Hammerattacke: Opfer verweigert Aussage gegen Ehemann

Hammerattacke: Opfer verweigert Aussage gegen Ehemann

57-Jähriger muss sich vor dem Bonner Schwurgericht wegen versuchten Totschlags verantworten - Angeklagter kann sich nicht mehr erinnern

Bonn. Blutüberströmt flüchtete die 56-jährige Ayshe B. (Name geändert) am 22. Dezember 2007 zu ihrem Sohn und berichtete aufgelöst, ihr Mann habe sie attackiert und ihr immer wieder mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen.

Nun sitzt er wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht, und die 56-Jährige soll gegen den 57-jährigen Vater ihrer Kinder als Zeugin aussagen.

Doch zur allgemeinen Überraschung macht sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Dabei tritt sie sogar im Prozess als Nebenklägerin auf. Auch ihre von dieser Aussageverweigerung sichtlich überrumpelte Anwältin kann dem nicht minder irritierten Gericht nach einem auf Türkisch geführten Gespräch mit ihrer Mandantin nur sagen: "Sie will nichts sagen."

Dabei hatte die 56-Jährige nach der Tat sehr viel gesagt: Ihr Mann habe sie im Streit erst mit den Fäusten geschlagen, bis sie sich im Bad verschanzt habe. Als sie sich herausgetraut habe, sei er mit dem Hammer auf sie losgegangen, habe ihr damit immer wieder auf den Kopf geschlagen, sie in den Flur verfolgt und festgehalten, weiter auf sie eingeschlagen und gedroht, sie zu töten, bis sie sich losgerissen habe und zu ihrem Sohn und dessen Freundin nebenan geflüchtet sei.

Der Angeklagte, der seit seiner Jugend an Diabetes leidet und auch psychisch krank ist, kann sich, wie er beteuert, an fast gar nichts mehr erinnern. Er weiß nur, dass es mal wieder Streit mit seiner Frau gab, die er ein Jahr nach seiner Übersiedlung nach Deutschland durch Vermittlung der Eltern 1973 heiratete.

Drei Kinder hätten sie gehabt, der älteste Sohn sei vor zwei Jahren gestorben, erklärt er dem Gericht mit brüchiger Stimme. Seitdem seien die Streitigkeiten mit seiner Frau schlimmer geworden. Dabei sei für ihn die Ehe eigentlich in Ordnung, sie verwalte das Geld und begleite ihn auch bei seinen Touren als Schrotthändler.

Doch vor allem wenn ihre Freundin da sei, gebe es immer Theater. Auf Nachfrage erklärt er: In der Haft habe seine Frau ihn drei Mal besucht, man habe über die Enkel gesprochen.

Seine Mutter könne gut provozieren, sagt der Sohn im Zeugenstand. Der 30-Jährige war nach der Tat sofort zum Vater gelaufen.

Und der, so erklärte er nun, sei mal wieder unterzuckert gewesen und habe nicht gewusst, was los war. Auch die Freundin des Sohnes weiß mittlerweile nicht mehr, was sie glauben soll: Ihr habe die 56-Jährige mittlerweile gestanden, sie habe gelogen, ihr Mann habe gar nicht mit dem Tode gedroht.

Mehr von GA BONN