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Duisdorfer Stiefel-Club: Der Chef am Männerstammtisch

Duisdorfer Stiefel-Club : Der Chef am Männerstammtisch

Lambert Berg ist seit 40 Jahren Vorsitzender des Duisdorfer Stiefel-Clubs.

Einer muss entscheiden und sagen, wo es lang geht – beim Sportclub, beim Ortsfestausschuss, beim Schützenverein. Und eben auch an einem Stammtisch mit 20 Männern, der sich einmal pro Monat in der Kneipe trifft, Bier trinkt und die Geselligkeit pflegt. Lambert Berg ist beim Stiefel-Club derjenige, der sagt, was gemacht wird.

„Wenn nicht einer da ist, der sich um alles kümmert und sich durchsetzt, klappt das nicht“, sagt er. Damit meint er nicht das Bestellen einer Runde, sondern die vielen Aktivitäten des Clubs, der bei der Waldreinigung mitmacht, Feste organisiert, Bosseltouren absolviert, am Derletalfest teilnimmt, eine Schule unterstützt und die Läufer beim Bonn-Marathon unterwegs verpflegt. Das alles will koordiniert sein, auch die jährliche Männertour, die der Duisdorfer Stiefel-Club unternimmt, muss geplant werden.

Die 20 Mitglieder scheinen jedenfalls zufrieden mit ihrem Chef Lambert Berg zu sein, der die Führerrolle für sich beansprucht. Kürzlich ist er einstimmig zum 40. Mal zum Vorsitzenden des Clubs gewählt worden, kein anderer Duisdorfer Vereinsfunktionär kommt da mit. Selbst Urgestein Jupp Klein vom Spielmannszug Rot-Weiß nicht, der zwar 49 Jahre in dessen Vorstand war, aber „nur“ 23 Jahre als Vorsitzender auf dem Buckel hat.

Sei's drum: Als sich im November 1970 zehn Männer beim Frühschoppen in der „Gemütlichen Ecke“ am Rathaus Hardtberg trafen und einen Stammtisch gründeten, war Lambert Berg bereits dabei. Bis heute. Der bekennende Fan von Elvis Presley ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied.

Der Ruf war nicht immer der beste, das weiß auch der heute 73-Jährige. „Wir trinken unser Bier, ja. Aber von uns hat man noch keinen gesehen, der besoffen durchs Dorf getorkelt ist.“ Wer den Stiefel-Club trotzdem als Trinkverein abtut, dem erklärt Lambert Berg, „wie viele Dinge wir auf dem sozialen Sektor machen“. Zum Beispiel die Rollstuhlbegleitung beim Derletalfest. Damit sorgen die Männer vom Stammtisch seit Jahr und Tag dafür, dass Senioren des Wilhelmine-Lübke-Heims auch die Chance haben, das Fest besuchen zu können. Für die Astrid-Lindgren-Schule wurde eine spezielle Bibliothek aufgebaut. Und bei Festen packen die Stiefelbrüder gerne an, was den früheren OFA-Chef Josef Brack einmal zu dem überlieferten Ausspruch verleitete: „Wenn ich die Jonge bruche, senn se immer do.“

„Unsere Art der Gemütlichkeit ist sicher nicht jedermanns Sache“, sagt Berg. In der Stammgaststätte, die nach ein paar Zwischenstationen inzwischen wieder die frühere „Gemütliche Ecke“ ist (heute unter dem Namen „Rathausstuben“), steht für jedes Clubmitglied ein eigener Stiefel hinter dem Tresen, aus dem er trinkt. So hat es schon angefangen, damals als das Trinken aus Glasstiefeln noch modern war. Und es gibt eine Kleiderordnung, die sagt, welche Vereinskleidung zu welcher Veranstaltung zu tragen ist, damit die Truppe einheitlich in den blau-gelben Farben daher kommt und sofort wiedererkennbar ist.

Noch eins hat sich nicht geändert: „Wir wussten schon bei unser Gründung, dass wir auch aktiv etwas machen wollen.“ Inzwischen sind die Stiefelbrüder längst bekannt dafür, dass sie hilfsbereit und spendabel sind. Bei der Eröffnung des Duisdorfer Adventsmarktes Anfang Dezember haben sie den Erlös ihres Oktoberfests übergeben. Sechs soziale Einrichtungen konnten sich über eine Finanzspritze freuen.