Kottenforst Bonn: Heimatforscher Berzheim blickt zurück auf Brand

Vor 200 Jahren : Als der Kottenforst lichterloh brannte

Vor 200 Jahren brannte es im Kottenforst bei Ippendorf lichterloh, und die Bewohner des Orts mussten den Kottenforst löschen. Auf dieses und weitere Feuer-Ereignisse blickt der Heimatforscher Bernhard Berzheim zurück.

Erinnern kann sich heute niemand mehr daran, auch wenn in manchen Familien diese Begebenheit womöglich noch von Generation zu Generation weitergegeben wird: Vor 200 Jahren brannte es im Wald bei Ippendorf lichterloh, und die Bewohner des Orts mussten den Kottenforst löschen.

Wie das war, schilderte der 2004 verstorbene Heimatforscher Bernhard Berzheim in seinem Buch "Von einem armen Bauerndorf zum bevorzugten Bonner Wohnort". Der Waldbrand im Kottenforst von 1819 ist darin explizit erwähnt. Demnach brannte am 23. Mai des besagten Jahres eine Waldfläche an der Venne nieder. "Die Ippendorfer überlegten nicht lange und zogen zum Löschen in den Forst", berichtete Berzheim in einem Kapitel seines Buches.

Prompt sei später auch ein Lob der Königlichen Regierung zu Köln ausgesprochen worden, das damals im Amtsblatt veröffentlicht wurde. "Durch zweckmäßige Löscharbeiten und thätige Hilfe", so ist die Rede; besonders hätten sich dabei die Ippendorfer Johann Röder, Heinrich Schlömer, Caspar Wucher, Adam Schüren, Conrad Rheindorf und Franz Schluß ausgezeichnet. Es war nicht das einzige Ereignis dieser Art im Kottenforst, der in früheren Jahren auch von der Bevölkerung wirtschaftlich stark genutzt wurde. So wurde Reisig dazu verwendet, Besen herzustellen, was der Dorfbevölkerung den bis heute überlieferten Ausdruck "Ippendorfer Besemskräme" einbrachte.

Zurück zu den Feuer-Ereignissen: Berzheim berichtet ebenfalls von einer Waldfläche zwischen Höhenweg und Katzenlochbach, die am 30. April 1962 in Brand geriet. Die drei bis vier Meter hohen Flammen hätten sich bis in die Gärten und auf 20 Meter an die Wohnhäuser heran gefressen. Neben der Berufsfeuerwehr mit drei Einsatzwagen seien auch die Freiwilligen von Ippendorf, Duisdorf und Röttgen im Einsatz gewesen, um das Feuer zu bekämpfen.

Nicht immer kam die Wehr rechtzeitig. Im Sommer 1938 brannten Berzheim zufolge zwei Morgen Fichtenschonung zwischen Waldau und Annaberg ab. Durch das umständliche Alarmieren der Wehr mit dem Alarmhorn sei viel kostbare Zeit vergangen, notierte der Chronist.

Bränden, die im Zweiten Weltkrieg ausbrachen, stand die Feuerwehr ohnmächtig gegenüber, das zeigt ein Beispiel vom 4. Februar 1945. Da wurden zwar Schläuche an die Wasserleitung angeschlossen, aber es floss kein Wasser, weil die Hauptleitung von Bomben getroffen worden war. Besser lief es 1947, also nach dem Krieg. Als 1947 zwölf Morgen Kiefern im Kottenforst brannten und die Berufsfeuerwehr nicht erschien, rückten die Freiwilligen aus und kamen mit ihren Fahrrädern zum Löschen in den Forst.

Brandstifter schlug mehrfach zu

Auch von zwei Scheunen, die brannten, berichtete der Heimatforscher, aber auch von Brandstiftungen, bei denen innerhalb von zwei Jahren neun Gebäude in Ippendorf zerstört wurden. "Es fing am 11. Juli 1881 morgens um 4 Uhr an", so Berzheim. Da brannten der Stall und die Scheune von Johann Wallbrück, auch das Haus der Familie sei beschädigt worden. "Vier Monate später schlug der Brandstifter erneut zu." Dabei sei die Scheune des Jakob Kerp ein Raub der Flammen geworden.

Am 15. Januar 1882 brannte es erneut. Da gingen um 23 Uhr die Scheune, der Stall und der Schuppen der Witwe Adam Steitz in Flammen auf. "Wieder wurde böswillige Brandstiftung angenommen", brachte Berzheim später in Erfahrung. Aber: "Hinsichtlich des Täters konnte nicht das Geringste ermittelt werden."

