Verkauf im Bonner Stadtwald: 631 Baumstämme bereit zur Versteigerung

Verkauf im Bonner Stadtwald : 631 Baumstämme bereit zur Versteigerung

Die Wertholzversteigerung hat seit Beginn der Aktion vor 30 Jahren kräftig an Umfang zugenommen. Der Kundenstamm, der am 1. Februar mitbietet, kommt auch aus Österreich und den Niederlanden.

Rolf Hocker, einst Forstamtsleiter in Bonn, rief vor mehr als 30 Jahren die Wertholzversteigerung ins Leben. „Der stand noch mit dem Hämmerchen im Kottenforst“, erinnert sich Wolfgang Bongardt, Leiter des Forstbetriebsbezirks Kottenforst im Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Seitdem hat sich einiges verändert: Der Umfang hat gegenüber den Anfangsjahren deutlich zugenommen, und die Versteigerung findet jetzt nicht mehr im Wald, sondern im Büro als Submission statt. Ab Montag können Interessenten das aus einem großen Umkreis herangeschaffte Holz begutachten und ihre Gebote abgeben.

Die Angebote müssen schriftlich eingereicht werden. Bei der Versteigerung am 1. Februar in der Jugendherberge auf dem Venusberg wird festgestellt, wer das meiste Geld geboten hat und so den Zuschlag erhält. Bis dahin sind die Baumstämme an einem Feldweg zwischen Röttgen und Meckenheim parallel zur A 565 aufgereiht. Eine Fläche von zwei Kilometern hat Bongardt dafür bereitgestellt, 1,8 Kilometer sind jetzt belegt. Jeder Stamm ist markiert, wurde vermessen und in eine Liste aufgenommen. Die ist lang: Derzeit liegen dort 631 Stämme, insgesamt 1150 Festmeter Holz. 75 Prozent sind laut Bongardt Eichenholz, der Rest Vogelkirsche, Nadelholz und vereinzelt andere Sorten.

Der dickste Baumstamm, der ohne Rinde auf einen Durchmesser von 92 Zentimetern kommt, stammt von einer Rotbuche. Das Holz wird aus einem Einzugsgebiet von Niederrhein bis Ahrweiler herangefahren: Dass alle Stämme an einem Ort besichtigt werden können, ist für die Käufer sinnvoll. Der Bonner Standort bietet sich wegen seiner guten Autobahnanbindung an.

Etwa 100 Kunden aus Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden erhalten die Baumstammliste. An die 30 Personen bieten laut Bongardt immer mit. „Das wertvollste Holz geht an die Furnierwerke.“ Dort wird es dünn geschält oder geschnitten und auf Pressspan geklebt, um daraus gefertigte Möbelstücke zu veredeln. „30 bis 40 Prozent des Holzes hier haben diese Qualitäten.“ Das meiste Holz geht aber an die Sägewerke, wo Kisten oder Bretter hergestellt werden.

Der Durchschnittspreis pro Festmeter Eiche liege bei 500 Euro, sagt der Förster. Der Erlös ist aber von den Geboten der Käufer und von der Marktlage abhängig. Deshalb wagt er keine Prognose. In der Regel werde alles Holz verkauft, weiß Bongardt. Es gibt aber Ausnahmen: Holz mit Kriegssplittern könne man schlecht an Sägewerke verkaufen. Die Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg bestehen aus Hartmetall, das die Sägemaschinen zerstören würde.

Die Forstwirtschaft wird nachhaltig betrieben. „Wir fällen nicht mehr, als nachwächst.“ Und alle Bäume werden laut Bongardt untersucht: Befindet sich eine Spechthöhle im Stamm oder gibt es einen Unterschlupf für Fledermäuse, bleibt der Baum stehen. „Uns ist wichtig, dass wir keine wertvollen Biotope zerstören.“ Das Holz, das zur Versteigerung bereit liege, sei aber eher finanziell als ökologisch wertvoll.

Apropos Naturschutz: Von der Idee der Grünen, zum Abtransport von Baumstämmen Rückepferde einzusetzen (siehe Artikel unten), hält Bongardt nicht viel – jedenfalls nicht bei diesem Holz. „Das ist zu schwer.“ Die dicke Rotbuche etwa könnten auch fünf Pferde nicht bewegen. Dann würden Tierschützer Alarm schlagen. Die Bäume würden mit der Kettensäge gefällt und mit Seilwinden aus dem Wald bis zu den Rückegassen gezogen.

Das Holz liegt zwar öffentlich zugänglich an den Wegen, Diebstahl sei aber sehr selten, sagt Bongardt, weil aufwendig und nicht unauffällig. Rund um die Uhr bewachen könne man die Stämme indes nicht – das Forstamt habe schließlich noch viele andere Dinge zu tun. So wird zum Beispiel weiter mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW über die Sanierung des denkmalgeschützten Jägerhäuschens im Kottenforst verhandelt. Man sei noch nicht am Ziel, aber schon gute Schritte vorangekommen, sagt der Förster.