Musik in Bonn: Brüser Berger Konzerte in E werden fortgesetzt

Musik in Bonn : Brüser Berger Konzerte in E werden fortgesetzt

Musikpädagogin Elsa Funk-Schlör bringt mit der Klang-Kultur hochkarätige Musiker auf den Brüser Berg. Jetzt wird die Reihe der Konzerte in E fortgesetzt.

„Das erfrischt meine Seele, meine Stimmung und meinen Tag“, sagte Barbara Dickmann, kurz nachdem Musikpädagogin Elsa Funk-Schlör ihren Kursus „Stimmbildung für alle ab 50“ im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg beendet hatte. „Ich gehe hier immer sehr beschwingt raus“, war auch von Teilnehmerin Jutta Hahn zu hören. Sie würde sich inzwischen bereits trauen, im Wald mit dem Singen anzufangen.

„Ich denke immer noch, dass ich völlig falsch singe“, sagt sie und lacht. Diese meist verkehrte Selbsteinschätzung hört die Gesangs- und Klavierlehrerin Funk-Schlör des Öfteren. Die Musik liegt ihr am Herzen, unter anderem auch mit den Brüser Berger Konzerten in E, dessen nächste Ausgabe an diesem Sonntag stattfindet.

Funk-Schlör fällt eine pensionierte Lehrerin ein, die sich erst nach ihrem Schuldienst traute, mit dem Singen anzufangen und damit dann ihr Leben bereicherte: „Du singst nicht, du krähst!“ Dieser entmutigende Satz einer Mutter an ihre damals noch kleine Tochter verhinderte, dass sie sich Jahrzehntelang lang nicht traute, ihren Mund zum Singen zu öffnen. Doch nach einem Stimmbildungskurs, in dem sie ein neues Selbstvertrauen gewann, sang sie der inzwischen alt gewordenen Mutter Volkslieder vor. Die lobte schließlich: Sie könne so schön singen.

Auch wenn dieses Kompliment rund 50 Jahre zu spät kam, erlöste es die Tochter von dem Bann, ihre Stimme nicht zum Singen zu benutzen. Diese Anekdoten lassen ein wenig das Bestreben von Funk-Schlör erahnen, was es ihr bedeutet, den Menschen ein Stück von dem Glück abzugeben, das sie durch die Musik erfahren hat. Musik ist ihr Leben.

Künstlerische Reifeprüfung mit Auszeichnung

Schon als Sechsjährige besuchte die Wolgadeutsche ein Schule für musisch begabte Kinder in Duschanbe (Tadschikistan). Als ihre Eltern, eingezwängt von Russen auf der einen und Tadschiken auf der anderen Seite, in das estländische Tartu umsiedelten, war es selbstverständlich, dass Klein-Elsa zusätzlich eine Musikschule besuchte, in der Klavier, Gesang, Kammermusik und Musiktheorie auf dem Lehrplan standen. Als 15-Jährige kam sie 1975 nach Aachen, wo sie nach ihrem Abitur ein Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Musik begann. Nach einem herausragenden Examen in Musik setzte sie das Musikstudium am Aachener Standort der Kölner Hochschule für Musik und Tanz fort. Dort absolvierte sie auch das Gesangslehrerdiplom und die Künstlerische Reifeprüfung mit Auszeichnung.

Nur ungern ließ man die inzwischen gefragte Gesangssolistin nach Oldenburg ziehen, wohin sie ihrem Mann wegen einer Doktorandenstelle folgte. Den promovierten Informatiker Rainer Schlör, den sie als einen „begnadeten Pianisten“ bezeichnet, hatte sie inzwischen geheiratet. Auch ihre heute erwachsenen Kinder Sebastian und Tabea scheinen das Musikgen ihrer Eltern geerbt zu haben. Der Sohn (28) studierte Schlagzeug und die heutige Ärztin Tabea (25) zog schon als Kleinkind die Geige einer Puppe vor.

Elsa Funk-Schlör war in all der Zeit als Solistin unterwegs und konzentrierte sich zunehmend auf ihre musikpädagogische Arbeit und auf ihr ehrenamtliches Engagement bei der Kirchenmusik. Durch eine Freundin, die ihr den Brüser Berg der guten Luft wegen empfahl, kam die Familie 2003 in die Höhenlage Bonns und seitdem unterrichtet Funk-Schlör dort als private Gesangsdozentin, wenn sie nicht gerade in selber Mission in Österreich und der Schweiz unterwegs ist. Zudem organisiert Funk-Schlör erfolgreich Konzerte in verschiedensten Genres, leitet Projektchöre und engagiert sich in der Brüser Berg Kultur.

Benefiz-Konzertwoche

„Solange wir hier nur das olle Klavier haben, kann ich guten Gewissens keine bedeutenden Musiker einladen“, sagte Funk-Schlör vor einigen Jahren in Vorbereitung des 15-jährigen Bestehens der Brüser Berg Kulturinitiative. Um den ersehnten Flügel anschaffen zu können, veranstaltete das Kultur-Team im März 2013 eine Benefiz-Konzertwoche in der Emmaus-Kirche, die weit über die Grenzen Bonns hinaus auf die nun geborenen und hochkarätig besetzten Brüser Berger Konzerte in E aufmerksam machten.

Ein Klavierabend mit Knut Hanßen machte den Auftakt. Drei Tage später folgte ein Liederabend mit dem Bariton Sebastian Seitz, und den Abschluss der kleinen Konzertreihe bildete das Cello-Klavier-Duo Katharina Deserno und Nenad Lecic. Bis heute folgten 75 Konzerte, die größtenteils für eine voll besetzte Emmaus-Kirche und eine große Aufmerksamkeit in der Kultur- und Musikerszene sorgten.

Neben dem Arbeitskreis „klang-kultur in emmaus“, der die Konzerte organisiert, gründeten 2016 musikbegeisterte Konzertbesucher den Brüser Berger Musikpreis-Verein, der jetzt bereits zum dritten Mal den mit 3000 Euro dotierten Musikerpreis vergibt.

„Mir war es bei allen Konzerten immer sehr wichtig, dass die Künstler auch ein Honorar bekamen“, sagte die Organisatorin, der es unverständlich ist, dass selbst gebildete Musikliebhaber davon ausgingen, dass Musiker gerne auch umsonst auftreten würden. Das würde es bei ihr nicht geben.

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