Bonn: Stadt kann Schottergärten nicht flächendeckend kontrollieren

Hardtberger Neubaugebiet ist unverändert : Stadt kann Schottergärten nicht flächendeckend kontrollieren

Trotz des Rüffels der Stadt hat bislang kein Hauseigentümer im Neubaugebiet „Am Hölder“ nur einen Stein aus seinem Schottergarten entfernt. Die Bauaufsichtsbehörde hat kein Personal für Kontrollen.

Trotz des Rüffels von der Stadt hat bislang kein Hauseigentümer im Neubaugebiet „Am Hölder“ nur einen Stein aus seinem Schottergarten entfernt. Im August waren dort rund 170 Eigentümer vom Bauordnungsamt angeschrieben worden. Die Verwaltung appellierte an das Umweltbewusstsein, statt Steinwüsten klassische grüne Vorgärten anzulegen. Bemerkt hatten die Mitarbeiter die „auffallend vielen Schottergärten“ bei ihren Bauabnahmen. Mehr als 30 mit  Steinen verfüllte Vorgärten wurden gezählt. Zudem sind viele Flächen vor den Häusern großzügig gepflastert, um Autos abstellen zu können.

Die Grünen haben das Thema noch einmal aufgegriffen. Sie fordern in Hardtberg flächendeckende Kontrolle und Rückbau. „Bonn hat den Klimanotstand ausgerufen, da kann es doch wohl nicht sein, dass wir Schottergärten hinnehmen“, monierte Jutta Brodhäcker in der jüngsten Bezirksvertretungssitzung. „Ich bin sauer auf die Verwaltung.“ In der Stellungnahme verweist das Bauordnungsamt darauf, dass „bei konkreten Einzelfällen baurechtliche Maßnahmen ergriffen werden.“

Rechtsgrundlage ist Paragraf 8 der Bauordnung NRW. Er schreibt vor, dass nicht überbaute Flächen wasserdurchlässig, begrünt oder bepflanzt sein sollen. Laut Verwaltung ist jedoch eine generelle Überprüfung der Anforderung nicht möglich. Brodhäcker schlug vor, die eingesetzten Müllkontrolleure könnten doch auch Schottergärten ins Visier nehmen. Die Verwaltung konterte: „Eine Kontrolle ist weder durch eigene Kräfte noch durch Personal anderer Ämter leistbar.“

Den Bauaufsichtsbehörden obliege in erster Linie die Gefahrenabwehr. „Mit dieser Aufgabe ist die Verwaltung bereits jetzt an ihre Belastbarkeitsgrenze gestoßen.“ Dass der „Hölder“ wegen der Schottergärten bei der Verwaltung in den Fokus geriet, erkläre sich aus der Aufsicht in dem großen Baugebiet. Die Eigentümer seien per Serienbrief unterrichtet worden. „Vor allem sollten weitere Fälle vermieden werden.“ Aber: Keinesfalls sei rechtlich vertretbar, „flächendeckend Vorgärten überprüfen zu lassen, während dadurch akute Gefahrenmomente wie beispielsweise die Sicherstellung von Brandschutzmaßnahmen hinten angestellt oder auch Baugenehmigungen verzögert werden“, heißt es in der Stellungnahme.

Dass beispielsweise im Neubaugebiet „Am Hölder“ unter den Augen der Verwaltung derart viele Schottergärten angelegt wurden, hat Politiker irritiert. Sie waren davon ausgegangen, dass auch die Vorgartensatzung der Bundesstadt Bonn vom 6. März 1982 die Gestaltung der Vorgärten in Teilen des Stadtgebietes regele und die Einhaltung kontrolliert würde. Die Verwaltung wiederholte: „Es mangelt nicht an bestehenden Regelungen, sondern an entsprechenden Kapazitäten zur Vollzugskontrolle.“

Auf den Einwand der Grünen, dass jeder Hauseigentümer darüber informiert werden sollte, dass Schottergärten grundsätzlich nicht zulässig seien, verweist die Verwaltung auf ein Faltheftchen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, das die negativen Auswirkungen von Schotter auflistet. Allerdings vermisst Jutta Brodhäcker darin den konkreten Hinweis, „dass Schottergärten nicht erlaubt sind“.

Die Naturschützer erläutern lediglich, dass solche Steinwüsten im Vorgarten Gift für die Artenvielfalt seien, sich im Sommer die Hitze staue und sie nicht die erwartete Zeitersparnis bei der Pflege brächten. „Sie sind ökölogisch wertlos und wenig nachhaltig. Durch die Verwendung von Vlies und Folie verarmt das Bodenleben und die Artenvielfalt.“