Projekt in Indien: Lessenicher helfen Straßenkindern in Indien

Projekt in Indien : Lessenicher helfen Straßenkindern in Indien

Marlene Lautze und Rainer Preuß haben in Indien ein Projekt betreut. Jetzt haben Sie einiges zu erzählen über ihren aufregenden Trip.

Die Nachbarn hatten Marlene Lautze und Rainer Preuß mit einem Schild zurück empfangen, das sie über der Haustür im Bonner Logsweg aufgehängt hatten: "Herzlich Willkommen - Namaste" stand darauf. Das Ehepaar ist von seinem zweiten Auslandsaufenthalt zurück, das Sabbatjahr ist vorüber. Sie waren in Indien und haben viel zu erzählen.

Das Jahr begann im Sommer letzten Jahres mit einer Rundreise durch Skandinavien und Baltikum und einem dreimonatigen Aufenthalt in Namibia. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Lessenich machten sie sich auf den Weg nach Vijayawada, eine Millionenstadt im Südosten Indiens. Dort schlossen sie sich dem Projekt Navajeevan an, was übersetzt so viel wie "Neues Leben für Straßenkinder" bedeutet. Diese werden von Streetworkern vor allem am Bahnhof aufgegriffen. "Vijayawada ist eine große Handelsstadt und ein Knotenpunkt der Eisenbahn", so Preuß. "Viele Kinder, die aus dem Umland abhauen, kommen dort an." Wenn sich herausstellt, dass sie von zu Hause abgehauen sind, überzeugt man sie mitzukommen. "Im Durchschnitt sind das vier bis fünf Kinder am Tag", sagt er. Sie kommen in eine Aufnahmestelle, von wo aus man die Eltern kontaktiert. "Etwa die Hälfte der Kinder kann wieder zurückvermittelt werden." Die andere Hälfte bleibt.

Lautze kümmerte sich in der Zentrale um Vorschulkinder, College-Boys und junge Frauen, die in den Slums angeworben werden, eine Ausbildung zur Beautition - also Kosmetikfachfrau - oder Näherin zu machen. "Denen habe ich Englischunterricht gegeben." Das helfe bei der späteren Arbeit in ihren Bereichen. Gerade die Kosmetik habe in Indien einen hohen Stellenwert. "Die Menschen geben dafür viel Geld aus."

Preuß betreute derweil jugendliche Jungen im De-Addiction-Center Vimukthi etwas außerhalb der Stadt. Dort werden Schulabbrecher auf eine Ausbildung vorbereitet. Der Ingenieur machte mit ihnen Frühsport, bot praxisorientierten Unterricht in Mathe, Physik und Geologie und unterstützte allgemein den strikt durchstrukturierten Tagesablauf. Die Jungs liebten ihn dafür. "Er war eine richtige Vaterfigur", so Lautze.

Einen richtigen Kulturschock hatten die beiden nicht, aber einiges war schon gewöhnungsbedürftig. Morgens, mittags und abends - immer Reis, man isst mit der rechten Hand, die linke wird anstelle von Klopapier verwendet, und sie hätten sich schnell Flipflops angeschafft, weil man in den Häusern die Schuhe auszieht. Der öffentliche Raum werde als Müllhalde genutzt. "Die Regierung schafft das nicht."

Horizonterweiterung durch Sabbatjahr

Beeindruckt habe sie die Fröhlichkeit der Menschen, das friedliche Miteinander dreier großer Religionen mit viel Frömmigkeit und die Dankbarkeit der Jugendlichen, die zwar in großen Schlafsälen auf dem Boden schlafen, denen aber eine Lebensperspektive geboten wird. Natürlich fiel das Ehepaar auf wie bunte Hunde: "Wir haben viele Selfies gemacht", so Preuß. Es sei manchmal anstrengend gewesen, durch die Stadt zu gehen, meint seine Frau. Doch sie nahm es gelassen. "Das ist ja immer noch netter als 'Haut doch ab'."

Nach dem Projekt reisten sie touristisch durch den Südwesten Indiens, dann ging es erst nach Neuseeland und dann weiter auf die Fidschi-Inseln, wo sie "die Seele baumeln ließen" und auch ein bisschen braun geworden sind. Dadurch, dass sie beides erlebt hätten, als Touristen und als Ansässige, hätten sie einen ganzheitlichen Blick auf das Land bekommen, sind sie überzeugt.

"Jetzt sind wir so erfüllt, dass wir uns auch auf dem Balkon wohlfühlen", sagt Lautze. Das Sabbatjahr habe ihren Horizont erweitert. "Ich bin etwas gelassener geworden", sagt Preuß. "Ich bin etwas mutiger geworden", stellt Lautze fest. Sie wollen beide Projekte in Namibia und Indien weiter unterstützen. Noch so ein Jahr im Ausland muss nicht sein, aber engagieren möchten sie sich schon. "Es gibt auch bedürftige Kinder in Deutschland."