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Hauptschulkurs startet beim Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe

Büffeln für bessere Zukunft : Neuer Hauptschulkurs startet in Bonn-Dransdorf

Beim Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe in Bonn-Dransdorf können junge Menschen ihren verpassten Schulabschluss nachholen.

"Irgendwann wachen die Menschen dann auf", sagt Christine Powalla, "und würden überlegen, wie sie ihren verpassten Schulabschluss doch noch nachholen könnten". Dabei gebe es viele Gründe, weiß die Kursleiterin des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheitsberufe (BV-PG), die dazu führten, das die oft zwischen 20 und 50 Jahre alten Teilnehmer des einjährigen Weiterbildungsangebots des BV-PG noch keinen Hauptschulabschluss erlangt hätten. "Oft sind es zerrüttete Elternhäuser, in denen niemand darauf geachtet hat, was schulisch mit den Kindern passiert", sagt Powalla.

Gründe für einen fehlenden Schulabschluss sind vielfältig

Lernen beim BV-PG: Moussa Hassun, Mamadou Aliou und Sandra Kremer. Foto: Stefan Hermes

Manchmal seien es auch Drogen, frühe Schwangerschaften oder Jobs, die dazu führten, die Schule vorzeitig zu verlassen. Es sei klar, so die erfahrene Pädagogin, die mit ihren bald 70 Jahren betont, dass sie die Arbeit mit ihren sehr unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern sehr liebt, dass die meisten Teilnehmer eine schlechte Meinung von Lernen hatten. "Das hat viele dazu geführt zu sagen: Hauptschule brauche ich nicht." Dass sich diese Einstellung im Laufe der Jahre ändere, sei vor allem eine Reifeentwicklung. Häufig sei es auch so, dass sie eine Stelle in der Pflege finden, dort als Hilfskraft arbeiten und dann feststellten: "Hoppla! Da haben welche eine Ausbildung und verdienen ein bisschen mehr als ich", nennt Powalla die Motivation einiger Schüler, das Angebot des Vereins zu nutzen und innerhalb eines Jahres den Hauptschulabschluss der Klasse 9 mit "Basisqualifikation Pflege und zusätzlicher Betreuungskraft" zu erlangen. Nach erfolgreich bestandener Prüfung, die der Verein in Kooperation mit der Volkshochschule in Troisdorf durchführt, kann eine einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer sowie auch eine weitere dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger angeschlossen werden.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer in der Klasse von Christine Powalla haben einen Migrationshintergrund oder sind als Geflüchtete ohne Nachweis einer Schulbildung in Deutschland angekommen. So verließ der 24-jährige Mamadou Aliou nach dem Tod seines Vaters das westafrikanische Guinea.

"Ich hatte niemanden mehr, der sich um mich gekümmert hätte", sagt er und berichtet von seinem mühsamen und gefährlichen Weg nach Deutschland. Zuhause hatte er lange Jahre seine Großeltern gepflegt. "Ich hätte nie gedacht, dass das ein Beruf sein könnte", sagt er. In seiner Heimat sei es Aufgabe der Familie, die Angehörigen zu pflegen. Als er nach einem Sprachkurs vom Arbeitsamt die Empfehlung für den BV-PG bekam, konkretisierte sich für ihn seine Zukunft: Nach der Ausbildung bis hin zum Altenpfleger möchte er in Deutschland noch so viel Geld verdienen, bis er damit in Guinea eine Altenpflege eröffnen kann.

Ein Praktikum, das Moussa Hassun (22) im Seniorenheim Kursana in Mehlem machen konnte, bestätigte den Syrer in seinem Wunsch, Altenpfleger zu werden.

Als Zwölfjähriger hatte er seine Mutter hilflos leiden sehen und sich vorgenommen, das Pflegen zu erlernen. Doch Hassun musste 2013 aus dem von Regierungstruppen bombardierten Aleppo fliehen. Drei Jahre lang versuchte er in der Türkei, vormittags in der Pflege arbeitend zu lernen und nachmittags Geld zu verdienen. Doch das Geld reichte nicht. So machte auch er sich dann ohne Ausweise auf eine 15-tägige Odyssee über das Mittelmeer nach Europa. Nach zwei Jahren als Gelegenheitsarbeiter ist er jetzt mit der Weiterbildung im Bonner Verein seinem Ziel, Menschen helfen zu können, ein sehr großes Stück näher gekommen.

Neuer Kurs ist gerade gestartet. Anmeldung noch möglich

Bei der 34-jährigen Sandra Kremer hat die Erkenntnis zum Nachholen des Hauptschulabschlusses weitaus länger gedauert.

Sie nennt es "jugendlichen Leichtsinn", dass sie keinen Schulabschluss gemacht hatte. "Ab der achten Klasse hatte ich einfach keinen Bock mehr", sagt sie. Zwölf Jahre lang hatte sie im Lager bei einem Pressevertrieb gearbeitet, bevor sie als Kassiererin in einer Tankstelle die Einsicht bekam: "Ohne Abschluss und Ausbildung bleibt man immer ganz unten. Man kann sich nicht mal hocharbeiten." Jetzt hat sie das Ziel, Rettungssanitäterin zu werden und macht mit dem kombinierten Nachholen von Hauptschulabschluss und Pflegehelfer-Ausbildung einen großen Schritt in die von ihr gewünschte Richtung.

Am 16. September startete ein neuer einjähriger Hauptschulkurs, der den Schulabschluss mit einer ersten beruflichen Qualifizierung verbindet.

Noch sind einige Plätze frei, für die man sich bis zum 30. September unter der Telefonnummer (0228) 96 54 54-11 oder vogel@bv-pg.de angemeldet haben sollte.