Evangelische Freikirche Beuel: "Wir nehmen die Bibel ernst"

Evangelische Freikirche Beuel : "Wir nehmen die Bibel ernst"

Wer das Schild an der Tür übersieht, könnte meinen, in ein Privathaus einzutreten. Auch die zwei Buxbäumchen davor verraten nicht, dass es sich bei dem Gebäude an der Auguststraße auf dem Gelände der ehemaligen Tapetenfabrik um eine Kirche handelt. Das sieht der Gast erst, wenn Pastor Waldemar Harder ihn in den Versammlungsraum geführt hat. Dort stehen die charakteristischen Bänke nebst einfachem Holzkreuz.

"Wir haben vor etwas über drei Jahren beschlossen, eine Evangelische Freikirche im rechtsrheinischen Bonn zu gründen", erzählt der Pastor. Denn vorher hätten viele Beueler hoch zur Muttergemeinde am Brüser Berg pilgern müssen. "Angefangen haben wir mit einem kleinen Hauskreis, vor einem Jahr sind wir hierher gezogen und haben uns offiziell gegründet", sagt der Theologe.

56 Mitglieder habe die Gemeinde derzeit. "Man wird wahrgenommen, geht nicht unter", sagt Harder dazu. Viele hätten einen russlanddeutschen Hintergrund. "Meist handelt es sich um die zweite Generation, wir sind aber für alle Menschen offen", betont Harder. Deshalb sind er und seine beiden Mitstreiter im Ältestenrat, Eugen Schwindt und Robert Koop, guter Hoffnung, in den nächsten Jahren weiter zu wachsen. "Wir würden gerne eine Immobilie für mehrere hundert Leute erwerben", gibt Harder einen Ausblick.

Neben der Struktur als Verein ist der Ältestenrat ein weiterer Unterschied zu anderen evangelischen Gemeinden. "Wir stehen der Gemeinde vor, aber die Gemeinde bestimmt über Aufnahme neuer Mitglieder, Ausschluss oder Ausrichtung", so Harder. Und Koop ergänzt: "Wir nennen uns Älteste und haben keine Rangfolge, sind uns aber bewusst, dass Pastor Harder mehr Erfahrung hat." Im Sommer beendet Koop eine fünfjährige Ausbildung am Bibelseminar Bornheim, einer theologischen Fachschule. Danach darf er sich Master of arts and theology nennen. Schwindt hingegen bildet sich nebenberuflich fort. Talentierte Laien sind bei der Evangelischen Freikirche Bonn am Predigerpult willkommen, aber sie müssen männlich sein.

"Wir richten unser Leben nach der Bibel aus, nehmen sie ernst und in der Bibel sind die Leitungsfunktionen eher an Männer gebunden", begründet es Harder. Wöchentlich gebe es Bibellesungen, die immer mit der Frage verknüpft würden, was der Inhalt mit dem Alltag der Mitglieder zu tun habe. Scheidung sieht der Ältestenrat als Sünde an, "aber Wiederverheiratete sind uns, wenn sie Vergebung bekommen haben, genauso willkommen", so Harder.

Statt einer Kindertaufe setzt der Ältestenrat auf die Glaubenstaufe: "Für das Bekenntnis mit Gott zu leben, sollte man zwischen 14 und 16 Jahren sein", meint der Pastor. Der Täufling wird komplett untergetaucht. Alle Feste, die in der evangelischen Kirche gefeiert werden, begeht auch die Freikirche. Jeden Sonntag um 10.30 Uhr ist Gottesdienst, eine halbe Stunde später Kindergottesdienst. Alle Mitglieder bringen sich ehrenamtlich in die Gemeindearbeit ein, zum Beispiel im Küchen- oder Musikteam. Gerade suche man ein soziales Projekt in Beuel, das man unterstützen wolle, so Harder.

Empfinden sie sich als frommer im Vergleich zu Protestanten? "Wir sind keine besseren Christen", antwortet Harder salomonisch.

Die Evangelische Freikirche

Vor einem Jahr hat sich die Evangelische Freikirche Bonn-Beuel offiziell gegründet und damit unabhängig von der Muttergemeinde auf dem Brüser Berg gemacht. Nach wie vor ist der Kontakt laut Ältestenrat sehr eng. Dieser Rat regelt die Angelegenheiten der Gemeinde in Ansprache mit den Gemeindemitgliedern. Traditionell wird er von Männern gebildet, wie auch nur Männer Prediger sein können. Für die Freikirchler begründet sich das in der Bibelauslegung: Alle Leitungsfunktionen im Alten und Neuen Testament seien eben auch von Männern besetzt. Der Ältestenrat betont jedoch, dass Frauen in der Gemeinde unverzichtbar seien. Jeden Sonntag um 10.30 Uhr ist Gottesdienst in der Auguststraße 19 in Beuel. Kontakt unter Telefon 0228/96695063.

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