Einlaufbier für Seeleute in Medinghoven: Die Besatzung der „Bonn“ trifft Marinekameradschaft

Einlaufbier für Seeleute in Medinghoven : Die Besatzung der „Bonn“ trifft Marinekameradschaft

Das Patenschiff „Bonn“ ist Anfang Mai in Wilhelmshaven eingelaufen. Dort war die Besatzung nach ihrem fünfmonatigen Einsatz von einer Delegation der Marinekameradschaft sowie des Freundeskreises in Empfang genommen worden. Jetzt folgte der Gegenbesuch.

Ein zackiges „Moin“ ist auf dem Hardtberg eher selten die Begrüßung. Eine Ausnahme gibt es aber. Wenn sich nämlich eine Abordnung der Besatzung des Einsatzgruppenversorgers „Bonn“ mit der Marinekameradschaft „Eisbrecher Stettin“ trifft. Der Anlass: ein gemütlicher Abend im „aus der Asche wieder erstandenen Vereinsheim“ am Wesselheideweg, erklärt der Vereinsvorsitzende Berthold Heupel.

Damit ihm auch alle zuhören, läutet er eine echte Schiffsglocke. Auf seinen Gruß schallt ein vielstimmiges „Moin“ zurück. Und der Laie lernt schnell, dass diese Zusammenkunft unter Seeleuten „Einlaufbier“ genannt wird. Denn das Patenschiff, die „Bonn“, ist Anfang Mai in Wilhelmshaven eingelaufen. Dort war die Besatzung nach ihrem fünfmonatigen Einsatz von einer Delegation der Marinekameradschaft sowie des Freundeskreises in Empfang genommen worden.

„Ein großer Moment“, sagt der 84-jährige Gerhard Steinmann. „Die gesamte Mannschaft steht in Passieraufstellung fürs Foto bereit“ – ein weiteres Souvenir für Steinmanns „maritime Ecke“ daheim. Nach einigen Tagen Urlaub hat sich die Besatzung der Tradition gemäß aufgemacht, den Freunden und Förderern zu Lande einen Patenschaftsbesuch abzustatten und das ein oder andere Einlaufbier zusammen zu trinken.

Freude übers Wiedersehen

Im Vereinsheim in Medinghoven treffen sich Steinmann und Hauptbootsmann Marko Küllmeg wieder. „Im Laufe der Jahre sind wir Freunde geworden. Übers Wiedersehen freuen wir uns jedes Mal“, sagt der 31-jährige Küllmeg unter dem beifälligen Nicken Steinmanns. Im Gegensatz zum Jüngeren war der 1935 geborene nie Soldat. Die Beziehung zur Marine entflammte einesteils durch die Mitgliedschaft im Shanty-Chor, andernteils durch die Urlaube an der See. „Ich habe nie gedient, aber 30 Jahre lang Seemannslieder gesungen“, sagt er. Bei Schiffsausflügen, etwa nach Helgoland, sei er zum Glück nie in schwere See geraten, „höchstens schon mal in der Ehe“, flachst er. Was Steinmann und Küllmeg zum einen verbindet, ist die Bewunderung für Deutschlands größten Einsatzgruppenversorger. Und wieder lernt der Laie: Es heißt Schiff, nicht Boot. „Und zum anderen ist es die Kameradschaft, die im begrenzten Raum eines Schiffes entsteht“, so Küllmeg.

Seemannslieder zum Akkordeon

Der Quedlinburger war noch gar nicht geboren, als der Bonner Verein 1983 von neun ehemaligen Marinern gegründet wurde. Derzeit hat er 68 Mitglieder. „Das sind ehemalige und aktive Fahrensleute der Deutschen Marine und Seeleute von der Christlichen Seefahrt sowie alle, die sich der See verbunden fühlen“, erläutert Vorsitzender Heupel, der selbst zwölf Jahre bei der Marine war. Selbstverständlich sind auch Frauen dabei. „Wir versuchen hier im tiefen Binnenland das Verständnis um die Notwendigkeit der Seefahrt für unser Land zu verbreiten. Darüber hinaus pflegen wir die Kameradschaft.“ Bei den ersten Zusammenkünften wurden Seemannslieder zum Akkordeon gesungen, das war 1987 die Geburtsstunde des Bonner Shanty-Chors.

Die Delegation der „Bonn“ hat der Marinekameradschaft als Gastgeschenk einen Schiffskompass mitgebracht. Alle freuen sich über ein weiteres Schmuckstück fürs Vereinsheim. Denn ein verheerender Brand im März 2018 war ein tiefes Wellental in der Vereinsgeschichte. Das Heim ist wiederaufgebaut „und glänzt wie ein neues Schiff, das gerade die Werft verlassen hat“, so Heupel. „Wir sitzen endlich wieder im Trockenen.“ Allerdings sind die Wände noch kahl. Das maritime Flair der guten Stube ist in Arbeit.

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