"Diese Moschee ist ein Schmuckstück"

"Diese Moschee ist ein Schmuckstück"

Bei einer Infoveranstaltung über den Bau des islamischen Gotteshauses gibt es nur wenige kritische Stimmen

Bonn. Während sich eine Mehrheit der Schweizer vor gut zwei Wochen noch klar gegen Minarette ausgesprochen hatte, waren diese am Montagabend in Bonn kein Thema. Anders, als mancher vermutet hatte, verlief der Infoabend zum Moscheebau an der Brühler Straße, zu dem der Verein Al-Muhajirin als Bauherr in den Pfarrsaal der Apostelkirchengemeinde eingeladen hatte, recht harmonisch. Moderator Pfarrer Martin Hentschel musste die rund 200 Zuhörer im voll besetzten Saal regelrecht ermuntern, "doch auch ruhig kritische Fragen zu stellen".

Wie bei der ersten Veranstaltung zum Moscheebau in Tannenbusch vor einem Jahr war es aber vor allem die Parkplatz- und Verkehrsfrage, die zwei Zuhörerinnen umtrieb. Sowohl der Anwalt des Vereins, Baasem Jürgen Kannich, als auch die Integrationsbeauftragte der Stadt, Coletta Manemann, versuchten zu beruhigen mit dem Hinweis, dass die Baubehörde hier ganz genau hinschaue.

Ob denn die Zahl der Besucher die 600 beim Freitagsgebet nicht doch überschreiten werde, wollte ein Zuhörer wissen. "600 Besucher sind eine realistische Annahme", sagte Architekt Ahmet Altunbas und Kannich ergänzte: "Schließlich besuchen uns zurzeit in unserer Moschee an der Theaterstraße maximal 200 Personen."

Wie verhindere der Verein eine Beeinflussung durch radikale Kräfte, fragte ein Mann. Vielen sei immer noch die Fahd-Akademie in schlechter Erinnerung. Die Satzung besage, so Kannich, dass man mindestens drei Jahre ordentliches Mitglied sein müsse, bevor man sich in den Vorstand wählen lassen könne. Außerdem sei es nicht im Interesse des Vereins, sich auf radikale Strömungen einzulassen, schließlich stünde die Existenz auf dem Spiel, wenn gegen den Verein ermittelt würde.

Auch das Kopftuch war Thema: "Gibt es den Zwang, es zu tragen?", wollte ein Zuhörer wissen. Kannich meinte darauf hin: "Diese Frage muss und will ich als Mann gar nicht beantworten. Kann das nicht eine Muslimin im Saal tun?" Eine junge Frau antwortete: "Das Tragen des Kopftuchs bleibt jeder Frau selbst überlassen. Es gibt keinen Zwang im Glauben."

So harmonisch der Abend unterm Strich war, so deutlich zeichnet sich mittlerweile doch eine Mehrheit im Stadtrat ab, die am Mittwochabend dem Verkauf des städtischen Grundstücks an Al-Muhajirin zustimmen wird. Der zuletzt von der CDU kritisierte Lebensmittelladen sei aus dem Konzept gestrichen, so Kannich.

Selbst die besonders kritische SPD, die auf jeden Fall ein "islamisches Kulturzentrum" verhindern will, signalisierte Zustimmung. "Ich habe Vertrauen", sagte SPD-Ratsherr Bodo Buhse am Montagabend.

Das mag auch daran liegen, dass der Verein mittlerweile eine Grundsatzerklärung darüber abgegeben hat, dass die Moschee auch integrativ wirken möchte. An dem bisherigen Nutzungskonzept der Moschee mit Konferenzsaal und Unterrichtsräumen hingegen hat sich kaum etwas geändert.

Zwei Zuhörer drückten explizit ihre Freude über die zukünftige Moschee aus. Der eine nannte sie gar ein "Schmuckstück" - das wohl aber - vorbehaltlich der Abstimmung im Rat - nicht vor 2011 gebaut sein wird. Dann aber ein Minarett haben soll.