Goldene Krone beherrscht Ferko Czoris Grab

Goldene Krone beherrscht Ferko Czoris Grab

Auf dem Friedhof Am Platanenweg befinden sich prunkvolle Ruhestätten zahlreicher Roma - Einmal im Jahr kommen sie nach Beuel - Dann wird gemeinsam gegessen, getrunken und der Toten gedacht

Beuel. Eindrucksvoll, pompös, fast atemberaubend. Das ist die Grabstätte von Ferko Czori - dem König der Roma. Ein Denkmal haben ihm seine Anhänger gesetzt. Seit 1997 wacht er über die toten Seelen auf dem Friedhof Am Platanenweg. Mit 49 ist er gestorben. Doch Ferko Czori - er lebt weiter.

Abgeschirmt hinter einem hohen Gittertor steht er da: aufrecht, majestätisch als schnee-weiße Statue aus Granit. Lebensgroß, gestützt auf einen Gehstock, blickt der schnauzbärtige Herr mit Schlips und Melone vorbei an seinem eigenen Mausoleum. Eine tonnenschwere, goldverzierte Steinkrone lastet fest auf seiner Grabkammer.

Sechs Monate dauerte es, das Kunstwerk für den Roma-König zu fertigen. 24 Tonnen Gestein hat Altmeister Wolfgang Naundorf darin verarbeitet. Wie lange die Königswürde der Roma schon vom Vater auf den Sohn übertragen wurde, weiß Naundorf nicht.

Weswegen Ferko hier begraben liegt, aber schon: "Lange Zeit haben sich die Roma hier bei Pützchens Markt getroffen, um ihre Waren zu verkaufen. Oft sind sie auch zum Heiligen Brünnchen gepilgert."

In den 60er Jahren war Josef Czori, Ferkos Vater, Oberster der Roma gewesen. Als Josef 1964 starb, ließ er sich auf dem Friedhof Am Platanenweg beerdigen. So wurde Pützchen zu einem Treffpunkt für das "fahrende Volk". Ein Ort der Zusammenkunft - auch jedes Jahr zu Allerheiligen.

Denn andere Roma zogen nach und ließen sich wie Czori in Beuel ihre letzte Ruhestätte errichten. Vereint bis in den Tod - Zusammenhalt spielt für die oft verfolgten Roma eine entscheidende Rolle. So finden sich prunkvolle Gräber vieler anderer Familien auf dem Friedhof, auch wenn Ferkos Mini-Tempel besonders ins Auge fällt.

Dass die ganze Familie für die Bestattung zusammenlegt, ist nicht ungewöhnlich. "Anders als wir verkaufen die Roma für den Toten ihr gesamtes Hab und Gut", erklärt Michael Naundorf. Der 36-jährige Steinmetz führt seit einiger Zeit das Geschäft seines Vaters Wolfgang. "Denn nach ihrer Vorstellung schaut der Tote vom Himmel auf sie herab.

Und sorgt so dafür, dass die Familie das Geld für die Ausstattung seines Grabes verwendet." 13 Geschwister zählen die Czoris. Zu den Füßen Ferkos liegen einige seiner Brüder. Zwar gehören alle derselben Sippe an, doch auf einigen Gradsteinen steht "Szori" als Familienname. Erstaunlich auch die kurze Lebensdauer einiger Roma-Männer. Ob Stammesfehden der Hintergrund sind, ist nicht bekannt.

Doch einmal im Jahr kommen rund 200 Roma aus ganz Europa an den Platanenweg, um eines jungen Roma zu gedenken, der einer Messerstecherei zum Opfer fiel. Dabei begehen die streng gläubigen Katholiken diesen Feiertag eher ausgelassen: inmitten der Gräber ihrer Verstorbenen.

Man isst, trinkt und raucht gewissermaßen gemeinsam mit den Toten - und teilt so mit ihnen die Genüsse, wie Michael Naundorf beobachtet hat. Zu diesem Zweck ständen auch die Tische und Bänke am Rande der Ruhestätten. Ein regelrechtes Fest - doch wenn es vorbei ist, thront wieder nur einer über den Friedhof am Platanenweg: Ferko Czori, der König der Roma.

Mehr von GA BONN