Oase der Ruhe: Das steckt hinter dem Alten Friedhof in Duisdorf

Oase der Ruhe : Das steckt hinter dem Alten Friedhof in Duisdorf

Der Alte Friedhof soll eine Oase der Ruhe im Herzen Duisdorfs sein. Der Verwalter Hans Berg kennt die Geschichte Friedhofs an der Rochusstraße genau. Der kirchliche Teil umfasst rund 300 Gräber.

Wie eine Mahnung an die Vergänglichkeit liegt der Alte Friedhof Duisdorf gleich am Eingang der Fußgängerzone in der Rochusstraße. Vor der Friedhofsmauer erinnert ein Ehrenmal an die gefallenen Soldaten aus zwei Weltkriegen. Hinter den Mauern befinden sich mehrere Hundert Grabstellen, viele seit Generationen im Besitz Duisdorfer Familien. Eine Besonderheit des Friedhofs ist seine Aufteilung in zwei Verwaltungsbereiche. Etwa zwei Drittel der Fläche befinden sich in kirchlicher, ein Drittel in städtischer Trägerschaft.

Friedhofsverwalter des kirchlichen Bereiches ist Hans Berg, 77 Jahre alt und ein Duisdorfer Urgestein. Er ist Mitglied des Vorstandes der Katholischen Kirchengemeinde St. Rochus und Augustinus und im Auftrag seiner Gemeinde übernimmt er seit nunmehr zehn Jahren die organisatorischen Aufgaben auf dem Friedhof. Darunter fallen die Verpachtung, die Überprüfung der Grabpflege und die Gewährleistung von Sicherheitsanforderungen. Darüber hinaus ist Hans Berg ein wandelndes Lexikon, was die Geschichte Duisdorfs und im Besonderen die des Friedhofs betrifft.

1858 gelangte die Fläche des heutigen Friedhofs, damals Ackerland, durch eine Schenkung in den Besitz der katholischen Kirche. Zu dieser Zeit durften dort nur katholische Verstorbene beerdigt werden. Als Ende des 19. Jahrhunderts ein einflussreicher Protestant aus der Gegend verstarb, trat die Kirche einen Bereich an die Stadt ab, um eine Bestattung dennoch zu ermöglichen. Die Zweiteilung besteht bis heute. Nicht bis zum heutigen Tag besteht jedoch die ursprüngliche Friedhofsmauer. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichte die nördliche Begrenzung bis über das heutige Ehrendenkmal hinaus. Platz, den der Friedhof heute gut gebrauchen könnte. Hans Berg zufolge gibt es auf dem gesamten kirchlichen Teil kein einziges Grab mehr, das nicht belegt oder vorgemerkt ist.

Grabstätte für Sternenkinder

Der kirchliche Teil umfasst rund 300 Gräber. Neben Erd- und Urnengräbern umfasst der kirchliche Teil des Friedhofs auch einige besondere Gräber. Im hinteren Teil gibt es ein Priestergrab, in dem die verstorbenen Pfarrer der Rochusgemeinde auf Wunsch beigesetzt werden können. Direkt daneben befindet sich eine Grabstätte für so genannte Sternenkinder, vor oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder. Eine Gedenktafel erinnert mit Namen an sie.

Auch auf der „Pflegefreien Urnengemeinschaftsgrabanlage“, einem Urnensammelgrab am Eingang des Friedhofs, wird niemand anonym bestattet. „Anonyme Bestattungen machen wir hier nicht. Der Name spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir werden mit Namen getauft und mit Namen beerdigt“, erklärt Berg. Und mit „Wir“ meint er nicht nicht nur die Mitglieder der katholischen Kirche. Mittlerweile steht der kirchliche Teil des Friedhofs allen Christen offen. Offen stehen auch die Tore des Geländes -- und das 24 Stunden am Tag.

Hans Berg ist auch persönlich mit dem Friedhof verbunden. Sowohl seine Eltern als auch seine zwei verstorbenen Ehefrauen liegen hier begraben. Ob ihm die Arbeit schwerfalle? „Ich kann ja nichts mehr ändern. Ich kann nur versuchen, solange ich lebe, mich mit meinen Kräften einzubringen“, sagt der 77-Jährige, „Mein Lohn ist, wenn die Leute, die hierherkommen, sich über meine Arbeit freuen.“

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