AfD in Bonn: Podiumsdiskussion und Gegendemo auf dem Brüser Berg

Podiumsdiskussion auf dem Brüser Berg in Bonn : Rund 150 Menschen demonstrieren gegen AfD-Veranstaltung

Der Bonner Kreisverband der AfD hat sich am Samstag zu einer Podiumsdiskussion auf dem Brüser Berg in Bonn getroffen. Rund 150 Menschen des "Bonner Bündnisses gegen Rechts" demonstrierten friedlich gegen die Veranstaltung.

Mit rund hundert Menschen, die am Samstagmittag vor dem Ortsteilzentrum auf dem Brüser Berg gegen die AfD protestierten und weiteren hundert Parteianhängern, die im Saal des Hauses tagten, schien ein äußerliches Gleichgewicht hergestellt. Inhaltlich konnte man dagegen kaum weiter voneinander entfernt sein. Mit großem Aufgebot schützte die Polizei die eintreffenden Mitglieder und Parteispitzen der AfD vor laut und mit Hasskommentaren skandierenden Demonstranten, die sich teilweise durch Fahnen und Plakate als Mitglieder der Antifa, von Die Partei, der Linken und als „Bonner Bündnis gegen Rechts“ zu erkennen gaben.

„Ich stehe hier, um mich mit aller Macht gegen eine offensichtlich rechtsextreme Partei unter konservativem Deckmantel zu wehren“, sagte Robert Steegers, der mit seinen acht- und neunjährigen Söhnen Henry und Morten auf dem Brüser Berg demonstrierte. „Furchtbar“, empfand die seit über 30 Jahren in Bonn lebende Amerikanerin Patricia Pawlyk die Tatsache, dass sich die AfD öffentlich versammeln konnte. „Ich darf in Deutschland zwar nicht wählen“, sagte sie, aber dafür wolle sie ihre Meinung kundtun. Der Bonner Zhir Hassan möchte mit seiner Anwesenheit verhindern, dass die Partei an die Regierung komme, da er als psychisch erkrankter Mensch Angst habe, aus Deutschland vertrieben oder schlecht behandelt zu werden.

Polizisten sichern die Gegendemo auf dem Brüser Berg ab. Foto: Axel Vogel

In der Vorankündigung versprach der einladende AfD-Kreisverband Bonn mit seinem Vorsitzenden Sascha Ulbrich, die Veranstaltung werde als „lockere, moderierte Talkrunde ablaufen“. Gegenseitig interviewten sich vor einem aufmerksamen, bei Kaffee, Würstchen und Brezeln brunchenden Publikum aus Parteimitgliedern die Podiumsgäste.

Der neugewählte Landesprecher der AFD Nordrhein-Westfalen, Rüdiger Lucassen, wird zu der Podiumsdiskussion auf dem Brüser Berg erwartet. Foto: dpa/Henning Kaiser

Neben Ulbrich saßen dort der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen, NRW-Landesvorsitzender Rüdiger Lucassen, Bundestagsmitglied Harald Weyel sowie der Vorsitzende der Jungen Alternative NRW, Carlo Clemens. Nachdem Ulbrich seine Gäste über die Fluchtwege im Saal aufgeklärt hatte, stellte er Meuthen die Frage: „Quo vadis AfD?“. Die Alternative für Deutschland sei die einzig echte und starke Opposition im Bundestag, so Meuthen. Später ergänzte Lucassen, der die AfD in drei von Ulbrich geforderten Adjektiven mit „innovativ, radikal in der Sprache und fordernd“ bezeichnete, mit, „die AfD ist konservativ und nicht reaktionär, sie ist freiheitlich und nicht liberallala“. Dass die Partei patriotisch, aber nicht völkisch-nationalistisch sei, brachte Meuthen den ersten Beifall seines größtenteils im Rentenalter befindlichen Publikums.

Applaus erhielt der Kölner Wirtschaftsprofessor Weyel für seine Feststellung, dass die AfD aus Bürgern bestünde, die zwangsweise in die Politik getrieben worden seien, „um den Job zu machen, den die anderen Parteien seit Jahrzehnten nicht gemacht“ hätten.

Zuletzt hatten im Mai im Bonner Haus der Bildung eine AfD-Wahlkampfveranstaltung sowie eine Gegendemonstration stattgefunden.

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