1. Bonn

Bonner Taxifahrer: schlechte Geschäfte wegen des Coronavirus

Geschäft in Bonn bricht ein : Taxifahrer arbeiten mit Plexiglas und Folie gegen das Coronavirus

Die Taxi-Genossenschaft rüstet ihre Fahrzeuge mit Trennwänden aus. Einige Fahrer fahren mit Mundschutz und Handschuhen.

In der Coronakrise müssen zahlreiche Einzelhändler, Kulturschaffende und andere Selbstständige um ihre Existenz bangen. Auch Taxiunternehmer bekommen die Folgen von Kontaktverboten und Ausgehbeschränkungen deutlich zu spüren. Die Einnahmen, so die Taxigenossenschaft, sind deutlich zurückgegangen – um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Hauptgrund: Die Gaststätten und Hotels sind dicht, der Reiseverkehr tendiert gen Null, die Leute bleiben zu Hause, sagt Carl Lenz. „Die Angst vor einer Infektion steht nicht im Vordergrund“, ist der Vorstand der Genossenschaft sicher. Dennoch wolle man das Risiko minimieren, sagt Lenz. Daher werden sämtliche Taxis, die der Genossenschaft angeschlossen sind, mit einer Plexiglasscheibe ausgestattet. Die Kosten – rund 70 Euro exklusive Einbau – übernimmt die Genossenschaft.

Vorder- und Hintersitze sind mit Folie getrennt

Die Plexiglasscheiben werden unter der Kopfstütze befestigt und reichen fast bis zum Dach, erklärt Lenz. „So ist der Gesichtsbereich abgeschirmt.“ Soll heißen, dass Fahrer und Beifahrer vor Tröpfcheninfektion geschützt werden. Unten allerdings ist das Konstrukt offen, um die Bezahlung per Karte oder Bargeld zu ermöglichen. „Es funktioniert  wie in den Supermärkten“, so Lenz.

Einige Fahrer sind schon vorher tätig geworden und haben Vorder- und Hintersitze per Folie getrennt. Eine dieser Vorreiterinnen ist Renate Zendehdel, deren drei Firmen mit insgesamt zehn Taxis in Bonn unterwegs sind. Die Lage sei dramatisch, beschreibt die Unternehmerin. So brächen Schul- und Kindergartenfahrten derzeit komplett weg. Und auch die Krankenfahrten nähmen rapide ab, „weil die Patienten Angst vor Ansteckung haben. Sie lassen sich lieber von Angehörigen fahren“, schildert sie ihre Eindrücke.

Zwischen zwei Fahrten liegen meist zwischen zwei bis drei Stunden

Diese Sorge wollte man den Kunden – und auch den Fahrern – nehmen. Ein Mitarbeiter, so berichtet Zendehdel, habe in einem Beitrag einen chinesischen Taxifahrer gesehen, „der den vorderen zum rückwärtigen Fahrzeugbereich mit einer Folie abgetrennt hatte“. Diese Idee habe sie aufgegriffen, ein „praktisch veranlagter Mitarbeiter“ habe sie umgesetzt. Und zwar in allen zehn Taxis. Die Folie trennt beide Bereiche komplett voneinander ab, zwischen den Sitzen gibt es einen Schlitz, der nur geöffnet wird, wenn der Kunde bezahlen möchte, beschreibt Zendehdel. Darüber hinaus tragen die Fahrer Handschuhe und teilweise Masken. Außerdem werden die Autos nach jeder Fahrt durchgelüftet und desinfiziert.

Das ist auch bei den übrigen Taxis, die in mehr als 70 einzelnen Unternehmen der Genossenschaft angeschlossen sind, der Fall. Zeit genug bleibt. „Zwischen zwei Fahrten liegen momentan ungefähr zwei bis drei Stunden“,  beschreibt Lenz. „Es ist dramatisch.“ Das bekräftigt Georgios Avgoustis, zweiter Vorsitzender. Die Fahrer hätten „extreme Einbußen“. Mit Glück komme jeder auf vier Fahrten am Tag, „vorher waren es zehn bis zwölf“. Daher seien auch weniger Taxis als normalerweise unterwegs, „es müsste ungefähr die Hälfte sein“, so Avgoustis. Sprich: Zwischen 150 und 170 tagsüber, abends seien es noch weniger.

Bleibt die Hoffnung, dass Folien und Plexiglasscheiben etwas daran ändern. „Wenn der Bedarf da ist, können wir alles bedienen“, ist Avgoustis sicher.