Fußgängerzone in Duisdorf: Das ist die Bilanz zum Sommer in der Rochusstraße

Fußgängerzone in Duisdorf : Das ist die Bilanz zum Sommer in der Rochusstraße

Die verärgerten Duisdorfer nennen nur Ramsch- und Handyläden, wenn es um die Rochusstraße in Duisdorf geht. Aber Gäste und Gastronomen sind mit dem Sommer in Duisdorfs Fußgängerzone sehr zufrieden. Die vielfältige Gastronomie wird allseits hoch gelobt.

Es darf als ein gutes Zeichen gewertet werden, dass die Meinungen über Duisdorfs Fußgängerzone inzwischen sehr widersprüchlich sind. Die verärgerten Duisdorfer, die nur Ramsch- und Handyläden aufzählen, sind dabei ebenso zu finden wie die, die ins Schwärmen geraten. "Die schönste Meile von Bonn", sei die Rochusstraße, sagt Verena Jokovic (50), die regelmäßig vom Brüser Berg aus die Straßengastronomie Duisdorfs besucht. "Ein Schatz im Verborgenen", über den man gar nicht berichten sollte, ist ihre Empfehlung.

Die vielfältige Gastronomie in Duisdorfs Fußgängerzone wird allseits hoch gelobt. Von Pizza über Gyros bis zum gegrillten Oktopus ist vieles von dem zu finden, was in den ersten Herbsttagen den Sommerurlaub in mediterranen Gefilden noch ein wenig verlängern hilft. "Wir lieben unser Dorf in Bonn", sagt Liza Hohmann (42), die mit ihrem Lebensgefährten die letzten wärmenden Strahlen der herbstlichen Abendsonne im "Eselchen" genießt. Den ganzen Sommer über, erzählen die beiden, hätten sie meist nur kühlen Riesling getrunken. Heute sei der erste Abend mit einem roten Bardolino gekommen. "Ein sicheres Zeichen, dass der Sommer vorbei ist", resümiert der Weinkenner und schwenkt seinen samtroten Rebensaft im Glas, um gleich darauf genussvoll an dem sich entfaltenden Cuvée den Herbst zu riechen. Einen Tisch daneben sitzt Sabine Wiesner mit Freundinnen und weiß das ruhige Treiben in der Fußgängerzone zu schätzen. "Hier ist es nicht so hektisch wie in Bonn", sagt sie. Und es sei für sie ein zentraler Ort, weil viele ihrer Freunde in der Nähe wohnen.

"Der Duisdorfer", fasst Mohammed Fatteh seine Erfahrung zusammen, "bleibt gerne an seinem Ort." Was zunächst wie ein Kompliment für Duisdorf klingt, hat für Taxifahrer Fatteh eher negative Folgen. Als Taxifahrer, der meist am Europlatz anzutreffen ist, hätte er sicher nichts dagegen, wenn der Duisdorfer etwas reisefreudiger wäre. Aber Fatteh ist zufrieden. Seit zehn Jahren wohnt er in Duisdorf und fühlt sich wohl. "Manchmal will ja auch jemand zum Bahnhof nach Bonn", sagt er und schmunzelt dabei. Dass sich die Fußgängerzone eindeutig verbessert habe, stellt Vincenzo Morello fest. Vor allem auch am späteren Abend sei es inzwischen ruhig geworden: "Ich bedanke mich dafür bei unserem Dorfsheriff", lacht er und konkretisiert, dass das regelmäßige Auftauchen der Polizei in diesem Jahr dafür gesorgt habe, dass die nächtlichen Störer, die es noch im letzten Jahr gab, nicht mehr auftauchen.

Vielleicht stellt er auch bald wieder die mannshohe Eiswaffel vor seine Eisdiele, die trotz Betonsockel dutzende Male umgeworfen und beschädigt wurde. Er hat einen guten Sommer hinter sich, sagt er. "Natürlich nicht so wie 2018!" Das Jahr sei einfach unschlagbar gewesen. Nicht die hohen Temperaturen seien für ihn wichtig, sondern ein moderat warmes Wetter. "Es ist ja verrückt", erklärt er, "für mein Geschäft sind Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad am besten." Darunter sei es den Leuten für ein Eis zu kalt und darüber sind sie lieber im Schwimmbad als in der Fußgängerzone. Er ist froh, dass er neben seinem Eis auch noch einen Holzbackofen für die - nach eigenen Worten - "beste Pizza" angeschafft hat. Damit sei sein Betrieb nun wetterunabhängig geworden.

"Gästezahlen wie im Sommer 2018 werden wir wohl nie wieder erreichen können", fasst auch Mahabir Singh den zu Ende gegangenen Sommer zusammen, mit dem er jedoch "mehr als zufrieden" sei. In seiner 20-jährigen Praxis habe er es noch nie erlebt, so viele Stammgäste zu haben wie in Duisdorf. Hier sei alles sehr angenehm familiär und überschaubar. Zudem habe er in diesem Jahr viele neue Gesichter aus den Neubaugebieten rund um Duisdorf in seinem "Eselchen" begrüßen können. Für ihn ist Duisdorf ein "sympathisches Dorf in der Stadt". Er ist überzeugt davon, dass es die vielen Vereine am Ort sind, die nicht nur die Tradition hochhalten, sondern auch für die gute Stimmung in Duisdorf zuständig sind. "Hier kommt viel Gutes zusammen", sagt er und nickt bekräftigend dazu.

Auch Athanassios Catsios kann bestätigen, dass er nach seinem ersten Jahr in der Fußgängerzone mit seinem Lokal "Armonia" am richtigen Ort angekommen ist: "Die Duisdorfer verstehen mich", sagt er und spricht damit sein Konzept einer anspruchsvollen griechischen Küche an.

Nach so viel Lob für die lebhaft genutzte Rochusstraße darf die zufällige Begegnung mit zwei Hotelgästen aus dem Allgäu nicht unerwähnt bleiben. Die Besucher des Duisdorfer Verteidigungsministeriums, hätten bereits zum zweiten Mal Duisdorf aus dienstlichen Gründen besuchen "müssen", wie sie bei einem Bier vor ihrem Hotel einmütig betonten. "Sobald ich über die Donau fahre, bekomme ich Depressionen", sagt der eine und der andere ergänzt, "ich hasse Großstädte." Nur das Bier schmecke den beiden, was man von Bayern gesagt, durchaus wieder als ein Kompliment begreifen kann.

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