Schwalbenschwänze in Bonn: Dach der Bundeskunsthalle ist Zuhause für seltene Schmetterlinge

Schwalbenschwänze in Bonn : Dach der Bundeskunsthalle ist Zuhause für seltene Schmetterlinge

Dem Zufall ist es zu verdanken, dass auf dem Dach der Bundeskunsthalle kleine Raupen zu wunderschönen Schmetterlingen heranwachsen. In eigens dafür angefertigten Sichtkästen können Besucher die unterschiedlichen Entwicklungsstadien verfolgen.

"Fünf bis sechs Tage dauert das Eistadium, zwei bis drei Wochen bleiben die angehenden Falter eine Raupe bevor sie sich für zwölf bis 14 Tage verpuppen, um anschließend als Schmetterling durch die Luft zu fliegen", weiß Hobbyzüchter Stefan Altmeyer. "Ab dem Stadium der Raupe verteilen wir die Tiere in die Zuchtboxen."

Aber von vorne: Im Oktober hatte Klaus Maresch auf dem Dachgarten Puppen der Schwalbenschwänze entdeckt. Die hatten sich dort selbst angesiedelt. Normalerweise ist der Imker für die "Bundesbienen"-Völker dort oben zuständig. Hätte er nun die Tiere nicht zufällig auf einer Wildmöhrenpflanze entdeckt, wären sie dem Rasenmäher zum Opfer gefallen. "Denn einmal im Jahr mähen wir die Wiese hier oben ab."

Mit dem Aufsammeln der grün-gelblichen bohnenähnlichen Puppen war es aber nicht getan. Denn der Schwalbenschwanz ist durch das Artenschutzgesetz besonders geschützt. Deswegen dürfen die Falter nicht einfach aus der Natur entnommen werden. Also wandte sich Maresch an Altmeyer, der sofort zusagte, bei dem Projekt mitzumachen. "Wir brauchten Sondergenehmigungen, um das Projekt zu starten", erinnert sich Altmeyer. "Die haben wir selbstverständlich alle."

Über den Winter zogen Altmeyer, der Hochschullehrer für Ingenieurswissenschaften an der FH in Köln ist, und Maresch eine beachtliche Menge der Flattertierchen heran. Zusätzlich wurde das Duo von Wolfgang Hürter unterstützt. Auch der ehemaligen Beueler Bezirksbürgermeister ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Schmetterlinge. Er ist ein Hobby-Lepidopterologe, wie im Fachjargon jene Menschen genannt werden, die Schmetterlinge beobachten. [kein Linktext vorhanden]

Begonnen haben alle drei mit einem Gelege von 100 Eiern. Mittlerweile sind schon zwei Generationen geschlüpft. "In meinem Garten alleine habe ich etwa zehn Raupenkästen stehen, in denen die Schmetterlinge heranwachsen. Ein Weibchen legt bis zu 150 Eier", berichtet Altmeyer.

Nun werden in den kommenden Wochen etwa 700 Schwalbenschwänze nach und nach in die Freiheit entlassen. Plus diejenigen, die in den Zuchtboxen auf dem Dach heranwachsen. Etwa drei Wochen haben die Tiere dann Zeit sich fortzupflanzen, bevor sie sterben. "Eigentlich sind sie sofort paarungsbereit sobald sie ihr Puppennest verlassen haben", weiß Hürter.

Wer wissen will, ob gerade ein Weibchen oder ein Männchen auf einer der Pflanzen auf dem Dach verweilt, muss genau hinsehen. "Die Männchen haben eine Art Zange am Hinterleib. Die fehlt dem Weibchen", weiß Altmeyer. Wenn die beiden Hinterteile aneinander kleben und die Flügel geschlossen sind, weiß der erfahrene Beobachter, dass er gerade den Paarungsakt beobachtet. Bis zu 50 Minuten brauchen die Tiere dafür.

"Aber sie können trotzdem fliegen. Das Männchen lässt sich dann allerdings hängen." Interessierten bieten Altmeyer und Maresch die Möglichkeit, beim nächsten Schwalbenschwanz-Schlupf dabei zu sein. Man muss sich nur auf der Seite www.bundesbienen.info in das Kontaktformular eintragen.

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