Lengsdorf: Neubauten an der Villemomblerstraße sind ab Herbst 2020 bezugsfertig

Vebowag-Projekt : Neues Quartier für rund 250 Bewohner in Lengsdorf

Der erste von vier Gebäudekomplexe an der Villemombler Straße in Lengsdorf ist ab Herbst 2020 bezugsfertig. Insgesamt entstehen bei dem Vebowag-Projekt rund 120 Wohneinheiten.

Villehuus heißt das öffentlich geförderte Projekt des städtischen Wohnungsbauunternehmens Vebowag in Lengsdorf. Der Name wurde ausdrücklich ausgewählt. Denn der Standort ist die Villemombler Straße, die nach der Partnerstadt benannt wurde.

Das Projekt auf dem 7700 Quadratmeter großen, ehemaligen Grundstück des Landesbetriebs Straßen NRW nimmt deutlich Form an. Wie Vebowag-Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage bei einer Ortsbesichtigung erläutert, wird der erste der vier Gebäudekomplexe im Oktober 2020 fertig. Die weiteren sollen ab 2021 im Abstand von zwei Monaten folgen.  Insgesamt entstehen rund 120 Wohneinheiten. Kleine-Hartlage rechnet mit Baukosten von  16 Millionen Euro. Typischer Vebowag-Stil sind Klinker statt Verputz und eine hochwertige Ausstattung.

Haus A grenzt längsseitig an die Straße „In der Grächt“ und ist mit vier Geschossen und einem Staffelgeschoss das höchste in der Reihe. Von ganz oben werden die künftigen Bewohner eine Aussicht bis nach Köln haben. Die anderen Häuser haben drei Geschosse plus Staffelgeschoss. Alle vier sind nach hinten durch einen Riegel verbunden.

Nachdem nun absehbar ist, dass die Gebäude bald für Wohnungssuchende mit Berechtigungsschein  bezugsfertig sind, nimmt auch das Belegungskonzept konkrete Formen an. Und wie Kleine-Hartlage betont, soll der demografischen Entwicklung  Rechnung getragen werden. „Wir haben ein für Bonn neues Konzept entwickelt.“

„Eine zentrale Rolle nimmt in dem gesamten neuen Quartier die Inklusion ein“, erläutert Iwona Stövesandt von der Lebenshilfe Bonn, die die Vebowag ins Boot geholt hat. Aufgabe der Lebenshilfe wird sein, „ein Netzwerk um die und mit den neuen Bewohnern aufzubauen. Im Gebäuderiegel A wird in Anlehnung an das Bielefelder Konzept Wohnen mit Versorgungssicherheit für Senioren angeboten. Die insgesamt 60 Wohneinheiten teilen sich in zwei Zimmer für eine Person und zwei Zimmer für zwei Personen. Wie der gesamte Komplex sind die Wohnungen barrierefrei mit Aufzügen zu den Etagen. Ein rund 100 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum ist dem Quartiersmanagement als Treffpunkt und für Angebote an alle Bewohner vorbehalten.

Im Gebäuderiegel B setzt die Lebenshilfe ein Inklusionskonzept für geistig und körperlich behinderte Menschen um. Bau C ist für Familien mit Kindern und Gruppenwohnungen etwa für Senioren, Personen mit Betreuungsbedarf oder Studenten vorgesehen. Es gibt auch den Plan, dass dort Auszubildende einziehen könnten. Das Gebäude D besteht aus zehn Reihenhäusern mit 120 bis 140 Quadratmetern Größe.

„Ziel ist eine gute Nachbarschaft“, erläutert Stövesandt. Daher lege die Lebenshilfe wert auf einen Belegungsplan, in dem die unterschiedlichen Erfordernisse von Senioren, Familien mit Kindern und körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen ein konstruktives Miteinander ermöglichen. Zwar hat die Stadt das Belegungs- und Besetzungsrecht, doch man sei bei der Auswahl im Gespräch. „Die Mieterstruktur muss passen.“

Rechnet man die künftige Zahl der Bewohner in den Neubauten hoch, kann man von 240 bis 300 Menschen ausgehen. „In der Mischung soll ein lebendiges Quartier wachsen“, sagt Kleine-Hartlage. Im Prinzip könnten die Bewohner ein Leben lang dort bleiben, wenn sie einmal einen Wohnberechtigungsschein vorgewiesen haben. „So kann im Laufe der Zeit aus einem Studentenpaar ein Ärztepaar werden. Das heißt, die Bewohnerstruktur hat eine Bandbreite. Und so soll es sein.“ Daher könne er Proteste gegen Sozialwohnungsbau in der Nachbarschaft nicht nachvollziehen.

Viele Projekte des sozialen Wohnungsbaus hat Birgitta Jackel, sie ist im Aufsichtsrat der Vebowag, bereits begleitet. „Das Angebot müsste in Bonn weitaus größer sein. Die Nachfrage ist hoch“, betont sie und unterstützt die Strategie der Wohnungsbaugesellschaft, nach höheren Standards zu bauen. „Jetzt mag es teurer sein, aber wir sparen bei den Folgeinvestitionen.“ Nur zu gut ist Detlef Eckert, dem Leiter des Vebowag-Immobilienmanagements, die Flaute auf dem Immobilienmarkt  Ende der 1990er Jahre in Erinnerung. „Damals war es genau umgekehrt. Wir hatten vier Prozent Leerstand bei den Sozialwohnungen“. Bei einem Haus könne man mit einer Bestandszeit von hundert Jahren rechnen und müsse daher bei der Ausstattung an die Zukunft denken, „und dass die Häuser unter Umständen gut vermarktbar sind.“ So haben alle Wohnungen Fußbodenheizung. Im Bestand der Vebowag gäbe es aber auch noch rund 20 Wohnungen mit Kohleöfen. „Die will  heutzutage keiner mehr.“