Putzfrau berichtet: "Das ist niemals zu schaffen"

Putzfrau berichtet : "Das ist niemals zu schaffen"

Marianne Müller (Name geändert) geht seit Jahren putzen. Ihre Arbeit in einer Bundesbehörde ist anstrengend, aber schaffbar, erzählt die Bonnerin. Doch seitdem sie vor einiger Zeit zusätzlich einen Minijob bei einer anderen Reinigungsfirma angenommen hat, kommt sie ins Schleudern.

Für diese Firma, die von der Stadt Aufträge im Wert von mehreren hunderttausend Euro hat, reinigt Marianne Müller ein Bürogebäude der Stadtverwaltung. Sie hat von montags bis freitags am Abend knapp zwei Stunden Zeit, um die Vorgaben ihres Arbeitgebers zu erfüllen. "Ich muss den Linoleumboden in 14 Büros und drei langen Fluren reinigen, außerdem sechs Toilettenräume und drei Teeküchen sauber machen und überall den Müll entsorgen", erzählt die Frau. "Das ist niemals in zwei Stunden zu schaffen."

Im Büro des städtischen Hausmeisters gibt sie täglich ihren Stundenzettel ab. Doch wenn sie länger als zwei Stunden arbeite, dürfe sie das nicht abrechnen, berichtet Marianne Müller. "Mein Vorarbeiter hat mir gesagt, dass die Stadt nur zwei Stunden am Tag bezahlt. Und nur die darf ich aufschreiben." In ihrer Not habe sie auch den Hausmeister angesprochen. Der aber habe lediglich geantwortet, sie müsse die Bezahlung von Überstunden mit ihrer Firma klären.

So bleibe nur, unbezahlt länger zu arbeiten - oder Beschwerden der Büronutzer über mangelnde Sauberkeit zu riskieren. Solche Reklamationen würden vom Hausmeister an den Bezirksleiter der Reinigungsfirma durchgereicht. Wegen dieser Situation, sagt Marianne Müller, seien auch die anderen Putzfrauen ihres Reinigungstrupps "auf dem Absprung". Um ihre Identität zu schützen, verzichtete der GA darauf, ihren Arbeitgeber um eine Stellungnahme zu bitten.

Leistungswerte

Bei der Auftragsvergabe orientiert sich die Stadt nach eigenen Angaben an branchenüblichen Werten. Beispiele: Bei der täglichen Reinigung in der Bertold-Brecht-Gesamtschule sollen 301 Quadratmeter pro Stunde gesäubert werden, in der Karl-Simrock-Hauptschule 253, in der Katholischen Grundschule Holzlar 280 Quadratmeter.