Kommunalreform in Beuel: Zeitzeuge erinnert sich an umstrittene Gebietsreform

Kommunalreform in Beuel : Zeitzeuge erinnert sich an umstrittene Gebietsreform

Zeitzeuge Hans Lennarz erinnert sich an den Widerstand der Beueler vor der Bonner Gebietsreform im Jahr 1969. Die damalige Entscheidung hält er inzwischen dennoch für richtig.

Er ist das letzte noch lebende Ratsmitglied der ehemaligen Stadt Beuel und erlebte 1969 als junger Politiker den Zusammenschluss seiner Heimatstadt mit dem benachbarten Bonn. Heute, 50 Jahre später, blickt Hans Lennarz zufrieden zurück: „Die Entscheidung war richtig. Beuel wäre heute ohne die Eingemeindung eine ganz andere Stadt. In vielen Ortsteilen finden wir jetzt im übertragenen Sinn blühende Landschaften vor. Ohne den damaligen Status Bundeshauptstadt und heute Bundesstadt hätte sich die Infrastruktur Beuels nicht so gut entwickelt.“

Aber warum war der Widerstand der Beueler in den Jahren 1968/69 so vehement? Dazu sagt Lennarz: „Der Begriff ,Kommunale Neugliederung' klang sehr sperrig. Vielleicht war diese Bezeichnung, von der wir Beueler uns nicht viel Positives versprochen haben, auch dafür verantwortlich, dass wir uns dem Wunsch der Landesregierung so versperrt haben.“ Man habe in der Bevölkerung die Sorge verspürt, dass Beuel nach der Eingemeindung seine Identität verlieren würde.

„Und das ist aber nicht passiert, weil die damalige Politiker-Generation sehr darauf aufgepasst hat, dass die Beueler Weiberfastnacht, der Pützchens Markt und die Städtepartnerschaft mit Mirecourt feste Bestandteile im gesellschaftlichen Leben der Gesamtstadt geworden sind“, betonte der heute 84-Jährige. Das Jahr 1969 hat Lennarz geprägt. Damals kämpfte Beuel um seine Selbstständigkeit. „Wir sind bis vor das Oberverwaltungsgericht gezogen, um unseren Willen zu erreichen. Als die Klage zugelassen wurde, fuhr ein Autokorso durch Beuel, die Menschen waren trunken vor Freude“, erinnert sich Lennarz. Doch dann der Rückschlag. Die Richter entschieden gegen den Zusammenschluss der rechtsrheinischen Kommunen. „Die Enttäuschung war groß. In Beuel herrschte Weltuntergangsstimmung. Man fürchtete um Traditionen und um das Geld in der Stadtkasse. Beuel war damals schuldenfrei“, so Lennarz.

"In Beuel herrschte Weltuntergangsstimmung"

Die Trauer wich dem Stolz: Beuels damaliger Bürgermeister Hans Steger ging als Stellvertreter von Oberbürgermeister Peter Kraemer nach Bonn und war fortan Gesamt-Bonner mit Beueler Seele. Lennarz blieb in Beuel, wurde Mitglied im Bezirksausschuss und saß von 1975 bis 2009 in der Bezirksvertretung. „Frag' den Lennarz, der weiß das.“ Der Satz ist heute noch ein geflügeltes Wort. Die Nachfolge-Generationen fragen ihn gerne um Rat.

„Die Eingemeindung hat auch viele Vorteile gebracht. Bis 1969 gab es in Beuel kaum Kanäle. Mit Kultur und Verkehr hatten wir nicht viel zu tun. Das waren Themen, die der damalige Landkreis Bonn behandelt hatte.“ Von 1969 bis heute hat sich Beuel zu einem florierenden Stadtbezirk entwickelt. „Wir haben viel bewegt. Den Bau des Hochwasserschutzes, des Brückenforums und die Neugestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes“, sagt der dreifache Vater, achtfache Großvater und vierfache Ur-Großvater.

Bonn lockte Beuel 1952 mit Hochwasserschutz - erfolglos

Lennarz kann sich daran erinnern, dass die Stadt Bonn bereits 1951 versucht hat, Beuel einzugemeinden: „Damals hat Bonn uns mit einem Hochwasserschutz gelockt. Damals ist die Gemeinde Beuel standhaft geblieben und erhielt 1952 die Stadtrechte.“ 16 Jahre später hätten die Stadtväter Beuels intensive Gespräche mit politischen Vertretern der Gemeinden Stieldorf, Oberkassel und Menden geführt. Aber die Landesregierung habe bekanntlich andere Absichten gehabt.

Aus heutiger Sicht fällt Lennarz noch ein weiteres Urteil: „Die Grenzen der Stadt Bonn wurden 1969 zu eng gefasst. Diese Halskrausen-Situation birgt für Bonn die Gefahr, sich dauerhaft nicht weiter entwickeln zu können. Bonn hätte damals nach Westen bis Rheinbach und nach Osten bis Hangelar ausgedehnt werden müssen.“

Gefragt, ob eine erneute Kommunale Neuordnung diesen Missstand beheben könnte, antwortete das kommunalpolitische Urgestein: „Nein. Ich glaube nicht, dass eine Verwaltungsreform dieser Größenordnung heutzutage noch möglich ist. Das würde in der Gesellschaft auf zu große Widerstände stoßen.“

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