Hardtberger Kulturnacht: Duisdorf als pulsierende Kulturmeile

Hardtberger Kulturnacht : Duisdorf als pulsierende Kulturmeile

Wie gut, dass es bei dieser Hardtberger Kulturnacht kein Programm auf der Straße gab: Solange es nichts mit Wasser zu tun gehabt hätte, wäre es wohl nicht zustande gekommen. Enno Schaumburg, Vorsitzender des Vereins Hardtberg Kultur, sah den Regen positiv: "Das Wetter lädt auch zu einem längeren Verweilen ein."

Im Ratssaal stellte Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand zur Eröffnung die Ausstellung abstrakter Malereien des bulgarischen Künstlers Dimiter Panev vor, die bis 9. Oktober zu sehen ist. Man müsse die Bilder betrachten "unter dem Prisma der Musikleidenschaft des Künstlers", erklärte Stefan Dimitrov, Leiter des Konsulates der Republik Bulgarien in Frankfurt am Main.

Die Leute hielten sich lieber drinnen auf

Nach der Eröffnung trat das Volkstheater im Saal mit einem Auszug aus Ferenc Molnárs "Liliom" auf. Derweil versammelten sich vor dem Rathaus Teilnehmer einer Volkshochschulführung, die eigentlich verschiedene Stationen Duisdorfs vom Ehrenmal bis zum Esel auf dem Schickshof anlaufen sollte. Aufgrund des Regens lief sie stark verkürzt ab.

Die Leute hielten sich lieber drinnen auf. Bei Bestattungen Vitt zeigte die Duisdorferin Natja Jander ihre Porträts von Freunden und Bekannten. Oftmals waren das nicht lachende und positive Gesichter: "Es sind eher die negativen Gefühle, die mich thematisch gereizt haben."

Mit Bestattung hatte das bewusst nichts zu tun. "Mir ist wichtig, dass wir das Bestattungshaus auch für Dinge öffnen, die nicht unbedingt etwas mit Beerdigung zu tun haben", sagte Reitelbach. "Wir haben dieses Mal einen Schwerpunkt auf Malerei und Fotografie gesetzt", so Schaumburg.

Diese Kunst begegnete den Besuchern an vielen Stationen. Fotograf Volker Lannert präsentierte seine Bilder, die er im alten Tonstudio der Internationalen Film-Union geschossen hat, in Anja's Teestübchen. Die beeindruckenden Aufnahmen eines alten und verfallenen Ton-Archivs fanden Anklang: Mindestens eins der Werke wurde verkauft.

Bei Bäderhaus Pinsdorf bestaunten die Besucher außerdem die wohl schönste Toilette im Hardtberg, die Mitglieder des Vereins Stadtteilkultur Brüser Berg gestaltet hatten. Musik hörte man in den drei Restaurants an der Rochusstraße, außerdem luden die "Oldie Guitar Pickers" im Buchladen Bouvier zum Mitsingen ein. Und in der Rochuskirche spielte wieder der Musikverein Duisdorf.

Mode ist ein Parasit und dringt in ein System ein

Im Kulturzentrum waren die "Stoffparasiten" ausgebrochen. Künstler Achim Kirsch hatte im Rahmen eines Projektes zum Thema Absurdität Wesen genäht. Nähen sei für ihn zu Beginn des Projektes absurd gewesen, sagte er, ebenso wie das Thema Mode. "Sie verhält sich wie ein Parasit, der eher stört, ein normales Leben erschwert, in ein System eindringt und versucht, es nur für sich zu nutzen", erklärte er.

Jenseits der Rochusstraße waren das Atelier Bruno Russi in der Bahnhofstraße und das Theater im Keller beteiligt. Das Programm des Abends gefiel Besucherin Vera Goßmann. "Es tut mir in der Seele weh für alle, dass wir so ein mieses Wetter haben." Ihr Mann Rolf bedauerte, "dass wahrscheinlich viele zu Hause bleiben werden".

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