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Bonner Chor „Right Here“: Chorprobe zwischen Hardtberg und Kolumbien

Bonner Chor „Right Here“ : Chorprobe zwischen Hardtberg und Kolumbien

Während der Coronakrise haben sich die 40 Sänger des Chors „Right Here“ eine kreative Lösung ausgedacht: Zum Üben treffen sich die Mitglieder im Internet. Sogar ein während einer Reise in Kolumbien gestrandeter Sänger schaltet sich zu.

Die Coronakrise wirbelt den Alltag aller Menschen derzeit ordentlich durcheinander. Betroffen davon sind auch die vielen Bonner Chöre – schließlich lebt ihre Arbeit davon, dass sich viele Menschen zusammenfinden und gemeinsam mit der Stimme musiziert wird. Die Ansteckungsgefahr ist gerade beim Singen besonders gegeben, da sich kleine Speicheltröpfchen sehr viel schneller verteilen können. Logisch also, dass sich die Mitglieder der Chöre derzeit nicht treffen können, um zu proben.

Eine kreative Lösung hat sich der Chor „Right Here“ ausgedacht, der sich eigentlich immer dienstags im Pflegewerk Bonn im Haus St. Agnes in Bonn-Castell trifft und probt – nun wird die Chorprobe kurzerhand digital abgehalten. „Aufgrund der Corona-Pandemie können wir nicht mehr in das Altenstift, uns aber natürlich auch nicht einfach anderswo in einer großen Gruppe treffen“, berichtet Katja Flinzner aus Duisdorf, die vor viereinhalb Jahren den Chor gegründet hat. Die Sängerinnen und Sänger singen vor allem Rock-, Pop- und Jazz-Lieder, am liebsten aber a capella.

 „Wir haben die digitale Probe vergangene Woche zum ersten Mal ausprobiert – ganz einfach ist diese Variante allerdings nicht“, sagt Flinzner lachend. Die Alt-Sänger des Chores waren sozusagen die Versuchskaninchen, die die neue Probenform ausprobiert haben. Vera Georgieva leitete dabei nicht nur den Chor, sondern auch die Videokonferenz. Weil die Probe in kleinem Rahmen geglückt ist, versuchten sich die Sängerinnen und Sänger von „Right Here“ am vergangenen Dienstag an einer digitalen Probe in größerer Runde.

„Das Programm, das wir verwenden, ermöglicht es uns, dass wir uns sogar aufteilen und in verschiedenen virtuellen Räumen proben können“, so Flinzner.

40 Sänger hatten an der digitalen Chorprobe teilgenommen. Darunter ein Sänger, der aus Kolumbien zugeschaltet war. „Wegen der Ausgangssperre und der Reisebeschränkungen bis Mitte April ist er dort gestrandet“, so Flinzner. Gemeinsam hätten sich die Chormitglieder eingesungen und anschließend in den verschiedenen Stimmgruppen (Sopran, Mezzo, Alt, Tenor und Bass) aufgeteilt. „Unsere Chorleiterin hatte extra hierfür eine MP3-Übungsdatei zu einem besonders kniffeligen Part eines neuen Stücks angefertigt“, so die Chorgründerin. Chorleiterin Georgieva wechselte dann von Raum zu Raum und übte so jeweils 15 Minuten mit jeder Gruppe.

Allerdings hat das System einen großen Haken: Das Mikrofon kann immer nur für eine Sängerin oder für einen Sänger geöffnet werden. „Daher ist bei diesem System sehr viel Eigenverantwortung gefragt“, sagt Katja Flinzner. Heißt: Auch wenn nur ein Chormitglied hörbar singt, singen die anderen vor dem heimischen Computer oder Notebook mit. Man dürfe nicht vergessen, dass die Stimmen in den jeweiligen Privaträumen auch immer ganz anders wirken – so gibt es bei der Probe keinen einheitlichen Klang.

Auch wenn die Bedingungen derzeit nicht perfekt sind, so sind diese Proben für das Gemeinschaftsgefühl sehr wichtig, weiß Flinzner: „Wir haben gerade keine andere Möglichkeit uns alle zu sehen – so gibt es immerhin ein wenig Interaktion mit anderen Menschen. Es ist deutlich anstrengender als gemeinsame Proben vor Ort“, so Katja Flinzner. Aber schließlich sei diese Form des Übens besser als gar keine.

Daher werden die Sänger des Chors „Right Here“ am heutigen Dienstag noch einmal digital üben – in den Osterferien, die sich in der darauffolgenden Woche anschließen, wird es keine Proben geben. „Für die Zeit danach hoffen wir auf das Beste“, so Flinzner.