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Hardtberger Kulturnacht: Ein Abend für den langen Atem

Hardtberger Kulturnacht : Ein Abend für den langen Atem

Die neunte Hardtberger Kulturnacht überzeugt mit Ausstellungen, Theater, (Straßen-)Konzerten und vielem mehr. Besucher beschreiben das Flair als einmalig.

Laura Zimmermann bewies am Samstag einen langen Atem. Die Buschhovenerin stand mit ihrem Saxofon vor Café Schell's Eck und spielte und spielte, auch gegen die musikalische Konkurrenz der Hot Pepper Jazz Band, die vor dem Kulturzentrum Hardtberg das Publikum unterhielt. Respektable vier Stunden lang beschallte sie mit wenigen Unterbrechungen die Straße und die Menschen, die bei der neunten Hardtberger Kulturnacht von Station zu Station gingen.

Diese wurde im Kulturzentrum eröffnet, wo sich der Vorsitzende des Vereins Hardtbergkultur Enno Schaumburg erleichtert darüber zeigte, dass der Veranstaltung das Regenwetter vom Vorjahr erspart blieb. Kulturelle Vielfalt und ein lebendiges Miteinander: „Unser Stadtbezirkszentrum soll dadurch gewinnen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand.

Sie führte auch in zwei Ausstellungen ein, die das Kulturnacht-Programm räumlich umrahmten. Im Rathaus zeigt Erika Kömpel, Mitglied der Künstlergruppe Semikolon, anlässlich ihres 70. Geburtstages bis zum 7. Oktober Skulpturen aus Stein und Fotokunst: Ihre Aufnahmen spielen mit Licht und Schatten, zeigen Stillleben und fangen die Welt im Regen ein. Ihre abstrakten Skulpturen füllen den Freiraum dazwischen. Kömpel lege „Wert auf den Charakter des Materials, das sie für ihre formal reduzierten Kunstwerke verwendet“, so Thorand.

Am anderen Ende der Rochusstraße zeigten Miriam Nolte, Patricia Falk und Istihar Kalach „Träumereien“ aus abstrakten Malereien, Fotografien, die ein ungewohntes Verhältnis zwischen Mensch und Lebensmitteln präsentierten, und eine Installation aus abstrakten Tierobjekten: Die Darstellung von Tierfellen, Knochen und Zähnen stammte aus Noltes „Bestiarium“. Die drei Künstlerinnen von der Alanus Hochschule hatten dafür den ganzen Saal zunächst einmal leer geräumt. „Man bekommt eine neue Sichtweise auf das Bauwerk“, sagte Thorand einleitend.

Zwischen diesen beiden Schauplätzen wurde viel geboten - so viel, dass kaum noch Zeit für einen Abstecher ins Theater im Keller blieb. Und das Programm wurde gut angenommen: In der Buchhandlung Bouvier lockte das Ensemble „les-Bon(n)mots“ mit Improvisationstheater viele Zuschauer an, ebenso wie Sabine Trinkauf, die bei Zapp Optik einige schwarzhumorige Geschichten las, begleitet von Gitarrist Bert Enkel. Auch bei Bäder Pinsdorf herrschte gutes Interesse an der Musik von Tom P. Astor und Stephan Eisel sowie den Akt-Malereien von Renate Feuser-Wild. In den Restaurants und Bistros an Kirche und Schickshof herrschte viel Betrieb.

Die Foto-Törtchen, auf denen der Duisdorfer Esel und das Kulturzentrum abgebildet waren, gingen laut Markus Schell ebenfalls gut weg, im Beratungszentrum der Sparkasse Köln-Bonn sprang der Gute-Laune-Funke der "Kölschen Soul Diva“ Amadea Brüsselbach auf das Publikum über. Viel Zulauf beim Konzert des Musikvereins in der Rochuskirche, bei Hans Bergs Führung durch die Geschichte Duisdorfs, beim Salsa-Workshop von Mercedes Franzen und bei Andrea Thieles Harfenkonzert vor Bestattungshaus Vitt – ein voller Erfolg, diese Kulturnacht. „Das Flair ist einmalig, das finde ich herrlich“, meinte Besucher Dirk Frieß. Es sei wie im Urlaub.

Allerdings: Zwischen der Ausstellung im Reformhaus Blattner und dem Straßenkonzert beim Kondi-Café Penkert blieben alle Läden geschlossen, auch Anja's Teestübchen, urlaubsbedingt. „Es wäre schöner gewesen, wenn noch mehr mitgemacht hätten“, meinte Frieß.