Einige bringen zur Kirchennacht den Schlafsack mit

Einige bringen zur Kirchennacht den Schlafsack mit

Mehr als 10 000 Besucher in der langen Nacht - Veranstaltungen in 49 Gemeinden

Bonn. Pfarrer Herwig Mauschitz ist sichtlich nervös. Gleich soll der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bonn (ACK) live in der WDR-Lokalzeit über die 3. Bonner Kirchennacht berichten.

Mauschitz steht mit Superintendent Eckart Wüster und Pressepfarrer Joachim Gerhardt in der Kreuzkirche, der Reporter hält ihm bereits das Mikrofon hin. Dann die Enttäuschung: Im Studio ist die Lichtanlage ausgefallen, heißt es, die Übertragung wird abgesagt.

Doch auch ohne diese Zusatzwerbung ist Freitagnacht die Kreuzkirche und sind auch die anderen Kirchen in Bonn gut gefüllt. Weit mehr als 10 000 Besucher zählen die Veranstalter in den 49 Kirchen, die bei der langen Kirchennacht mitmachen. Beginn ist um 20 Uhr.

Doch schon lange vorher stehen Hunderte von Menschen auf dem Platz vor der Kreuzkirche und warten gespannt auf die Turmbläser, die gleich hoch oben auf dem in sanftes, farbiges Licht getauchten Turm die Nacht mit ihren Klängen eröffnen werden.

Im Münster singt die Münsterschola. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit für einen Rundgang durch den neu gestalteten Kreuzgang. Dort herrscht himmlische Stille. Das fröhliche Treiben des Weihnachtsmarktes bleibt außen vor. Um Josef und seine Brüder dreht sich eine Geschichte, die die Schülerinnen der Liebfrauenschule einstudiert haben und nun im Rahmen der Kirchennacht präsentieren.

Mit heißem Tee und Kaffee empfangen die Malteser die Gäste vor dem Windeckbunker. Stadtdechant Wilfried Schumacher sitzt neben Polizeipräsident Wolfgang Albers. Sie lauschen Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Unter ihnen ist die Mutter des Stadtdechanten, Betty Schumacher. Sie schildert ihre furchtbaren Erinnerungen an einen Angriff der Alliierten im Winter 1944 in Endenich. Der Anblick vieler Toten in der Nachbarschaft blieb ihr als Kind nicht erspart

Für Pfarrer Mauschitz besonders erfreulich: Gut besucht sind auch die Kirchen in den Stadtteilen. 280 Besucher zählt die Jugendkirche Sankt Franziskus in der Nordstadt. Dort führen Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums das Musical "Judas und Jesus" auf. Um den Advent "von zwei Seiten betrachtet" geht es im Haus der Gemeinde in Vilich. Von dort ziehen die Teilnehmer zur katholischen Schwestergemeinde Sankt Peter und setzen ihren Gedankenaustausch am Feuer bei einem leckeren Glühwein fort.

In der evangelischen Trinitatiskirche in Endenich lassen sich die Gäste unter dem Motto "Selig seid ihr" auf eine lange Tanznacht ein, während ganz in der Nähe in Sankt Maria Magdalena eine spirituelle Kirchenführung angeboten wird. Zwei Erwachsene und acht Jugendliche nehmen in der Johanniskirche in Duisdorf an einem Experiment teil: Sie übernachten im Schlafsack in der Kirche. "Das war lustig, besonders die Nachtgespräche", berichtet Frauke (14) am nächsten Morgen.

Mehr als 400 Besucher erleben in der Lutherkirche in der Südstadt die dramatische Aufführung der Carmina Burana von Carl Orff durch die Kantorei unter Leitung von Berthold Wicke. "Die dritte Kirchennacht hat den positiven Trend der ersten beiden Nächte vor zwei und vier Jahren bestätigt, wenn nicht sogar verstärkt", sagt Mauschitz. Er dankte vor allem den mehr als 1 000 ehrenamtlichen Helfern, die wesentlich zum Erfolg der Kirchennacht, die sicherlich 2010 wiederholt wird, beigetragen haben.

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