Ein Gebetsraum für 600 Gläubige

Ein Gebetsraum für 600 Gläubige

Zwei neue Moscheen mit Minarett und Kuppel werden in den kommenden Monaten in Bonn gebaut. Die eine entsteht in Tannenbusch an der Brühler Straße und soll "in spätestens zwei Jahren fertig sein".

Tannenbusch. Zwei neue Moscheen mit Minarett und Kuppel werden in den kommenden Monaten in Bonn gebaut. Die eine entsteht in Tannenbusch an der Brühler Straße und soll "in spätestens zwei Jahren fertig sein". Das teilte der Verein Al Muhajirin, wie berichtet am Mittwochabend bei einer Infoveranstaltung im Gemeindehaus der Apostelkirche mit.

Für das zweite neue Gotteshaus, das die türkische DITIB-Gemeinde An der Esche an der Viktoriabrücke bauen will, liegt nun die Baugenehmigung vor, sagte am Donnerstag der Vereinsvorsitzende Mehmet Aksar dem GA auf Anfrage: "Wir beginnen jetzt mit der Ausschreibung. Anfang nächsten Jahres wird es wohl mit dem Bau losgehen."

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Gelegenheit für Kritik"Der Bauherr der geplanten Moschee an der Brühler Straße, der Verein Al Muhajirin, erwartet die Baugenehmigung in den nächsten Wochen. Der Rechtsanwalt des Vereins, Baasem Jürgen Kannich, stellte beim ersten "Runden Tisch zum Moscheebau Brühler Straße" am Mittwoch die aktuellen Pläne vor.

Zentraler Bereich der Moschee ist ein Gebetsraum für 400 Männer, dessen Empore noch einmal 200 Frauen Platz bietet. Weitere Veranstaltungsräume kommen hinzu. Der Verein hat das Grundstück, auf dem die leere Halle eines früheren Getränkemarktes steht, für rund eine Million Euro der Stadt abgekauft.

Das Geld dafür komme von einem auch der Stadt schon lange bekannten Privatspender aus dem Nahen Osten, sagte Kannich. Der Bau des Gebäudes soll rund 1,9 Millionen Euro kosten. Dafür suche man nun weitere private Spender, sagte Abdlqalq Azrak, Vorstandsmitglied des Vereins und ehrenamtlicher Integrationslotse bei der Stadt Bonn.

Kritische Fragen aus dem Publikum, das dem Bauvorhaben allem Anschein nach überwiegend positiv gegenübersteht, bezogen sich unter anderem auf die Höhe der Baukosten. "Werden diese nicht tatsächlich am Ende höher sein?" fragte beispielsweise Peter Kern vom Bürger Bund Bonn.

Er ist Mitglied einer auf Initiative der städtischen Integrationsbeauftragen Coletta Manemann gebildeten Arbeitsgruppe, die den Moscheebau öffentlichkeitswirksam begleiten soll und auch regelmäßig den Runden Tisch für die Bürger anbieten wird. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Kommunalpolitiker sowie Vertreter der Verwaltung, der christlichen Kirchen und von Al Muhajirin.

Als besonders problematisch sehen die Nachbarn des künftigen Moscheestandorts die Parkplatzsituation. Stadt und Moscheeverein versuchten, den Nachbarn diese Befürchtungen zu nehmen: "Der Verein will beim Freitagsgebet mit eigenen Helfern dafür sorgen, dass keiner die Straße zuparkt." Doch es ging auch um inhaltliche Fragen: Woher beispielsweise der Imam komme und in welcher Sprache er predigen werde. "Der Imam soll inhaltlich auf unserer Linie sein, ansonsten kündigen wir ihm", sagte Azrak. "Wir praktizieren eine gemäßigten Islam."

Dennoch: Auch die Muhajirin-Moschee werde vom Verfassungsschutz beobachtet - "wie Moscheen generell", sagte Kannich dem GA auf Anfrage am Donnerstag. "Wir werden aber nicht personenspezifisch überwacht, soweit ich weiß." Azrak sagte: "Sollten unter den Besuchern Personen sein, die beobachtet werden, und sollte uns das zu Ohren kommen, können wir sie rechtlich nicht vom Gebet ausschließen." Ein Redeforum aber wolle man ihnen nicht bieten.

Die neue MoscheeNeben dem Gebetsraum wird die geplante Moschee auf zwei Stockwerken Unterrichtsräume, einen Gemeindesaal, einen Konferenzraum und Wohnräume für Hausmeister haben.

Neben der Vermittlung von Glaubensinhalten will der Moscheeverein auch Hausaufgabenbetreuung und Beratungsangebote gemeinsam mit der Stadt Bonn anbieten.