Vor der Lengsdorfer Kirmes: Alle "Zutaten" für den Zacheies beisammen

Vor der Lengsdorfer Kirmes : Alle "Zutaten" für den Zacheies beisammen

Die Vorbereitungen für den Jahrmarkt am ersten Augustwochenende sind in vollem Gange. Die Strohpuppe löst gemischte Gefühle bei den Beteiligten aus.

Sollte es auch in diesem Jahr dazu kommen, dass der Zacheies, die Strohpuppe, die zu Beginn der Lengsdorfer Kirmes am Bürger- und Vereinshaus am Mühlenbach zur Schau gestellt werden soll, von „Kidnappern“ entführt wird, dann könnten sich die Entführer schon einmal darauf einstellen, dass man nur über maximal zwei Kästen Bier zum Freikauf verhandeln wird, sagte Christoph Schada. Während der Vorsitzende vom Ortsfestausschuss (Ofa) und Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) schon über das traditionelle und unabwendbare Abhandenkommen des Kirmesmannes nachdachte, wurden im Hintergrund die „Zutaten“ bearbeitet, aus der die mannshohe Kirmespuppe zum Leben erweckt werden wird.

Bernd Gollmann hat sich dafür von seiner längst nicht mehr passenden Jeanshose mit Bundweite 31 und dem noch neuen und doch viel zu groß gekauften XL-Hemd getrennt, damit Hemd und Hose von fleißigen Händen zusammengenäht und mit Stroh ausgestopft den Körper des Zacheies bilden können.

Die sechsjährige Johanna kam stolz mit dem Kopf für die Strohpuppe in den Garten des Ofa-Vorstandsmitglieds Wolfgang Schick, in dem sich inzwischen ein gutes Dutzend aktiver Vereinsmitglieder zusammengefunden hatten, um die „Geburt“ des Zacheies nicht nur herbeizuführen, sondern auch gebührend zu feiern. Dass Johanna zusammen mit ihrer Tante Susanne Kirwald so früh an der ehrenvollen Erstellung des Zacheies-Kopfes beteiligt wurde, ist ihrer Mutter Katrin zu verdanken. Katrin Wiegleb hat bis heute Angst vor dem Strohmann, der zum Schluss des Kirmeswochenendes aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr zum Tod durch Verbrennen verurteilt wird.

Die Ur-Lengsdorferin, die nach einigen Jahren berufsbedingter Abwesenheit in Norddeutschland nun wieder in ihrer rheinischen Heimat lebt, muss als Kind wohl ein traumatisches Erlebnis mit der geschichtsträchtigen Figur gehabt haben, was ihr ein Kommen zur Geburtsstunde unmöglich machte und dafür sorgte, dass sie ihrer Tochter Johanna ein ähnliches Erleben ersparen wollte. „Warum sollte ich davor Angst haben“, antwortete Johanna auf die Frage nach ihren Gefühlen zum Kirmesmann. Damit bewies sie, dass die Befürchtung eines vererbten Traumas gebannt zu sein schien.

Schließlich wurde der Zacheies, auch Paias oder Nubbel genannt, zunächst als ein Glücksbringer für die fröhlichen Kirmestage gefeiert. So, wie sich in früheren Zeiten viele Brauchtumsfeste mit Symbolen aus der christlichen Welt verbanden, lässt sich der Zacheies auf den Zöllner Zachäus zurückführen, der von einem Maulbeerbaum aus den vorbeiziehenden Jesus sehen wollte. „Nach einer anderen Überlieferung drückten die Lengsdorfer Weinbauern und Wirte mit dem Aufhängen des Zacheies oder Paias in den Kirmesbaum ihren Zorn gegenüber den privilegierten Grundherren aus“, schrieb Herbert Weffer in der Lengsdorfer Heimatchronik.

Wie auch immer, nun wacht seit Kirmesgedenken der Zacheies über das Kirmestreiben und muss am Ende dafür büßen, was seiner Aufmerksamkeit entgangen ist und damit eventuell hätte verhindert werden können. In Würde und Robe wird dann „Staatsanwalt“ Schada die Anklage gegen ihn formulieren, die für den Wächter zu dem bekannt unguten Ende führt.

Die Lengsdorfer Kirmes beginnt am Freitag, 2. August, um 18 Uhr mit dem Fassanstich. Sie dauert bis zum Sonntag, 4. August.

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