Malteser-Krankenhaus: Ärzte streben bessere Therapie für alte Menschen an

Malteser-Krankenhaus : Ärzte streben bessere Therapie für alte Menschen an

Stürzen alte Menschen, passiert es nicht selten, dass sie sich einen Knochenbruch zuziehen. Das Schlimme daran: Bislang starb laut Albert Lukas, Chefarzt der Geriatrie im Malteser-Krankenhaus, in solchen Fällen jeder vierte Patient an den Folgen - trotz Operation.

Einen Grund nannte jetzt Regionalgeschäftsführer Walter Bors: Es fehlte eine ganzheitliche Betrachtung des Betroffenen. Das Krankenhaus in Medinghoven ist jetzt das erste zertifizierte alterstraumatologische Zentrum in der Region, und das bedeutet: Chirurgie und Geriatrie arbeiten nun Hand in Hand.

Die Patienten mit Oberarm- oder Oberschenkelbrüchen werden jetzt von vorn herein von beiden Abteilungen gemeinsam betreut. "Der Zustand der Leute nach der OP wird dadurch verbessert", sagte Lukas. Nicht nur das: "Im Idealfall geht man besser vorbereitet in die OP", sagte Chirurg Mirco Jungblut.

Das Krankenhaus arbeitet auch mit dem Hausarzt zusammen, etwa um das Wissen über Vorerkrankungen mit in die Behandlung einfließen zu lassen.

Sozialarbeiter, Physiotherapeuten und weitere Spezialisten sorgen gemeinsam mit dem ärztlichen Team dafür, dass die alten Menschen schnell wieder auf die Beine kommen. Dabei arbeiten alle eine Checkliste ab. Binnen 90 Minuten nach Eintreffen des Patienten im Krankenhaus werden eine Notfalldiagnostik erstellt und das weitere Vorgehen festgelegt. Schon kurz nach der Operation wird der Patient auf die Physiotherapie und letztlich die Entlassung vorbereitet.

Ziel ist es laut Hans-Wilhelm Keller, Chefarzt der Chirurgie, den Patienten "nach der Behandlung wieder in sein gewohntes Umfeld zurückbringen zu können". Gerade bei betagten Menschen müsse deshalb zu Hause auch eine Sturzprophylaxe erfolgen: Stolperfallen müssen beseitigt, die Wohnung eventuell ganz umgestaltet werden.

Diese Zertifizierung passe gut zum Malteser-Krankenhaus, sagte Frank Gunzelmann, Leiter des Qualitätsmanagements, "weil unser ganzes Profil auf alte Menschen ausgerichtet ist". So biete man etwa eine Angehörigenschulung, ein Gedächtnistraining und ähnliches an, fügte Bors hinzu.

Das alterstraumatologische Zentrum sei mit Blick auf den demographischen Wandel zwingend notwendig, sagte Geriatrie-Chefarzt Albert Lukas: "Heute müssen wir in Deutschland mit mehr als 100.000 beckennahen Frakturen rechnen. Diese Zahl wird sich in den nächsten 25 Jahren mindestens verdoppeln."

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