So ging es weiter - am 2. August und am 6. November desselben Jahres sowie am 24. März 1883. "Als es dann am 28. August 1883 beim Schuster Bertram Brenner brannte, waren die Ippendorfer erleichtert, dass nicht wieder Brandstiftung vorlag", so notiert Berzheim in seinem Buch. Das Feuer sei durch einen unglücklichen Zufall entstanden, Brenner habe nämlich das mit dem Stall unter einem Dach liegende Hühnerhaus, das voller Ungeziefer war, ausbrennen wollen. Dabei sei das Heu im Stall in Brand geraten. Von einer Bestrafung des Verursachers wurde abgesehen, weil "der Brenner sonst ein ordentlicher Mann ist", meinte der Bürgermeister damals. Trotzdem wurde in Ippendorf noch lange über den Feuerteufel gerätselt. In Verdacht geriet ein Gastwirt, weil er sich bei einem der Brände verraten habe, so wurde an den Stammtischen erzählt. Demnach habe er präzise die Gebäude genannt, die gerade in Flammen aufgingen.

Was damals wie heute zählte: das Ehrenamt.

"Normale" Brände im Dorf wurden ebenfalls überliefert. In der Nacht zum 1. Februar 1858 brach im Haus des Heinrich Adeneuer in der Kümpelsgasse 4 ein Feuer aus, das die Scheune und die Stallungen vernichtete. Nur das Wohnhaus konnte dank der schnellen Hilfe der Nachbarschaft gerettet werden, berichtet der Chronist. Und am 13. März 1862 sei die Scheune des Ortsvorstehers Franz Adam Türck vollständig abgebrannt. Da er gegen Feuer versichert war, habe er 125 Taler als Entschädigung erhalten. Eine Scheune brannte auch am 17. September 1866 ab. Sie gehörte Jacob Schüren und in ihr lagerte die eingefahrene Ernte. Kinder hatten laut Berzheim in der Scheune mit Zündhölzern gespielt, worauf das Feuer schnell um sich griff und auch das nebenstehende Haus in Mitleidenschaft gezogen habe.

Wenn es so oft brennt, muss eine Feuerwehr her. Die Truppe mit Freiwilligen wurde in Ippendorf allerdings erst 1906 gegründet und bestand aus 18 Feuerwehrleuten. Material hatten sie nicht, die Spritze war uralt und die 50 Meter Schläuche waren von Motten zerfressen. Außerdem waren die acht Eimer aus Leder ohne Boden.

Was damals wie heute zählte, war das Ehrenamt. Das technische Gerät verdienten sich die Feuerwehrleute selbst, indem sie Tanz- und Theaterabende in der Gastwirtschaft Hülsmann veranstalteten. 1908 waren sie so weit, dass sie für 150 Mark einen neuen Gerätewagen kaufen konnten, und einen Schlauchwagen bekamen die Ippendorfer von der Mehlemer Feuerwehr geschenkt. Immerhin: Eine Uniform stellte die Gemeinde zumindest dem Brandmeister Johann Grau, der von 1908 bis 1911 diesen Posten bekleidete.

Löscheinheit wegen Mitgliedermangels aufgelöst

Die Freiwillige Feuerwehr in Ippendorf gab es bis ins Jahr 2004, dann war Schluss in dem erst 1986 errichteten Feuerwehrhaus Am Kümpel. Man löste die Löscheinheit wegen Mitgliedermangels auf. Obendrein fehlte ein Brandmeister als Führungskraft. Die verbliebene Mannschaft mit elf Mitgliedern der Jugendfeuerwehr und drei Erwachsenen schloss sich seinerzeit der benachbarten Löscheinheit Lengsdorf an.

Eine kuriose Begebenheit ist übrigens aus dem Jahr 1911 überliefert. Brandmeister Jakob Wolf hatte damals mit seinen Leuten Übungen eingeführt. Doch die sind ihm dann vom Gemeinderat untersagt worden, weil angeblich zu viel Wasser aus der Wasserleitung dafür verbraucht wurde. Auch war der Gemeinderat der Ansicht, dass die Wasserleitung genügend Schutz gegen Brände liefere. Die alte Feuerspritze wurde deshalb 1923 verkauft.