Treppen bis zur siebten Etage

Hochhaus in Duisdorf seit vier Wochen ohne Aufzug

Duisdorf. Vonovia-Mieter eines Hochhauses in Duisdorf müssen seit vier Wochen bis zur siebten Etage Treppen steigen. Die Wohnungsgesellschaft bietet jetzt einen Tragedienst an.

Wohl dem, der im Erdgeschoss wohnt. Der achtstöckige Mehrparteien-Wohnblock am Schieffelingsweg 23 bietet derzeit wenig Annehmlichkeiten. Er wird seit Monaten umgebaut und instand gesetzt. Das Schlimmste allerdings: Seit mehr als vier Wochen ist der einzige Aufzug im vorderen Komplex des Wohnblocks defekt. Alle Mieter müssen stets über die Treppen nach oben. Und das genau seit dem 11. Juni.

Mieter Nikolaus Stein weiß das so genau, weil er an jenem Tag im Aufzug stand, als dieser den Geist aufgab. Er drückte die Nottaste und rief um Hilfe. Nach 20 Minuten Warten kam ihm ein glücklicher Zufall zu Hilfe. „Eine Nachbarin im Treppenhaus forderte den Aufzug zur vierten Etage an, und er fuhr tatsächlich noch dorthin“, berichtet Stein. Dort konnte er die Kabine verlassen, und seitdem funktioniert der Lift nicht mehr.

„Der Aufzug war auch vorher in den sechs Jahren, in denen ich hier wohne, immer wieder mal kaputt, aber vier Wochen sind ein neuer Rekord“, sagt Mieter Stein, dessen Zweizimmer-Wohnung in der siebten Etage – also ganz oben – liegt. Er selbst nimmt es sportlich, dass er jedes Mal die Treppen nehmen muss, aber: „Nachbarn von mir haben ein Baby. Und da ist es schon eine schwere Plackerei, mit Kind und Kinderwagen die Treppen bis zur siebten Etage hoch- und runterzukommen.“

Ersatzteil nicht lieferbar

Das Gebäude gehört der Wohnungsgesellschaft Vonovia, Deutschlands größtem Vermieter, dessen Vorgängerunternehmen Annington auch schon häufig in den Schlagzeilen war. Und die Vonovia backt nun kleine Brötchen. Bei besagtem Aufzug sei ein dringend benötigtes Ersatzteil auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar, erklärte Unternehmenssprecher Max Niklas Gille dem GA. „Das haben wir erst in der letzten Woche erfahren und können derzeit auch keine Prognose abgeben, wann die Reparatur möglich sein wird.“

Um den Mietern die Umstände ein Stück weit zu erleichtern, werde man ab sofort einen kostenlosen Tragedienst anbieten, und zwar nicht nur für schwere Einkäufe, sondern auch für Menschen, sofern diese krankheitsbedingt nicht laufen können. Das gelte ab sofort, entsprechende Aushänge mit dem zuständigen Ansprechpartner des Arbeiter-Samariter-Bunds hingen im Treppenhaus, so der Sprecher. Der Tragedienst ist erreichbar unter 02 34/4 14 70 00 00.

Probleme mit dem Kundenportal?

„Den langen Ausfall bedauern wir sehr“, erklärte Gille. „Leider sind wir von den Ersatzteilen abhängig und haben nur begrenzten Einfluss auf die Lieferzeit.“ Allen Beteiligten sei klar, dass die Vonovia das Problem so schnell wie möglich lösen wolle.

Wie der Tragedienst im Detail funktionieren soll, war Ende voriger Woche noch unklar. „Das wird natürlich über Fachpersonal und -geräte organisiert“, sagte Gille. Die Vonovia könne sich nur bei den Mietern entschuldigen und verstehe jeden, der sich über die Umstände ärgere. Gille schloss ausdrücklich die Möglichkeit der Mietminderung nicht aus. „Die Mieter mögen sich dann bei uns melden, wenn sie eine Minderung der Miete vornehmen wollen.“ Und dann werde man eine Lösung finden, kündigte er an.

Aber die Vonovia scheint auch ein Problem mit ihrem Kundenportal zu haben. Nikolaus Stein kann sich mit seinen Daten plus Passwort dort einloggen und eine Beschwerde formulieren. „Das habe ich gemacht, aber dann erscheint ständig die Anzeige „Ein Fehler ist aufgetreten.“ Also war es nichts mit seiner Online-Beschwerde.

Unternehmen bestätigt Verzögerungen

Der Wohnkomplex ist übrigens genau jener, der vor rund einem Jahr in die Schlagzeilen geriet. Damals titelte der GA: „Mieter verzweifelt: Vier Jahre ohne Küche.“ Das Problem ist mittlerweile behoben, berichtet nun Mieter Sla Dalhoumi, der den GA damals darauf aufmerksam gemacht hatte. „Die Küche ist inzwischen benutzbar, aber trotz Instandsetzung der Toilette ist jetzt alles wieder verschimmelt“, fügt er hinzu und beklagt, dass er trotz eines Anwalts nicht weiter kommt mit der Vonovia. „Mir wurde sogar gedroht für den Fall, dass ich die Miete mindere“, berichtet er. In seiner Wohnung ist seit langem der Balkon gesperrt und nicht benutzbar, weil die Brüstung marode ist.

Überhaupt, das hat auch Mieter Stein festgestellt, scheint die Instandsetzung sehr zu stocken. „Im Juli sollte der dritte und letzte Bauabschnitt fertig sein, aber die hängen immer noch am ersten Bauabschnitt.“

In der Tat gab es Verzögerungen, bestätigte Unternehmenssprecher Gille. Eine Handwerkerfirma sei abgesprungen, und es sei schwierig und zeitraubend gewesen, einen neuen Dienstleister zu bekommen. „Das ist total ärgerlich für die Mieter uns für uns“, so Gille. Die Vonovia habe frühzeitig versucht, die Mieter darüber zu informieren, zum Beispiel über Hausbesuche. Allerdings wurden damit nicht alle Mieter erreicht. Mitte August sollen die Modernisierungsarbeiten der Fenster weiter gehen, im September dann auch die Balkon- und Dachsanierung, wird in dem neuen Bauzeitenplan mitgeteilt.