Interkulturelle Kompetenz: Ein Training in Gewaltprävention

Interkulturelle Kompetenz : Ein Training in Gewaltprävention

Mitarbeiter der Jugendeinrichtungen in Medinghoven bilden sich fort und stärken ihr Netzwerk.

Sie verneigen sich voreinander, sie streichen sich mit den Händen übers Gesicht, sie nicken sich zu - je nachdem, welches Begrüßungsritual welcher Kultur Anne-Gisèle Nimbona vorgegeben hat.

"Meinem Gegenüber mit den Händen übers Gesicht zu streichen wie es Polynesier tun, das habe ich vermieden, das finde ich sehr befremdlich", sagt Claudia Jabs von der Offenen Ganztagsschule Medinghoven.

Damit sind Jabs sowie Yvonne Espinosa (Spielhaus Medinghoven), Henrike Westphal (Bucer Haus), Thiemo Heilsberger (Sprungbrett), Dimitri German (Jugendhilfe Godesheim), Konstantin Kirchhoff (Bucer Haus), Reinhard Jansen (Stadtteilbüro Diakonie), Monika Mehring-Willebrand (Familienhilfe), Stefan Werker (Grundschule Medinghoven) und Gerald Möller (Pfadfinder) mittendrin im interkulturellen Kompetenztraining.

Zu diesem Training, das von der Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse finanziert wird, hatte Stadtteil-Koordinatorin Lou Krahnke die Akteure vor Ort eingeladen. "Ich möchte bei dieser Fortbildung nicht nur Inhalte vermitteln lassen, sondern unsere Vernetzung durch ein gemeinsames Thema, das uns jeden Tag betrifft, fördern und unserer Zusammenarbeit neue Impulse geben."

So erfuhren die Teilnehmer von Trainerin Anne-Gisèle Nimbona, wie sie selbst ihre interkulturelle Kompetenz erkennen und stärken können. "Eine kulturelle Öffnung ist auf verschiedenen Ebenen notwendig, um kulturelle Vielfalt zu erleben", erklärt sie. Es gelte, die eigene Perspektive zu erweitern, ohne die andere Kultur zu übernehmen, sondern sich seiner eigenen Kultur bewusst zu sein.

Aus beruflichem Blickwinkel sei es wichtig, der Person mit einer anderen Kultur eine Chance zu geben, kulturelle Missverständnisse zu klären zu berücksichtigen. "Viele Migranten sind individuell belastet", sagte Nimbona und riet: "Wenn Sie kulturelle Vielfalt als eine Bereicherung empfinden, dann fördern Sie das Zugehörigkeitsgefühl. Pflegen Sie eine Willkommenskultur."

Dazu gehöre es auch, Unterschiede in den Verhaltensregeln zu respektieren, aber auch seine eigenen zu pflegen. Doch wie sollen sie mit ihren Alltagsproblemen umgehen? Wenn zum Beispiel jugendliche Muslime in einer Jugendeinrichtung unverkennbar offen andere Jugendliche missionieren möchten?

"Dann ist das nicht der richtige Ort dafür, die eigentliche Arbeit der Einrichtung geht unter. Das dürfen wir auch so äußern und um Akzeptanz bitten", ist man sich in dieser Frage einig.

Nach dem Training ziehen die Teilnehmer Bilanz. Sie möchten allen Kulturen einen Platz geben, sich aber auch dem Problem zwischen dem Offensein und dem Deutlichmachen der eigenen Kultur stellen.

Sie wollen sich zudem in einem Arbeitskreis über muslimischen Extremismus besser informieren. Und sie möchten vor allem das Netzwerk der Medinghovener Akteure weiter pflegen, um Strategien für den Umgang mit bestimmten Themen entwickeln zu können.