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Hardtberg: Karneval im Begegnungscafé

„Das sind nun Bonner Bürger“ : Karneval im Begegnungscafé in Hardtberg

Die Flüchtlingsinitiative der Katholischen Thomas-Morus-Kirchengemeinde feiert Karneval im Begegnungscafé. Dabei wird klar: Viele der Neubürger fühlen sich als Bonner.

Mit Luftschlangen um den Hals, rot geschminkten Backen und rot-weiß geringelten T-Shirts sind Anne und Alfons Kelz als Jecken zu erkennen. Im Begegnungscafé für Geflüchtete feiern sie gemeinsam Karneval.

Seit Oktober 2014 gibt es das Begegnungscafé für Geflüchtete und interessierte Besucher im Pfarrsaal von Sankt Antonius an der Siemensstraße. „Wir alle wollten den Menschen, die aus den Kriegsgebieten von Syrien und Afghanistan kamen, irgendwie helfen“, sagt Anne Kelz, die sich zusammen mit ihrem Ehemann seit Ankunft der Geflüchteten in Paulusheim und den Containern an der Gerhardt-Hauptmann-Straße um sie kümmert.

Alfons Kelz, wie seine Frau früherer Bankkaufmann, trägt zudem Pappnas und Perücke. „Ich bin noch ganz bewegt vom gestrigen Abend“, erzählt er. Gemeinsam mit Ahmad (17) und seinen Eltern nahmen sie seinen kleinen Bruder Mahmoud (7) am Dienstagabend im Düsseldorfer Flughafen in Empfang. Nur betreut vom Flugzeugpersonal ist er alleine von Damaskus über Beirut in die neue Heimat seiner Eltern geflogen. Für Ahmad ein Wiedersehen nach vier Jahren. Nun ist die Familie wieder komplett. Alle haben den Kriegsterror überlebt.

Flüchtlingsthema aus Medien verschwunden

Unter den etwa 30 Helfern, die den Geflüchteten in der Gemeinde im Begegnungscafé praktische Lebenshilfe und Unterstützung bieten, sind es rund zehn Menschen, die sich gezielt um die Integration der Neubürger kümmern. Mit Rat und Tat stehen sie den Familien zu Seite. „Leider sind wir jedoch inzwischen viel zu wenige“, sagt Anne Kelz.

Längst sei das Flüchtlingsthema aus den Medien verschwunden und damit auch die Welle der Hilfsbereitschaft abgeklungen. Doch der Bedarf sei nach wie vor da. „Die Geflüchteten, die jetzt nicht mehr in den städtischen Unterkünften, sondern in Wohnungen in Tannenbusch, Dransdorf oder Endenich leben, sind raus aus der Statistik“, so Kelz. „Das sind keine Geflüchteten mehr, das sind nun Bonner Bürger“, sagt sie.

Obwohl die Menschen jetzt nach wie vor Hilfe bei ihrer Integration brauchten. Kelz bewundert vor allem die Frauen, die trotz ihrer Kinder in Sprachkurse gehen und „sprachlich oft viel mehr schaffen als ihre Männer.“ Doch auch für diese Familien wäre es schön, wenn sich noch weitere ehrenamtlich engagierte Menschen fänden, die die neuen Bonner in ihrem Integrationsprozess unterstützen.

Manchmal sei es einfach schon gut, miteinander zu sprechen und Konversation zu üben. Kommunikation, sagt auch Diakon Ralf Knoblauch, sei das Wichtigste. Schon früh habe man angefangen, den Geflüchteten zu erklären, was im rheinischen Karneval passiere.

Berichte von Nouruz-Fest

„Alles ist toll im Karneval“, ist beispielsweise Fazat (28) überzeugt, der seit vier Jahren in Deutschland lebt. Erst im weiteren Gespräch mit ihm wird deutlich, wie groß der Kulturkonflikt sein kann, wenn sich Gläubige aus der muslimischen Welt mit der Freizügigkeit in den Karnevalstagen konfrontiert sehen. „Da muss jeder selber sehen, wie er damit umgeht“, sagt der Syrer, der sein Lehrerstudium wegen des Krieges abbrechen musste und nach und nach wieder Fuß in Deutschland fasst. Er sei tolerant. Doch er könne sich schon vorstellen, dass es manch einem seiner Landsleute zu viel sei, wenn die Kostüme der Frauen zu körperlich würden. „Man muss ja nicht alles zeigen“, sagt er und lacht.

Der Kurde berichtet vom Nouruz-Fest in seiner Heimat, bei dem ähnlich ausgelassen gefeiert würde wie im rheinischen Karneval. „Man zieht neue Kleider an, tanzt miteinander und zündet Freudenfeuer an“, erzählt er.
„Nach den Vorfällen auf der Domplatte in Köln“, so Knoblauch, „haben wir noch einmal in besonderem Maße versucht, Präventionsmaßnahmen für die Geflüchteten zu entwickeln und ihnen Verhaltensregeln für unsere fünfte Jahreszeit nahezubringen.“

Und wenn sich Knoblauch die Entwicklung der letzten Jahre ansehe, sei dabei auch ein gutes Stück Integration gelungen, sagt er. Inzwischen lernten die Kinder bereits in der Kita, was Karneval bedeute und trügen diese Informationen in ihre Familien. „Da ist schon viel passiert und es wird jährlich besser.“