Frank Asbeck: "Strom vom Dach wird billiger als Strom aus dem Netz"

Frank Asbeck: "Strom vom Dach wird billiger als Strom aus dem Netz"

Der Vorstandschef des Bonner Konzerns über die Perspektiven der Solarenergie und sein kulturelles Engagement am Firmensitz - "Warum soll Bonn nicht wieder einen schönen Zoo haben?"

Bonn. Die Bonner Solarworld AG gehört weltweit zu den bedeutenden Anbietern von Solarstrom-Technik. Vorstandschef Frank H. Asbeck engagiert sich seit Jahren auch für den Standort Bonn, wo Solarworld rund 140 Mitarbeiter beschäftigt. Über die Perspektiven der Solarenergie und sein Engagement am Firmensitz sprach mit ihm Julian Stech.

GA: Es ist Sommer und die Sonne scheint. Hat das Wetter eigentlich Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Frank Asbeck: Mittelbar schon. Jetzt gerade um die Mittagszeit haben wir den höchsten Stromverbrauch in Deutschland. Die Leute arbeiten und die Klimaanlagen laufen. Bei gutem Wetter liefern die Fotovoltaik-Anlagen bundesweit rund fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Übers Jahr gerechnet ist das zwar noch weniger als ein Prozent. Aber das Entscheidende ist, dass wir zu Spitzenzeiten den Strom liefern, dann, wenn er am teuersten ist und am dringendsten gebraucht wird.

GA: Insgesamt weniger als ein Prozent Solarstrom - das hört sich nicht nach besonders viel an.

Asbeck: In zehn Jahren wird die Hälfte des privaten Stroms aus Fotovoltaik-Anlagen kommen. Das entspricht dann zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs oder der Energiemenge, die man brauchte, um alle Autos in Deutschland elektrisch anzutreiben.

GA: Was macht Sie so sicher, dass das so kommen wird?

Asbeck: Der Preis für Strom aus fossilen Energieträgern wird immer teurer, der aus erneuerbaren Energien immer billiger. Der Haushaltspreis für Strom liegt derzeit bei 22 Cent pro Kilowattstunde. Solarstrom wird derzeit mit knapp 47 Cent vergütet. Im Jahr 2015 werden sich beide Preise bei etwa 28 Cent treffen. Strom vom Dach wird billiger als Strom aus dem Netz. Danach gibt es für Solaranlagen keine Grenzen mehr.

GA: An den Subventionen für Solarstrom gibt es auch Kritik. Könnte nicht viel mehr Kohlendioxid eingespart werden, wenn man die gleiche Summe in die Modernisierung von Kohlekraftwerken stecken würde?

Asbeck: Ja, das ist richtig. Natürlich ist es sinnvoll, die bestehenden Kraftwerke effizienter zu machen. Das eine zu tun, muss aber nicht heißen, das andere zu lassen. Bei der Förderung der Solarenergie geht es nicht nur um Kohlendioxid-Einsparung. Öl, Gas, Kohle und Uran sind endlich. Wir müssen deshalb die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umstellen. Dafür brauchen wir eine Anschubfinanzierung.

GA: Welche Rolle spielt die Bonner Solarworld dabei?

Asbeck: Wir gehören zu den drei größten voll integrierten Solaranbietern weltweit. In den nächsten Jahren steht die Branche vor Problemen. Denn die Kapazitäten steigen stärker als die Nachfrage. Das ist wie beim Goldrausch. Schon ab 2010 erwarte ich ein Überangebot von 20 Prozent. Die Preise für Solaranlagen werden dann jährlich um bis zu zehn Prozent sinken. Das werden einige Konkurrenten nicht überleben. Wir haben aber bewiesen, dass wir unsere Kosten jährlich senken können. Solarworld wird aus dem Prozess gestärkt hervorgehen.

GA: Solarworld hat seine Hauptverwaltung in Bonn, hier aber keine Produktion. . . Asbeck: Ganz früher hatten wir überlegt, hier ein Werk aufzubauen, dort wo jetzt das neue Porsche-Zentrum steht. Aber die Flächen sind viel zu klein. Unsere Fabrik in Freiberg hat die Größe eines VW-Montagewerkes - so etwas ist hier gar nicht möglich.

GA: Trotzdem fühlen Sie sich als Bonner Unternehmen?

Asbeck: Absolut. Beim Verkauf brauchen wir nämlich den rheinischen Singsang in der Stimme. Wir haben hier unseren weltweiten Vertrieb. Aber unser Einkäufer, das ist ein Sachse.

GA: Nicht nur Solarworld ist in Bonn engagiert, auch Sie sind es immer wieder als Privatmann: Sie haben fürs Metropol geboten, ein Macke-Bild gekauft, Sie sponsern die Konzerte auf der Museumsmeile, haben zur Fußball-Europameisterschaft ein Public Viewing eingerichtet. Verstehen Sie sich als Mäzen?

Asbeck: Nein, aber als Bonner. Ich habe das Privileg, in einer der schönsten deutschen Städte zu wohnen. Hier gehen meine Kinder zur Schule, hier habe ich meine Freunde. Hier wohnen sehr freundliche Leute. Ich versuche, das soziale und kulturelle Engagement möglichst wirtschaftlich zu gestalten.

GA: Wie zum Beispiel?

Asbeck: Wir wollen jetzt eine Tropenwald-Ausstellung im Museum Koenig machen. Da wäre es ein Leichtes zu sagen, das kostet eine Million, die bezahlt Solarworld. Ich möchte aber, dass wir uns so ein Projekt gemeinsam erarbeiten, mit vielen Aktionen, die die Bürger und auch andere Firmen einbinden. Wenn dann am Ende noch etwas fehlt, soll es an uns nicht scheitern.

GA: Und Macke?

Asbeck: Macke war ein Einzelfall. Das Bild hängt im Kunstmuseum direkt am Eingang und es hat den Kindern immer so gut gefallen. Das durfte nicht weggehen. Auch das war sehr effizient. Wir mussten noch nicht einmal den Nagel wechseln.

GA: Beim Metropol hatten Sie aber keinen Erfolg. . .

Asbeck: Ja, schade. Das hätten wir gerne als Kino weitergeführt, deshalb war ich bei der Versteigerung dabei. Mir gehört ja das Rex in Endenich, darum weiß ich, wovon ich spreche. Geld hätten wir damit nicht verdient, aber auch keines verloren.

GA: Gibt es noch ein Projekt für Bonn, das Sie reizen würde?

Asbeck: Ja, auf jeden Fall. Wir ziehen im Winter mit unserer Hauptverwaltung ins alte Plittersdorfer Wasserwerk. Darum herum haben wir 50 000 Quadratmeter. Direkt südlich von der Rheinaue. Von Golf hat man mir abgeraten. Ich hätte aber sehr viel Spaß, hier einen Zoo einzurichten. Das prüfe ich gerade intensiv.

Warum soll Bonn nicht wieder einen schönen Zoo haben? Ein Zoo mit wenigen Arten. Zum Beispiel ein Löwenfreigehege kann ich mir sehr gut vorstellen. Wir könnten im nächsten Sommer öffnen. Die Bürger hätten dann freien Eintritt.

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