A565 bei Duisdorf: Anwohner berichten von Erinnerungen

Geschichten eines Urgesteins : Früher hat man auf der A565 das Radfahren gelernt

Der Duisdorfer Jung Bernd Schmidt erinnert sich an seine Kindheit, die heute kurios anmutet. Wegziehen kommt für ihn nicht infrage, er ist seiner Heimat verbunden.

Wie selbstverständlich spricht Bernd Schmidt vom Amt. Dabei gibt es das Amt Duisdorf seit der kommunalen Neuordnung vor 50 Jahren nicht mehr – seither heißt es Bezirksverwaltungsstelle. Damals war Schmidt sechs Jahre alt. Er wohnte mit den Eltern auf der Lengsdorfer Straße in „Duisdorf bei Bonn“, weist seine Geburtsurkunde aus. Nachdem Bad Godesberg, Beuel und das Amt Duisdorf nach Bonn eingemeindet worden waren, stellte sich heraus, dass viele Straßennamen doppelt und dreifach vergeben waren – schwierig für die Postzustellung. Für die Schmidts und viele andere änderte sich danach die Adresse. Die Lengsdorfer wurde in Villemombler Straße umbenannt.

Wenn der 56-Jährige seinen sonntäglichen, kleinen Spaziergang unternimmt, geht er vom Amt Duisdorf zum alten Friedhof an das Grab seines Vaters und der Großeltern. Dort stellt er eine Kerze auf, fotografiert es jedes Mal und wandert weiter zum Bäcker in der Fußgängerzone. Mit Brötchen und Foto schaut er bei seiner Mutter an der Villemomblerstraße – es ist ihr Elternhaus – vorbei.

Nur zu gut erinnert er sich an die Bushaltestelle vor der Rochuskirche, als der gesamte Verkehr sich noch durch die Duisdorfer Mitte zwängte, bis 1986 die Fußgängerzone eröffnet wurde. Jeden Freitag ging die Mutter zum Einkaufen nach Duisdorf, „zum Stüssgen und zum Globus“. Die Männer hatten eher im Baumarkt Lohr zu tun, an dessen Stelle heute das Rochuscenter steht.

Als im Derletal noch Obstgärten waren

Im heutigen Naherholungsgebiet Derletal, das als Teil der Entwicklungsmaßnahme Hardtberg vor 40 Jahren eingeweiht wurde, hatten die Eltern Obstgärten am Heilsbach. Dort war Bernd Schmidts Abenteuerspielplatz im elterlichen Hof, „wo wir bei geöffnetem Tor Nachlaufen spielten“. Freunde und Klassenkameraden kamen hauptsächlich aus den neu entstandenen Wohngebieten – „Neu-Duisdorf“ – etwa am benachbarten Schieffelingsweg. Auch dort waren in den 1960er Jahren mit Bonns Funktion als Regierungssitz Siedlungen für die Beamten aus dem Boden gestampft worden. Duisdorf erlebte eine regelrechte Bevölkerungsexplosion.

Wurden 1950 noch 4630 Einwohner gezählt, waren es 1968 bereits 17 000. „Ich kenne den Brüser Berg und Medinghoven noch ohne Häuser. Da gab es nur ein Café, zu dem wir manchmal spazierten“, erzählt Schmidt. „Als ich Kind war, wurde die Autobahn 565 gebaut. Bevor sie freigeben war, sind wir sonntags wie viele andere auf der Trasse nach Meckenheim geradelt. Ich habe auf der Autobahn Radfahren gelernt.“

Bevor der Fußball im 1. FC Hardtberg seit Anfang der 1980er Jahre – bis heute – den größten Teil seiner Freizeit in Anspruch nahm, war Bernd Schmidt Messdiener in St. Augustinus. „Eine Erziehungssache. Die Spiele waren sonntags, aber eben auch die Messe. Man wurde Messdiener, engagierte sich in der Jugendarbeit und trug die Pfarrbriefe aus.“

Der Fußball erweiterte den Aktionsradius. „Wir sind zu jedem Spiel des 1. FC Köln ins Müngersdorfer Stadion gefahren. Beim Meisterschaftsspiel 1978 war ich dabei. Auch beim Aufstieg des Bonner SC in die Zweite Liga.“ Erst ging es mit Bus und Bahn dorthin, später mit dem eigenen Auto, einem VW Derby in Mexiko-Beige. Nach dem Fußballtraining und wenn es ein gewonnenes Spiel zu feiern gab, traf sich die Mannschaft in Duisdorf in einer Kneipe. „Die gibt es alle nicht mehr.“ Der samstägliche Discobesuch im Oktagon, in der Biskuithalle oder im Zamamphas endete meistens mit einem Absacker in der Kerze. „Gibt‘s auch alles nicht mehr.“

Nach dem Abitur 1982 auf dem Hardtberg-Gymnasium schrieb Schmidt sich für das Architekturstudium an der Fachhochschule Köln ein. Nach dem Abschluss machte er sich in seinem Heimatort selbstständig. Zwei Ehen, drei Kinder, viele Vereinsmitgliedschaften. Die meisten Freunde kennt er seit Kindertagen. Nie sei er auf die Idee gekommen, in eine andere Stadt zu ziehen.

„Duisdorf hätte mir gefehlt. Hier kennt jeder jeden. Es ist eine heile Welt.“ Seit 1999 ist Schmidt Vorsitzender des FC Hardtberg, seit einigen Monaten Ortsfestausschussvorsitzender mit 37 Mitgliedsvereinen. „Was mich beeindruckt ist das Miteinander. Wir alle zusammen prägen das Ortsgeschehen.“ Wenn er sich etwas wünschen könnte? „Dass es in Duisdorf so weitergeht wie bisher.“

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