Unterwegs durch Geislar: "Wir haben das in den Griff bekommen"

Unterwegs durch Geislar : "Wir haben das in den Griff bekommen"

Ein Kloster, an dem die Busse halten, enge Straßen, durch die sie nur mühevoll hindurchkommen, insgesamt etwas abseits gelegen - das war mein Bild von Geislar. Und dann zeigte mir Serge Mpouma ein ganz anderes Geislar, eines, das ich so noch nie gesehen hatte.

Zuerst wurde ich von ihm über die Ortsgrenzen aufgeklärt. Im Westen ist es der Rhein, im Norden die Sieg, im Süden der Vilicher Bach. Großflächig, viele Felder und reichlich Platz für die 2500 Einwohner. Nur das Kloster, so meinte Mpouma, solle ich mir gleich wieder abschminken. Auch wenn eine Bushaltestelle heute noch so heißt, es wurde bereits 1975 wegen Nachwuchsmangels aufgegeben. Mitten im Dörfchen gibt es hier noch eine Kneipe - "Die letzte", sagt Mpouma bedauernd - und einen Festplatz. Das Maifest der Junggesellen und Sankt Martin werden hier noch gefeiert, die Kirmes jedoch sei dem dem allgemeinen Kirmessterben zum Opfer gefallen.

Im Schnufertsberg lerne ich die nächste Lektion. Geislar ist ein expandierender Ort, alter Ortskern mit vier Neubaugebieten. Hier ist eines davon. Moderne adrette Häuschen, freistehend - das neueste bebaute Gebiet, erklärte mir Mpouma. Am Ende der Straße biegen wir links ab, um über die Oberdorfstraße wieder zurück gen Osten zu gehen. An dieser Ecke liegt der Friedhof. Die Oberdorfstraße macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie ist eine typische Dorfstraße. Hier befindet sich der letzte noch landwirtschaftlich genutzte Hof von Geislar.

Über die Flugzeuge, die vom nahe gelegenen Flugplatz in Hangelar kommen und ihre Platzrunden drehen, äußert sich mein Begleiter sehr diplomatisch: "Natürlich sind einige Flugzeuge schon sehr laut, aber die meisten Piloten halten sich an die Vorgaben. Doch wie im Straßenverkehr gibt es auch hier einige, die sich nicht an Vorschriften halten und das ist ärgerlich."

Dass man ins "Zentrum von Geislar" kommt, merkt man daran, dass die Straße verwinkelt und enger wird. Alte Fachwerkhäuser säumen hier den Straßenrand. Mpouma kennt fast jeden, den wir auf der Straße treffen, und man kennt ihn. Wir erreichen die Straße Auf dem Rötschen - das ist die mit der neuen Anbindung an die L16. Es ist auch die, an der ein kleines Gewerbegebiet liegt, das einzige von Geislar. Danach kommen wir in das zweitjüngste Neubaugebiet von Geislar. Auch hier, luftige, schöne, freistehende Häuser, nicht von der Stange gebaut - eine Wohltat für die Augen.

Am Ende dieser Straße wartet die nächste Überraschung auf mich. Eigentlich ist hier Feld, Wiese oder Acker. "Dies wird das nächste Neubaugebiet", erklärt mir Mpouma. Wieder in freier Bebauung, ohne Bauträgergesellschaft oder Investor. Man ist schon so weit, dass man sich über Straßennamen unterhält. Es kann also bald losgehen. Die Fläche ist groß, an die eintausend neue Geislarer Bewohner werden hier Platz finden. "Von der L16, durch den Lehweg und dann durch die Liestraße zur Niederkasseler Straße, das sollte man so ausbauen, dass LKWs durchfahren können", schlägt Serge Mpouma vor. "Durch den Ortskern kommen die großen Laster nicht mehr." Mit dieser Erweiterung, so hofft Serge Mpouma und mit ihm ganz Geislar, wird der Ort endlich für einen Nahversorger attraktiv, denn den gibt es hier nicht mehr.

Zum Schluss führt er mich in das älteste Neubaugebiet von Geislar, in die Aurelianstraße. "Früher war das ein sozialer Brennpunkt", erklärte mir Mpouma. "Doch wir haben das in den Griff bekommen. Das rege Vereinsleben, das in Geislar gepflegt wird, hat hier viel zur Integration und zum Spannungsabbau beigetragen." Was er nicht sagt, ist, dass es Serge Mpouma selbst ist, der viel zum Vereinsleben in Geislar beiträgt.

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