Gebrauchsanleitungen für Raucher-Clubs

Gebrauchsanleitungen für Raucher-Clubs

Größere Betriebe verbannen blauen Dunst komplett oder richten Reservate ein - Stadt kontrolliert Kneipen nicht "offensiv", sondern wird nur bei schriftlicher Beschwerde tätig

Bonn. "Em Stadthüsje" kehrt zum Feierabend die Gemütlichkeit ein. Zwei Kartenspielrunden bevölkern am Freitag gegen 17.30 Uhr die kleine Kneipe am Stadthaus-Eingang. Raucher und Nichtraucher spielen zusammen und lassen sich ihr Kölsch schmecken.

"Hopfen und Malz - Gott erhalt's", steht draußen an der Wand. "Und den Tabak", werden die Stammgäste von Pasquale Gallucci ergänzen. Denn für den 61-jährigen Wirt hätte das ab dem 1. Juli greifende Rauchverbot Existenz bedrohende Folgen.

"Wenn hier nicht mehr geraucht werden darf, kann ich zumachen", sagt der Wirt zwischen zwei Spielen in seiner Kartenrunde. "Und wenn ich zumache, bin ich arbeitslos." Sein Blick sagt: Und nicht mehr vermittelbar.

Weil 90 Prozent seiner Gäste Raucher seien, will Gallucci "auf jeden Fall" einen Raucher-Club gründen und das rechtliche Schlupfloch nutzen, das den so genannten Ein-Raum-Kneipen den blauen Dunst trotz des Nichtraucherschutzgesetzes erlaubt. Gallucci ist selbst zwar Nichtraucher, sagt aber: "Mich stören die Raucher nicht." Zum Glas Bier oder Wein gehöre die Kippe für manche eben dazu. "Auch die Nichtraucher, die bei mir verkehren, haben nichts dagegen."

Der Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) Nordrhein hat in den letzten Tagen viele Anfragen von besorgten Kneipenwirten bekommen. Wie der stellvertretende Geschäftsführer Mathias Johnen berichtet, hat der Verband schon rund 80 "Starter-Kits" für Raucher-Clubs ausgegeben - also Mustersatzung, Aufkleber und weitere Informationen.

Nach den Vorstellungen des DeHoGa NRW überlässt der Wirt dem Raucher-Club und dessen Mitgliedern seine Räume, damit Vereinstreffen dort abgehalten werden können. Der Raucher-Club sei die einzige Möglichkeit für "Getränke orientierte Betriebe", zu überleben. Johnen schätzt, dass in Bonn etwa 160 Kneipen, Discos und Vergnügungslokale sich ernsthaft mit dem Thema Nichtraucherschutz auseinandersetzen. Eines ist für Johnen sicher: "Dienstag wird es Raucher-Clubs in Bonn geben."

Größere Betriebe und Restaurants werden rauchfrei oder schaffen abgeschlossene Räume für Raucher. Eines dieser neuen Reservate wird derzeit etwa im Dinea-Restaurant im Kaufhof eingerichtet. Dort sollen in einem Glaskasten etwa 30 Gäste Platz finden, die speisen und rauchen möchten. Eine eigens eingebaute Lüftungsanlage soll den blauen Dunst absaugen.

Auch das Bonner Kaffeehaus "Imperial" bietet laut Geschäftsführer Wilfried Gatzweiler einen eigenen Raucherbereich - 32 Plätze für Raucher neben den 60 im Nichtraucherbereich. Ab dem 1. September sei auch ein eigener Raum im "Habsburg" in Beuel geplant. "Kein Nichtraucher muss durch diese Bereiche durchgehen", verspricht Gatzweiler. "Niemand wird belästigt."

Auf Umbau-Maßnahmen verzichten muss das China-Restaurant Nan-King. Inhaber Chao-Feng Wu befürchtet Umsatzeinbußen: "Die Raucher werden bestimmt nicht wiederkommen." Bisher hatte er zwar einen Raucherraum. Es sei aber nicht möglich, diesen entsprechend der gesetzlichen Anforderungen umzubauen. "Ein Gast hat mir schon gedroht, dass er nicht wiederkommt", berichtet Wu, der künftig vor dem Eingang wenigstens einen großen Ascher aufstellen möchte.

Komplett rauchfrei wird das Rheinhotel Dreesen. Geschäftsführer Olaf Dreesen berichtet, dass dann weder in der Bar, noch im Restaurant noch im Frühstücksbereich geraucht werden darf - nur noch vor der Tür. Gleiches gilt für das "Diners" in der Bundeskunsthalle.

Wer künftig gegen das Rauchverbot verstößt, riskiert Geldbußen von 5 bis 1 000 Euro. Wie Monika Frömbgen vom Presseamt mitteilt, wird die Stadt aber nicht "offensiv" kontrollieren. Das heißt, die Mitarbeiter des Ordnungsamtes werden nur tätig, wenn eine schriftliche Beschwerde vorliegt, die Ross und Reiter, also Kläger und Beklagten, nennt.

Die Stadt sieht laut Frömbgen bei erstmaligen Verstößen Bußgelder von 40 Euro für Wirtsleute und zehn Euro für Gäste vor. "Bei ganz uneinsichtigen Kandidaten ist die Stadt durchaus gewillt, den Bußgeld-Katalog auszuschöpfen."

Wolfgang Trilling findet das Rauchverbot für Kneipen "blödsinnig". Der Stammgast im "Stadthüsje" sagt: "Das ist doch mir überlassen, ob ich reingehe oder nicht." Jeder solle nach seiner Fasson selig werden, sagt der Rentner. Der 68-Jährige raucht seit elf Jahren nicht mehr; am Ende hat er bis zu 80 Zigaretten am Tag verqualmt.

Obwohl er jetzt Nichtraucher ist, mache ihm der Rauch nichts aus. Wird er Mitglied des neuen Raucher-Clubs? "Natürlich", sagt er. "Das bin ich heute schon."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Willkommen im Club"

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