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Ladenlokal in der Fußgängerzone: Einbrecher stehlen die besten Stücke in Duisdorf

Ladenlokal in der Fußgängerzone : Einbrecher stehlen die besten Stücke in Duisdorf

Kopfschüttelnd betrachtet Werner Göpel den Scherbenhaufen vor seinem Ladenlokal in der Duisdorfer Fußgängerzone. Die Eingangstür ist zertrümmert, aus der Auslage sind nur die besten Stücke gestohlen worden.

„Die Diebe haben wirklich gezielt aussortiert“, zieht der 81-jährige Architekt erste Bilanz: Eine wertvolle Lithographie, ein umfangreiches Silberbesteck sowie ein kostbares Ölgemälde sind verschwunden. „Mein Gesamtschaden beläuft sich auf mindestens 17.000 Euro“, überschlägt Göpel.

Mittwoch früh wurde er von der Polizei aus dem Bett geklingelt und über den Einbruch informiert. Nach ersten Ermittlungen der Bonner Polizei haben die bisher unbekannten Täter in der Nacht zu Mittwoch zwischen ein und drei Uhr die Schaufensterscheibe des Ladenlokals Rochusstraße 177 offenbar mit einem Stein eingeworfen und sich in der Auslage bedient.

Seit Jahren sammelt der 81-Jährige Kunst und Antiquitäten. „Vieles hatte ich mir vor Jahren zur Alterssicherung zugelegt“, berichtete er am Mittwoch im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Doch jetzt war sein Bestand so groß geworden, dass er sich von einigen Stücken trennen will. „Ich muss zu Hause Platz schaffen.“ Daher hatte er einige besonders wertvolle Stücke in die Online-Auktion von Ebay eingestellt. Während sich potenzielle Käufer im Netz überboten, wollte Göpel die guten Stücke jedoch nicht zu Hause im verborgenen Kämmerlein lagern, sondern er wollte sie im Schaufenster des leer stehenden Ladenlokals in der Rochusstraße präsentieren.

Auch Original-Lithographie

Zu den gezeigten Objekten zählte auch eine besondere Original-Lithographie von Salvador Dali. „Ein sehr schönes Stück, das ich vor vielen Jahren erworben habe“, berichtete er. Im Handel seien ähnliche Exemplare aktuell für etwa 3000 Euro zu haben. Auch ein 64-teiliges Silberbesteck einer namhaften Manufaktur ließen die Diebe nicht liegen. „Das hat einen offiziellen Wert von etwa 10.000 Euro“, überschlägt der 81-Jährige.

Außergewöhnlich sei zudem ein Ölgemälde des russischen Malers und Regimekritikers Boris Birger, der 1990 die Sowjetunion verlassen hatte und sich an der Ahr niederließ. „Für dieses Bild zahlen Kunstinteressierte bis zu 10.000 Euro“, so der Architekt.

Doch zum Glück räumten die Diebe nicht die gesamte Auslage mit allen Stücken der aktuellen Online-Versteigerung aus. Denn: „Alles in allem haben die Exponate einen Gesamtwert von etwa 50.000 Euro.“ Da Göpel jedoch das jeweilige Startgebot angegeben hatte, suchten sich die Unbekannten nur die mit den höchsten Preisen aus. Noch in der Nacht machte sich Werner Göpel von seinem Wohnhaus in Sankt Augustin auf nach Duisdorf. Dort sicherte er die restliche Auslage und ließ die Eingangstür notdürftig verschließen.

Wieder zu Hause musste er dann schleunigst den Computer hochfahren. „Ich habe die gestohlenen Stücke umgehend aus der Auktion herausgenommen und den Vorgang deaktiviert“, berichtet er. „Damit ich jetzt nicht noch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, weil ich nicht mehr in Besitz der gezeigten Objekte bin“, resümiert er nach dieser aufregenden Nacht.