.

In Zusammenarbeit mit Diakonie und dem Familienzentrum wurde eine interkulturelle Sportgruppe für Frauen organisiert (jeden Freitag von 19 bis 20.30 Uhr in der GGS Medinghoven), die sich ebenfalls einer zunehmenden Beliebtheit erfreut. „Auch wenn wir freitagabends damit viel zu wenig deutsche Teilnehmerinnen erreichen“, lacht Hagen.

Wer Anregungen oder Anliegen an Zingaro hat oder in dem Verein mitmachen möchte, wendet sich an Marina Zarkh, Telefon 0228/ 2892988

Mehr von GA BONN