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Bürgerversammlung zu Ausbauplänen der Lingsgasse in Bonn-Lengsdorf

Anwohner werden ungeduldig : Bürger kritisieren Pläne für die Lengsdorfer Lingsgasse

Bürger kritisieren Pläne der Verwaltung für die Lingsgasse. Sie halten die Verlegung des Zebrastreifens für gefährlich. Politiker fordern einen unverzüglichen Start.

Wie berichtet, möchte die Stadt Bonn die Lingsgasse verbreitern lassen – das Thema beschäftigt schon seit Jahren die Politik und auch die Anwohner der schmalen Straße inmitten von Lengsdorf.

Am Dienstagabend hatte die Stadtverwaltung zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in das Bürger- und Vereinshaus Lengsdorf eingeladen. Dort wurden nicht nur die Pläne erläutert, sondern die Anlieger hatten auch die Chance ihre Fragen und Anregungen loszuwerden. Das Angebot nahmen die Lengsdorfer sehr gut an, mehr als 70 waren gekommen.

Mit dem Ausbau auf eine Breite von insgesamt 11,50 Meter will die Stadt den Durchfluss verbessern und das Aneinandervorbeikommen erleichtern. Zudem soll ein zusätzlicher Gehweg zum bestehenden installiert werden, damit die Fußgänger künftig zwei Gehwege von jeweils 2,50 Meter Breite nutzen können. Davon verspricht sich die Stadt mehr Verkehrssicherheit. Die gesamte Baumaßnahme soll knapp 330 000 Euro kosten – die Kostenberechnung stammt allerdings noch aus einer Vorplanung aus dem Jahr 2017.

Die Planungen sehen allerdings auch vor, dass die Bushaltestelle Lengsdorf Kirche an die Lingsgasse verlegt werden soll – in Höhe der VR-Bank soll an der stadtauswärts gelegenen Haltestelle ebenfalls ein Wartehäuschen entstehen. Dafür muss allerdings ein Fußgängerüberweg, der derzeit geradewegs zur Bank führt, verlegt werden. Der neue Zebrastreifen soll auf Höhe der jetzigen Bushaltestelle Lengsdorf Kirche auf der Straße markiert werden. Das sehen viele Bürger allerdings kritisch. „Den Zebrastreifen, den sie da planen, wird kein Mensch nutzen“, war sich eine Anliegerin sicher. Ein weiterer Anlieger gab zu bedenken, dass Kunden der VR-Bank weiterhin auf dem Dorfplatz parken und dann einfach die Straße überqueren würden. Daher appellierten einige Bürger an die Stadtverwaltung, den Zebrastreifen zu belassen. Doch das sei aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht möglich, erklärte Sonja Walther vom Stadtplanungsamt. Er müsse vor allem wegen der Sichtbeziehungen verlegt werden. Autofahrer, die die Lingsgasse hochfahren, könnten die vor oder hinter den Bussen laufenden Menschen nicht sehen – daher muss der Zebrastreifen ein Stück nach oben verlegt werden. Da die Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden sollen, sei Platz nötig, der im Bereich der VR-Bank vorhanden sei. Außerdem denkt die Stadt auch über einen weiteren Zebrastreifen im unteren Bereich der Lingsgasse im Bereich der Straße „Im Mühlbach“ nach. Eine Anwohnerin bat inständig darum, dass auch dort einer auf der Fahrbahn markiert werde. „Vor allem Schüler werden den neuen Fußgängerweg nutzen und müssen dann unten die Lingsgasse überqueren. Wenn dann kein Zebrastreifen vorhanden ist, wird das sehr gefährlich“, so die Dame. Sonja Walther notierte sich dieses, gab der Dame Recht, dass an dieser Stelle ein Zebrastreifen sinnvoll wäre, allerdings müsste auch dies sehr genau geplant werden, da an der Stelle kein Stau entstehen dürfte.

Die Stadt musste ein Grundstück an einer Böschung kaufen, auch um bei einem Ausbau die nötige Statik mit einer Stützmauer zu gewährleisten. Da ein Investor, die Hüntenhof GbR, den Bau von Wohnungen und eine Tiefgarage südlich von der Lingsgasse plante, kam die Idee auf, mit dem Bauherrn zu verhandeln und die Garage so zu bauen, dass die äußere Wand als Stützmauer dienen kann. Im November 2018 meldeten sowohl Stadt, als auch Investor einen Kompromiss mit einer überarbeiteten, weniger wuchtigen Bebauung mit fünf Wohnungen und einer Tiefgarage gefunden zu haben.

Walter Hudec vom Bauordnungsamt beruhigte die Anwohner, dass sie keine hohen Anliegerbeiträge zu befürchten hätten. „Das betrifft nur die Eigentümer, die diese Beiträge auch nicht auf die Mieter umlegen dürfen“, so Hudec. Betroffen seien laut Hudec vor allem die VR-Bank und eine Wohnungsbaugesellschaft.

Unklar ist allerdings, wann die Bauarbeiten beginnen können – frühestens vier Monate nach einem politischen Beschluss. Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand (CDU) war am Dienstagabend wie einige andere Mitglieder der Bezirksvertretung Hardtberg bei der Versammlung anwesend. Sie möchte die Arbeiten noch in dieser Legislaturperiode erledigt haben, schließlich beschäftige sie das Thema schon seit ihrem Amtsantritt. Das „Ding“ sei fertig, die Gespräche geführt, die Politik müsste nur noch zustimmen.

„Ich kann Ihnen nur ans Herz legen, dass wir eine entsprechende Vorlage nun ratzfatz in der nächsten Bezirksvertretung haben“, wandte sich Thorand in Richtung der Stadtverwaltung. Ihre Forderung quittierten die Anwesenden mit Applaus. Sebastian Böhm vom Tiefbauamt hielt sich mit einem Baubeginn sehr bedeckt, nannte keinerlei Zeiten. Er gab nur zu bedenken, dass die Arbeiten auch erst ausgeschrieben werden müssen.