Helmut Hoffzimmer aus Duisdorf ist Borussenfan: Alles Gladbach

Helmut Hoffzimmer aus Duisdorf ist Borussenfan : Alles Gladbach

Mehr Gladbach geht nicht: Ein 15 Jahre alter Audi A4, 150 PS, und von oben bis unten beklebt. Mit Emblemen der Borussia, Unterschriften von Spielern und Liebesbekundungen zum Fußballverein.

„Ich bin dieses Auto“, sagt Helmut „Didi“ Hoffzimmer aus Duisdorf. Er verpasst kein Heimspiel seiner Lieblingsmannschaft. Niemals. Steht stolz als Ordner im Stadion. Jetzt, wo die EM läuft, halten aber auch Schwarz, Rot und Gold außen und innen an seinem Wagen Einzug.

Es könnte ein rollender Fanshop sein, so voll beladen zieht der Schlitten die Blicke auf sich. Maskottchen Jünter, das Fohlen mit der Rückennummer 10, sitzt zufrieden im Babysitz. Bestimmt schon, seitdem „Didis“ nun zweieinhalbjährige Tochter Isabella aus dem Sitz rausgewachsen ist. Auch sie ist das Ein und Alles des 53-Jährigen. Ihr Name und Fotos sind überall am Pkw verteilt. Klar, dass die Kleine seit ihrer Geburt schon Mitglied der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach ist.

Der gebürtige Emmericher ist natürlich auch im Verein kein unbeschriebenes Blatt. Er kennt die Promikicker persönlich, viele von früher. Zum Beispiel Keeper Wolfgang „Otto“ Kleff (69), der seinen Spitznamen seiner Ähnlichkeit mit Komiker Otto Waalkes verdankt. Oder Borussia-Vizepräsident Rainer Bonhof und Stefan Effenberg.

„Uwe Kamps ist mein allerbester Freund“, versichert der Vorarbeiter in einer Reinigungsfirma. Mit dem Torwarttrainer und den anderen gehe er nach den Spielen oft essen. Beim Turnier mit der Weisweiler Elf im Mai in Orsbeck bekam er ein unterschriebenes Trikot „für “Didi„ und Isabella“.

Die Borussia habe über die Jahre die Ausstattung seines Wagens bezahlt, sagt Hoffzimmer. Rund 20.000 Euro seien da zusammengekommen. Denn jeder Aufkleber ist individuell gefertigt. Die Felgen strahlen in den Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Grün.

Alles Gladbach

Noch lange soll der A4 rollen. „Ich pflege den. Dat wird ein Oldtimer. Glaub mir dat“, sagt der Fan, der sich selbst als den „beklopptesten von allen“ beschreibt. Hannover 96 mag er noch, auch die Bayern. Aber nicht die Kölner, vor allem deren Hooligans nicht.

Der 53-Jährige hat selbst eine Menge mitgemacht: 2004 rettete er bei einem Banküberfall an der Kölnstraße einem kleinen Mädchen, das als Geisel genommen wurde, das Leben. Der Täter schlitzte ihm damals mit einem Messer den Arm auf, sodass Hoffzimmer heute zu 60 Prozent behindert ist. Der Räuber wollte ihn dann überfahren, doch Schäferhund Rocky legte sich vor sein Herrchen und rettete so dann ihm das Leben. Vor vier Monaten starb der Hund, seine Asche bewahrt der Fan in einer Gladbach-Urne in seiner Wohnung auf.

Es ging damals bergab. „Neun Monate und 18 Tage habe ich unter der Nordbrücke in einem Auto gelebt“, sagt „Didi“. Der ehemalige Pfarrer Peter Adolf von Sankt Marien habe ihm dann einen Hausmeisterjob und eine Wohnung gegeben. „Ich bin zufrieden“, sagt er heute. Er will nun anderen helfen, geht mit Senioren aus einem Heim spazieren und tut viel für Kinder.

Noch was Verrücktes: „Didi“ hat auch ein Stadion mit Spielern und Zuschauern aus Metall gebaut, das er auf seinen Anhänger schnallt. Da steigt dann Dampf auf, aus dem Lautsprecher erklingt „Die Elf von Niederrhein kann ohne den “Didi„ nicht sein.“ Seine Verehrung hat er auch als Tattoo auf seinem Rücken verewigt. Etwas Zeit hat er noch fürs Boxen. Der Geschiedene würde auch für eine neue Frau im Leben noch einmal in seinem Herzen Platz machen. „Die finde ich noch.“

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