Film AG im Robert-Wetzlar-Berufskolleg: Bewegende Geschichten über Folter und Flucht

Film AG im Robert-Wetzlar-Berufskolleg : Bewegende Geschichten über Folter und Flucht

Im Nachkriegs-Irak interessiert es keinen, ob du Menschen umbringst oder nicht. Eindrücklich beschreibt Murthada (19), wie er entführt wurde und die Entführer seiner Mutter rieten, schnell das Lösegeld zu beschaffen. "Willst du seinen Kopf auf einem Reisteller, dann bezahle nichts", drohten sie. Murthada überlebte und beschloss, aus dem Irak zu fliehen. Seine Geschichte erzählt er in dem neuen Dokumentarfilm "Bonn City Sir", den die Film-AG des Robert-Wetzlar-Berufskollegs am Montag rund 160 Schülern präsentierte.

Am Dienstag folgt eine weitere Aufführung vor 100 Schülern. "Wie würdest du dich fühlen, aus deinem eigenen Land zu flüchten?" lautet der Untertitel des Films, den die Lehrer Andreas Ballhorn und Gunther Kimmerle im vergangenen Schuljahr mit ihrer Film-AG konzipiert und gedreht haben: Miriam Baatz, Anna Glüge, Paniz Tagil, Rami Shakil, Jonas Ilstad, Kerem Bozkurt und Jens Sondag haben die dazugehörigen Texte und die Musik selbst geschrieben und komponiert. Herausgekommen ist eine bewegende, 22-minütige Dokumentation über Folter, Flucht und illegale Einwanderung.

Die Hauptdarsteller sind neben Murthada der 17-jährige Iraner Ali sowie Khalil (18) und sein Freund Rezo (Alter unbekannt) aus Syrien. Während Murthada noch am Robert-Wetzlar-Berufskolleg unterrichtet wird, besteht zu den anderen Protagonisten zurzeit kein Kontakt.

In Interviews berichten Khalil und Rezo von ihren Gefängnisaufenthalten in Syrien. Dort schlugen ihnen die Wärter so oft auf die Füße, dass ihre Schuhgröße in dieser Zeit um mindestens vier Nummern zunahm. Ali erzählt von seiner abenteuerlichen Flucht aus dem Iran über Griechenland und Italien, teilweise in einem überfüllten Flüchtlingsboot mit mehr als 60 Menschen.

Lehrer Gunther Kimmerle sagte nach der Premiere: "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass viele Schüler Flucht oder Folter erlebt haben. Es ist schon viel wert, wenn wir durch den Film künftig etwas mehr Verständnis füreinander aufbringen." Schuldirektor Michael Petz sagte: "Der Film hat mich sehr beeindruckt."

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