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„Früher war nicht alles besser“: Klassentreffen nach 70 Jahren in Duisdorf

„Früher war nicht alles besser“ : Klassentreffen nach 70 Jahren in Duisdorf

Schöne Erinnerungen: Alte Klassenkameraden feiern ihre Einschulung vor 70 Jahren in die Rochusschule in Duisdorf. Schon damals gab es riesige Klassen.

„Es gab eine Lehrerin, vor der hatte ich richtig Angst“, erinnert sich Rosemarie Müller. „Oh ja, die hat auch zugehauen“, ergänzt Marlies Schickhoff. „Ach, das haben die doch alle“, erwidert wiederum Willi Wilbez. Früher war nicht alles besser: Da sind sich die ehemaligen Klassenkameraden der Rochusschule in Duisdorf sicher. Vor 70 Jahren wurden sie dort eingeschult. Das feierten sie am Samstagnachmittag bei ihrem sechsten Klassentreffen im Restaurant „Zur Tränke“.

„Unsere Klasse war riesig“, erzählt Wilbez. Bei der Einschulung 1947 seien sie über 90 Schüler gewesen. 1953 sei die Klasse dann geteilt worden. „Und heute regen sich die Eltern auf, wenn mehr als 30 Kinder in einer Klasse sind“, amüsiert sich Wilbez. Zum Klassentreffen sind immer noch 26 ehemalige Schüler der Rochusschule gekommen.

Das Klima in den Klassen sei damals streng gewesen. „Die Lehrer waren richtige Respektpersonen für uns“, sagte Marlies Schickhoff. „Erinnert ihr euch noch an Herrn Spankes?“, fragt Wilbez. Die Damen kichern: „Der sah wirklich gut aus.“ „Das war 'ne Schuss“, ergänzt Wilbez lachend.

In der Oberklasse wurden Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet. „Das ist totaler Blödsinn“, findet Malis Schickhoff. „Wir haben einfach auf der Treppe zwischen den Schulen geknutscht“, so Wilbez. „Ja, wir waren auch keine Engel“, stimmt Rosemarie Müller zu.

„Alles hat seine Zeit“, findet Willi Wilbez. Heute seien die Kinder ehrlicher und selbstbewusster. „Wir haben uns auch manchmal gedacht: Jetzt lass mich doch in Ruh'“, gibt Rosemarie Müller zu. Doch gesagt habe man es eben nicht. „Es ist toll, dass unsere Enkel so viele Möglichkeiten haben“, findet die Bonnerin. „Die meisten von uns waren mit 13 Jahren mit der Schule fertig“, so Wilbez. Aus der Rochusschulklasse habe es nur drei Schüler gegeben, die Abitur gemacht haben. „Ich musste 120 D-Mark pro Monat bezahlen, um zur Realschule gehen zu können“, erzählt Johannes Brünker. Das haben sich damals einfach die Wenigsten leisten können.