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Paul-Gerhardt-Schule: Zweitklässler am Tablet

Paul-Gerhardt-Schule : Zweitklässler am Tablet

Wer hat schon mal ein Tablet benutzt? Auf die Frage schnellen fast alle Finger der rund 20 Zweitklässler in die Höhe. Viele Elternhäusern sind inzwischen mit den flachen Touchscreen-Computern ausgestattet. Die Grundschüler der Klasse 2a an der Paul-Gerhardt-Schule haben damit bereits Spiele gespielt, Videos geschaut und im Internet gesurft.

Im Klassenraum kommen sie aber bislang nicht vor. Das will Schulleiter Dirk Wetzig ändern. Wenn es nach ihm geht, sollen die Zweit-, Dritt- und Vierklässler mit Tablets ausgestattet werden. In einem Testlauf können die Schüler und Lehrer jetzt vier Wochen lang die Geräte und Programme einer Firma testen. Finanziert werden soll die Anschaffung von Eltern und Sponsoren.

"Ein Großteil unserer Schüler geht später aufs Gymnasium. Dort werden Grundkenntnisse vorausgesetzt", sagte Wetzig am Rande der Einführungsstunde für die Zweitklässler. Seit Jahren gebe es Überlegungen, wie die Schule besser mit digitalen Medien ausgestattet werden könne, so Ilka Scheunemann, Vorsitzende des Fördervereins. "Wir hatten an einen Wagen mit Laptops oder ähnliches gedacht, aber die Kosten von 10 000 bis 15 000 Euro könnte auch der Förderverein nicht stemmen." Auch die Schulpflegschaftsvorsitzende Kirsten Hentschel steht dem Projekt offen gegenüber. "Kinder müssen schon früh an die digitalen Medien herangeführt werden. Das ist vor allem für die zwei oder drei Schüler wichtig, die bislang noch keine Erfahrung damit gesammelt haben."

Die Firma Snappet ist auf Tablets für Grundschulen und die dazugehörige Lernplattform für die Fächer Mathematik und Deutsch spezialisiert. Während in Deutschland erst eine Handvoll Schulen zu den Kunden zählten, seien es in den Niederlanden bereits mehr als 600, so Geschäftsführer Axel Liao. Dort seien die Schulen aber auch mit deutlich größeren Budgets ausgestattet.

Mehrere Schülerzugänge können auf einem Tablet eingerichtet werden. Über einen PC oder Laptop kann der Lehrer über Zugriff auf den Server den Nutzer und die zu erledigenden Aufgaben freischalten, aber auch überprüfen, welcher Schüler wann welche Aufgabe wie gut löst. "Für mich ist ganz wichtig, dass die Wartung und der Support mitgeliefert werden. Denn das kann das Kollegium einfach nicht leisten", sagt Wetzig. Ein mögliches Finanzierungskonzept nimmt die Eltern in die Pflicht. Für je zwei Eltern, die sich für knapp vier Euro monatlich einen Jahreszugang zur Lernplattform kaufen, stellt die Firma der Schule ein Tablet für diesen Zeitraum zur Verfügung. Die Eltern erkaufen sich damit auch das Recht, die Leistungen des eigenen Kindes auf der Plattform bequem von Zuhause aus zu verfolgen. Die Mietung von 48 Euro pro Jahr für das Gerät plus 24 Euro für jeden Schüler über Sponsoren zu finanzieren wäre die Alternative. Ob die Schüler zukünftig tatsächlich mit Tablets lernen, wird nach der Testphase eine Schulkonferenz entscheiden.