1. Bonn

Der Sonnenhof soll unangetastet bleiben

Der Sonnenhof soll unangetastet bleiben

Der Regionalrat will eine Konzentrationszone für den Abbau von hochreinem weißen Quarzkies ausweisen. Bornheimer Gebiet ist für die Politiker tabu. Die Verwaltung muss die Vorlage nachbessern.

Harsche Kritik musste gestern Regierungspräsident Hans Peter Lindlar im Regionalrat in Köln einstecken. Zur Diskussion stand der Abbau von weißem Quarzkies im Raum Kottenforst/Ville. "Ihre unbeschreibliche Ignoranz, mit der Sie den Sonnenhof in Bornheim gegen den Willen der Bürger und dieses Gremiums als Abbaugebiet für Quarzkies durchboxen wollen, ist beeindruckend. Sie gehen dabei mit zerstörerischer Methodik vor", fand Achim Tüttenberg (SPD).

Einstimmig beschloss der Regionalrat, einem verbundenen Antrag von CDU, Grünen und FDP in wesentlichen Punkten zu folgen. Lediglich den einleitenden Worten des Beschlusses konnten sich die Sozialdemokraten nicht anschließen. "Beim Ziel sind wir einig, aber es gibt unterschiedliche Wege dahin", meinte Tüttenberg dazu.

Konkret bekräftigte der Regionalrat seine Absicht, Vorranggebiete für die Gewinnung von hochreinem weißen Quarzkies im Regionalplan Köln auszuweisen. Dafür sei aber ein ordnungsgemäß durchgeführtes Regionalplanänderungsverfahren Voraussetzung, das eine sachgerechte Abwägung zwischen potenziellen Standorten ermögliche. Einig waren sich die Fraktionen, dass eine Abgrabung am Sonnenhof nicht in Frage kommt. "Wir wollen einen Neuaufschluss vermeiden" sagte Rudolf Finke (FDP).

Gleichzeitig kritisierten die Politiker die von der Bezirksregierung erstellte Sitzungsvorlage. Besonders schwer wiegend sei, dass die Untersuchungen an den verschiedenen Standorten nicht wirklich vergleichbar erschienen, die Festsetzung des Rohstoffbedarfs nicht nachvollziehbar und der Standort Witterschlick in der Abwägung missachtet worden sei. Eine Abwägung sei so nicht möglich, erklärte Stefan Götz (CDU).

Durch den Beschluss wird die Bezirksregierung nun aufgefordert, bis zur Dezember-Sitzung einige Punkte nachzubessern. Die Verwaltung soll zum Beispiel eine aktualisierte Übersicht über genehmigte Abbauvorhaben und die Lagerstätten von hochreinem weißen Quarzkies unter Angabe der Mächtigkeit, also der Schicht-Dicke, und einer ersten Bewertung der Abbauwürdigkeit vorlegen.

"Wichtig ist, dass dabei nicht die unterschiedlichen Kiese in Körnung und Qualität vermischt werden", forderte Grünen-Fraktionschef Horst Becker. Weiter soll eine "sachgerechte, nachvollziehbare und widerspruchsfreie" Bedarfsermittlung und -Prognose beigefügt werden. Lindlar wehrte sich gegen die Vorwürfe und sagte, dass das Verfahren "ordnungsgemäß" durchgeführt worden und das Thema entscheidungsreif sei. Bei der Ausweisung einer Konzentrationszone sei für ihn der Versuch wichtig, "bei einem Eingriff in den Untergrund die Stelle auszusuchen, die von den naturräumlichen Voraussetzungen den wenigsten Schaden nimmt".

Seit Längerem schlägt Lindlar daher schon eine Abgrabung am Sonnenhof vor. Für den Vorsitzenden des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge, Klaus Fietzek, der die Sitzung in Köln verfolgte, ist völlig unverständlich: "Ein Eingriff am Sonnenhof wäre nicht ausgleichbar. Wir sind sehr froh, dass die Parteien dem Regierungspräsidenten deutlich gesagt haben, wie man zu einem akzeptablen und auch nachvollziehbaren Ergebnis kommt." Auch sei die Ansicht des Gremiums wichtig, dass es sich um einen "einmaligen Rohstoff handelt, der nicht verschwendet werden darf."