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FC Rot-Weiß Lessenich: Leerstehende Wohnung wird nicht zum Vereinsheim

FC Rot-Weiß Lessenich : Leerstehende Wohnung wird nicht zum Vereinsheim

Der lang gehegte Plan, eine Wohnung am Sportplatz zum Vereinsheim umzubauen, geht für Rot-Weiß Lessenich in die nächste Runde. Aus vertraulichen Verwaltungsunterlagen geht hervor, dass der eingeschlagene Weg nicht funktioniert.

Der lang gehegte Plan, eine Wohnung am Sportplatz zum Vereinsheim umzubauen, geht für Rot-Weiß Lessenich in die nächste Runde.  Aus vertraulichen Verwaltungsunterlagen, die dem General-Anzeiger vorliegen, geht hervor, dass der eingeschlagene Weg nicht funktioniert.

Der Rat sollte eigentlich Mitte Mai über das Thema „Förderung des Umbaus einer Wohnung zum Vereinsheim mit Geschäftsstelle“ am Alten Heerweg 125 entscheiden. Da es sich laut Verwaltung um eine Vertragsangelegenheit handelt, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dann jedoch richtete ein öffentlicher Antrag des Bürger Bundes Bonn (BBB) den Blick auf die Beschlussvorlage. Der BBB sieht in der Beschlussvorlage der Verwaltung und der „dort beschriebenen Vorgehensweise einen Verstoß gegen geltendes Recht, der bereits zu Schäden für die Stadt in fünfstelliger Höhe geführt hat“. Eine Ratsmehrheit gegen die CDU beschloss daher im Mai, das Rechnungsprüfungsamt einzuschalten.

Mietausfälle von vorsichtig geschätzten 35.000 Euro

In zwei untersuchten Punkten werden die Prüfer deutlich und kritisieren die Verwaltung. Einmal werden Verstöße gegen die städtische Zweckentfremdungssatzung festgestellt. Zum anderen gehe es bereits jetzt um theoretische Mietausfälle von „vorsichtig geschätzten 35.000 Euro“. Die Prüfungsschwerpunkte waren neben der Frage, ob der geplante Umbau einer städtischen Wohnung zum Vereinsheim mit Geschäftsstelle gegen geltendes Recht verstößt, auch, ob es zu wirtschaftlichen Nachteilen für die Stadt gekommen ist oder ob sich solche künftig ergeben. Weiterer Untersuchungsaspekt ist eine mögliche „verdeckte Förderung“.

Das zweigeschossige städtische Gebäude wurde 1970 errichtet; den Bauantrag stellte noch das Amt Duisdorf aus.  Der jetzt geltende  Bebauungsplan wurde erst nach der kommunalen Neuordnung 1981 festgesetzt. Darin wird das gesamte Objekt als „Platzwart- und Umkleidegebäude“ bezeichnet. Bekanntermaßen nutzt Rot-Weiß die Räumlichkeiten im Erdgeschoss als Umkleiden und Sanitärräume.

Im ersten Stock befinden sich drei Wohnungen, die damals mit Wohnungsbaumitteln gefördert wurden. Zwei sind aktuell vermietet; in der dritten waren zuletzt bis September 2016 Asylbewerber untergebracht. Nach deren Auszug wurde sie „für eine Nutzung durch den Verein Rot-Weiß Lessenich freigehalten“, skizzieren die Unterlagen den Sachverhalt. Eine erste Anfrage zur Möglichkeit einer Umnutzung hat der Verein 1989 gestellt. Unmittelbar an das Gebäude grenzt der Sportplatz, den der Verein mit eigenen Mitteln zum Kunstrasenplatz umgebaut hat. Dazu vergab die Verwaltung 2014 ein Erbbaurecht an den Verein.

Für die Nutzung der leerstehenden Wohnung hat Rot-Weiß konkrete Vorschläge entwickelt und vorgelegt. Seitens der Verwaltung würde eine Umwandlung der Wohnung durch die Nähe zum Sportplatz in Frage kommen. Als ein Grund wird etwa die Emissionslage angegeben – also das Problem des Lärms für die Anwohner. Außerdem habe sich in der Diskussion herauskristallisiert, dass dem öffentlichen Belang – Rot-Weiß ist als gemeinnütziger Verein und Träger der freien Jugendhilfe anerkannt – mehr Gewicht beigemessen werde als dem Schutz des bestehenden Wohnraums.

In der Frage, welche Miete der Verein bezahlen soll, hatte das Städtische Gebäudemanagement (SGB) als Eigentümerin in der ursprünglichen Beschlussvorlage die ortsübliche Grundmiete von rund 600 Euro auf 150 Euro – Basis war der Rohbauwert – reduziert. Der Verein hatte argumentiert, dass er umfangreiche Umbauarbeiten vornehmen müsse. Im Prüfbericht wird dagegen der Finger erhoben: Eine sportpolitische Förderung sei nicht Aufgabe des SGB. Eine Schlussfolgerung der Prüfer ist dennoch, dass nicht zwingend von einer Überlassung an den Verein abgesehen werden müsse. Die Stadt bewege sich im Spannungsfeld, wirtschaftlich zu agieren aber andererseits bürgerschaftliches Engagement zu fördern.

Vereinsvorsitzender Marco Jost übt sich unterdessen in Geduld. Um drei Ecken habe er von der neuen Entwicklung erfahren. „Wir warten jetzt, wie es, und hoffen, dass es weitergeht. Wir werden einen gangbaren Weg finden.“ Seine Sorge ist unterdessen, dass Fördermittel, die der Verein für den Umbau zum Vereinsheim mit Geschäftsstelle hätte erhalten können, verfallen.