Bonn: Daniel Klein ist St. Martin in Duisdorf

Den Alltag der Kinder berühren : Das ist der Sankt-Martin-Darsteller in Duisdorf

Für die Duisdorfer Feuerwehr ist der Martinszug ein Höhepunkt im Jahr. Daniel Klein, der diesjährige Sankt Martin, freut sich auf den Zug. Für ihn ist die Rolle als Sankt Martin mehr als die Darstellung einer Legende.

Mit dem St. Martinszug, der am Donnerstag, 7. November, ab 18 Uhr von der Duisdorfer Fußgängerzone durch das Oberdorf führt und auf dem Schulhof der Rochusschule mit Großfeuer bei Glühwein und Kinderpunsch endet, wird Daniel Klein als St. Martin insgesamt 36 Termine wahrnehmen. Der Bankkauf- und Feuerwehrmann teilt in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal als Darsteller des Heiligen Mannes seinen Mantel.

Zusammen mit Uli Schneider, Reiner Klingebiel, Willi Solfrian, Silke Wienand und Markus Anton wird Klein die Grundschulen, Kindergärten und Seniorenheime Duisdorfs besuchen und dabei die Martinsgeschichte darstellen und erzählen. „Leider macht das Helmholtz-Gymnasium nicht mehr mit“, bedauert Klein. Doch er hat Verständnis dafür, dass die Fünftklässler den Auftritt „uncool“ finden. Obwohl ihnen damit auch einer der rund 2400 Martinswecken entgehen wird, die von den Bäckereien Schell‘s Eck und Penkert „just in time“ gebacken und vom Team um den Martin verteilt werden. „Meist haben die Kinder mit ihren Lehrern unseren Besuch schon gut vorbereitet“, sagt Klein, der mit Knappen Anton und dem Teamorganisator Klingebiel immer wieder seinen Mantel teilt und dabei versucht, Analogien für die heutige Zeit zu finden. Ihm ist es ein Anliegen, dass seine Auftritte nachhaltig wirken.

Vielen Kindern wird die Geschichte des heilig gesprochenen Soldaten bekannt sein, der von seinen Kameraden verhöhnt wurde, weil er all seinen Besitz mit den Armen teilte. Klein nutzt die Legende, um ihre Botschaft in den Alltag der Kinder zu übertragen. Mit Kindern der Rochusschule hat er Szenen nachgestellt und fotografiert, in denen sich beispielsweise Schulkinder streiten, doch niemand sich dazu durchringt, einzuschreiten. Oder er zeigt Kinder, die einzelne ausgrenzen und alleine stehen lassen. Beispiele, die im Gespräch darüber anregen können, mehr Zivilcourage und Empathie zu zeigen. Mit selbst hergestellten Schildern lässt er die Kinder Teile der Martinsgeschichte nachspielen und kommt damit zum Kern des Brauchtums, der durch Kommerz oder auch durch die Diskussion um eine Umbenennung in einen religionsfreien „Lichterzug“ in Vergessenheit zu geraten droht.

In der dritten Klein-Generation dabei

„Für die ganze Duisdorfer Feuerwehr ist der Martinszug ein Höhepunkt im Jahr“, ist Klein überzeugt. Nahezu alle der rund 60 aktiven Feuerwehrleute werden – inklusive der Jugendfeuerwehr – am Gelingen des Zuges beteiligt sein. Bereits seit 1924 richtet die Feuerwehr den Martinszug aus. Auch der heutige Martin ist bereits in der dritten Klein-Generation dabei. Schon Großvater Daniel stellte das Pferd für den Martin und auch sein Vater, der ebenfalls Daniel heißt, führte lange Jahre den Gänsewagen, der immer noch im Zug dabei ist. Heute ist das die Aufgabe der Jugendfeuerwehr. Zu den ersten Kindheitserinnerungen des heute 45-jährigen Martins gehört der Extrawecken aus der Hand seines langjährigen Vorgängers Günter Dick, den er als bester Losverkäufer der Rochusschule bekam. Einen Titel, der im letzten Jahr auch seine Tochter Caroline (9) auszeichnete.

Etwa 13.000 Lose konnten 2018 verkauft werden. Auch in diesem Jahr sind sie wieder zu jeder Zeit in den Bäckereien Schell‘s Eck und Penkert erhältlich. Doch vor allem werden es die Schulkinder sein, die sich mit dem Losverkauf zur Unterstützung des Martinszugs und -gedankens einsetzen.

Erlös aus dem Verkauf der Lose fließt in den Zug

„Ich würde mir wünschen“, so Klein, dass die Kinder nicht nur Lose für ihre Familie kaufen, sondern wie früher wieder von Haus zu Haus ziehen und Lose an den Türen zum Kauf anbieten. Der Erlös aus dem Verkauf ist zur Durchführung des Zuges notwendig. Sieben Musikkapellen, das Pferd, Versicherungen und natürlich auch die Martinswecken werden davon bezahlt. Zudem können mit den Einnahmen die Schulen und Kindergärten Dinge anschaffen, für die es von der Stadt kein Geld mehr gibt. Und es Kinder werden damit unterstützt, deren Eltern das Geld für Klassenfahrten oder Schulmittel fehlt.

Mit dem Kauf der 50-Cent-Lose können sogar ein Fahrrad oder VIP-Tickets für die Telekom-Baskets, eine Fototorte vom Café Schell‘s Eck oder viele Warengutscheine von je zehn Euro gewonnen werden. Bei den schon genannten Bäckereien und unter www.sanktmartin-duisdorf.de werden die Gewinnnummern veröffentlicht.

„Gewinnen“ würde der Martinszug auch, so Daniel Klein, wenn nur Kinder mitgingen. Er findet es schade, dass von vielen Eltern so viel und laut geredet wird und wünschte sich, dass sich alle Teilnehmer etwas mehr auf das Singen konzentrierten. Und er hat auch noch den Appell an die Kinder, dass sie doch möglichst auch wieder bei den Häusern Schnörzen gehen, die mit Kerzen oder Laternen geschmückt sind. „Denn es ist doch schade, wenn man Süßigkeiten parat hält und keiner kommt“, so der Martin.

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