Andrea Bahrenberg aus Appelshülsen: Die Landlust in Person

Andrea Bahrenberg aus Appelshülsen : Die Landlust in Person

BONN. "Bitte, woher?" Diese Gegenfrage, unterlegt mit rheinischem Singsang, ist Andrea Bahrenberg inzwischen gewohnt. Meistens hat die 31-Jährige ihrem Gegenüber da gerade erzählt, dass sie aus Appelhülsen stammt. Andrea Bahrenberg ist Pressesprecherin, Bauerntochter und Autorin von Kurzgeschichten.

"Bitte, woher?" Diese Gegenfrage, unterlegt mit rheinischem Singsang, ist Andrea Bahrenberg inzwischen gewohnt. Meistens hat die 31-Jährige ihrem Gegenüber da gerade erzählt, dass sie aus Appelhülsen stammt. Bei aller bönnschen Weltläufigkeit: Ein Ort solchen Namens ist hierzulande wohl nur den wenigsten ein Begriff. Bis sie eben Andrea Bahrenberg treffen.

Westlich von Münster und 165 Kilometer von Bonn liegt der 4500-Einwohner-Ort mit dem elterlichen Hof und seinen 50 Milchkühen und 900 Mastschweinen, auf dem die Bauerntochter aufwuchs. Und diese ländlichen Wurzeln tragen inzwischen ganz unterschiedliche Früchte. Als Redakteurin der Landwirtschafts-Zeitung, herausgegeben vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband mit Sitz an der Rochusstraße, weiß sie mithin, wovon sie schreibt.

Auch in ihrer Funktion als stellvertretende Pressesprecherin des Verbandes kann eine gute fachliche Grundlage nicht schaden. Außerdem hat sie die Kulisse ihrer Kindheit und Jugend jetzt in einer Kurzgeschichtensammlung verewigt. "Besser als Gold" heißt das Buch mit 19 märchenhaften Geschichten, das vor wenigen Wochen erschienen ist.

An Erlebnissen mangelt es der Autorin nicht. Lebhaft und anschaulich erzählt sie, wie sie einst mit ihrer eigenen Kuh Marion über Kreistierschauen tingelte und sich Zuchtpreise und Prämien abholte. Nebenbei: Auf Marion lernte sie auch das Reiten. Dann erzählt sie davon, wie sie dem Vater zur Erntezeit das Mittagessen aufs Feld brachte, und wie sie als Kind auf dem Heuboden Buden baute. Schon früh bahnte sich das Erlebte seinen Weg aufs Papier.

Die ersten Gedichte mit acht, die ersten Kurzgeschichten mit zwölf, der erste Schreibkurs mit 17 Jahren. Bei ihren Eltern weckte Andrea Bahrenberg mit dem Berufswunsch Schriftstellerin nicht gerade Euphorie. Doch wird dem Münsterländer ja eine gewisse Hartnäckigkeit nachgesagt, um einen Begriff wie Sturheit zu vermeiden. Von Lehrern und Freunden ermuntert, setzte sie ihren Willen durch, schrieb kleine Geschichten und Porträts.

Nach Bonn kam sie des Studiums wegen. "Erst wollte ich Komparatistik studieren. Das wurde nur in sieben Städten angeboten, und von denen gefiel mir Bonn am besten", erzählt sie. Bereut hat sie es nicht: "Die Rheinländer in Bonn sind genau so offen und lustig, wie sie andernorts stets beschrieben werden. Das passt auch zu meiner Lebensart", sagt sie.

An der Universität schlug sie dann doch den traditionellen Pfad ein, studierte Germanistik und fand über eine Reihe von Medienpraktika den Weg zum Agrarjournalismus. Reportagen über landwirtschaftliche Betriebe und der Blick auf aktuelle Agrarpolitik sind seit fünf Jahren ihr Tagesgeschäft. "Nur Schriftstellerin zu sein, wäre mir zu einsam gewesen, ich liebe den Kontakt zu den Menschen", sagt sie.

Ein zweiwöchiger Schreibkursus im Urlaub gab ihrem belletristischen Schreiben einen neuen Schub. "Um ein Ergebnis zu erzielen, muss man sich zur Regelmäßigkeit zwingen", ist sie überzeugt. Also hat sie sich ein Jahr lang jeden Morgen vor der Arbeit an den Schreibtisch gesetzt, bis die 19 Kurzgeschichten fertig waren. Darin geht es nicht nur um das Landleben. Ohnehin dient das Dörfliche, wo es in ihrem Buch zum Inhalt wird, eher als Metapher - für Bodenständigkeit und Verlässlichkeit sowie für Werte, die neben der Bereitschaft zu harter Arbeit von Generation zu Generation weitergegeben werden.

"Besser als Gold" ist die Erkenntnis, dass materielle Verlockungen den Blick für das Entscheidende im Leben und den eigenen Weg nicht verstellen sollten. So erleben die Figuren in ihren Geschichten einerseits Abenteuer, erkennen gleichzeitig aber auch, was in ihnen steckt. Das gelingt indes nicht immer auf Anhieb. "Um mitfühlen zu können, muss der Leser leiden", sagt Andrea Bahrenberg, die Michael Ende als ihr großes literarisches Vorbild bezeichnet.

Bei aller Wertschätzung für die Bauern mag sie ein Schicksal mit ihnen nicht teilen: die allzu enge Verbundenheit mit der eigenen Scholle. Reisen auf andere Kontinente haben es Andrea Bahrenberg angetan; zuletzt hat sie ein Stipendium an die Westküste der Vereinigten Staaten geführt. "Dorthin würde ich immer wieder reisen", sagt sie. Wohnen möchte sie für immer im Rheinland und ist hier zuweilen auch tanzend oder auf dem Rennrad anzutreffen. Wenn sie nicht gerade schreibt.

Typisch Bönnsch

An Bonn gefallen mir die Zuckerbäckerhäuschen der Südstadt und die "kleine Größe" der Stadt. Ich bin überall in 15 Minuten und verliere keine Lebenszeit durch Wege.

Ich vermisse in Bonn einen Schokoladenbrunnen auf dem Münsterplatz.

Mein Lieblingsplatz in Bonn ist die Rheinpromenade auf der Beueler Seite und das Siebengebirge, weil man dort herrlich mit dem Rad fahren kann und ich mich wie im Urlaub fühle.

Typisch Bönnsch ist für mich die offene, lockere, lebensfrohe Art der Bonner, die mein positives Bild von den Rheinländern geprägt haben.