Hacker sorgten für massenhafte Betrügereien

Hacker sorgten für massenhafte Betrügereien

Eine Bande soll Ware übers Internet verkauft haben, die es gar nicht gab. Der mutmaßlicher Kopf der Truppe ist ein Bonner.

Mehr als 30.000 Euro Schaden soll eine Bande angerichtet haben, die im Internet nicht existierende Ware verkauft hat. Und dieser von der Staatsanwaltschaft angenommene Schaden ist laut Anklage nur "die absolute Spitze des Eisbergs". Wie Gerichtssprecher Phillipp Prietze mitteilte, werden sich demnächst vier Männer unter anderem wegen bandenmäßigen Betruges, Urkundenfälschung und Computerbetrugs vor dem Landgericht verantworten müssen.

In der seitenlangen Anklage werden 524 Einzelfälle aufgeführt. Kopf der Gruppe soll ein 24 Jahre alter Bonner sein. Er hat laut Anklage gemeinsam mit einem 33-Jährigen aus Essen zehn Anbieterkonten eines Internetauktionshauses geknackt. Die beiden Männer sollen zunächst echte Ware über diese zuvor lange Zeit nicht benutzten Accounts verkauft haben, um gute Bewertungen zu erhalten.

Dann haben sie laut Prietze unter anderem PC-Spiele, Designerkleidung, Nahrungsergänzungsmittel und Elektronikartikel angeboten, die es nicht gab. Das Geld der Geprellten floss laut Anklage auf vier Bankkonten. Diese soll ein 22 Jahre alter Bonner, der den mutmaßlichen Kopf der Bande anscheinend aus einer gemeinsamen Musikband kennt, eigens bei vier verschiedenen Banken eingerichtet haben. Dem 37 Jahre alten Bruder des Angeklagten aus Essen wird vorgeworfen, das ergaunerte Geld einige Male an Bankautomaten abgehoben zu haben.

Dass diese Betrügereien überhaupt aufgeklärt werden konnten, scheint zu großen Teilen Kommissar Zufall zu verdanken zu sein. Gegen den 24 Jahre alten Bonner wurde zunächst allein wegen des Betrugsverdachts im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Telekom-Kundendaten ermittelt - in diesem Komplex soll den Kunden von einer Vielzahl von Tätern ein Schaden von mehr als einer halben Millionen Euro verursacht worden sein.

Dem 24-Jährigen wird in diesen Fällen allerdings nur ein Schaden von 600 Euro angelastet. Bei der Festnahme im Mai 2010 kamen die Ermittler offenbar genau zur richtigen Zeit: Der Computer des jungen Mannes lief - und es bestand laut Anklage weder ein Passwortschutz noch eine Datenverschlüsselung. Bei den Ermittlungen stellten die Fahnder fest, dass der Bonner sehr aktiv auf einer Tauschplattform gewesen war.

Über diese soll er nicht nur den Komplizen aus Essen kennengelernt haben. Dem 24-Jährigen wird außerdem vorgeworfen, mit gestohlenen Kreditkartendaten hochwertige Elektronikartikel und Erste-Klasse-Tickets der Bahn gekauft zu haben. Auch soll er sich 69 Karten für die Packstationen der Post besorgt und diese über die Plattform angeboten haben.

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