Gespräch am Wochenende: Willi Becker lässt Bürgermeister Stroof lebendig werden

Gespräch am Wochenende : Willi Becker lässt Bürgermeister Stroof lebendig werden

Den Stroof kennen in Vilich fast alle. Er war der erste Bürgermeister überhaupt auf Beueler Gebiet. Das ist etwas, worauf man stolz sein kann, findet auch Willi Becker.

Was verbindet Sie mit Leonhard Stroof?

Willi Becker: Er ist wie ich in Vilich geboren. Er hat hier gewirkt und Ortsgeschichte geschrieben. Das interessiert mich. Der Stroof war überaus korrekt und gradlinig. Mir gefällt an ihm, dass er aufrecht und mutig gegenüber den Vorgesetzten für seine Mairie, also Bürgermeisterei, eintrat. Besonders, wenn es galt, Lasten und Sorgen von der Bevölkerung abzuwenden.

Woher wissen Sie das?

Becker: Die Szenen, die ich und die anderen Darsteller spielen, sind historisch fundiert. Stroof war sehr penibel und hat alles aufgeschrieben. Er hinterließ zwei dicke Aktenbündel mit handschriftlichen Berichten, Briefen und Notizen. Sie liegen als Kopie in seinem Arbeitszimmer. Reinhard Adomeit und meine Frau Ursula haben die Geschichten aus den Akten herausgefiltert.

Wie war die Zeit, in der Stroof lebte?

Becker: Umbrüche, Epidemien, Hunger, Napoleons Feldzüge, französische Verwaltung, Säkularisation. Stroof besuchte das Bonner Jesuitengymnasium (heutiges Beethoven-Gymnasium), wurde Lehrer an der Stiftsschule in Vilich und schließlich Municipaldirektor – bis zu seinem Tod mit 67 Jahren. Er war drei Mal verheiratet und hatte 14 Kinder. Ein kleiner Fürst. Er verwaltete die Besitzungen und Einkünfte der Mairie, kümmerte sich um die allgemeine Sicherheit und das Gesundheitswesen und kontrollierte Handel und Gewerbe. Napoleon hat Stroof persönlich getroffen und ihn auf den Finkenberg begleitet. Der Franzose wollte auf der anderen Rheinseite begutachten, ob sich Bonn in eine Festung umbauen ließe.

Stimmt es, dass der Dichter Heinrich Heine bei Maire Stroof vorsprechen musste?

Becker: Heine wollte 1819 in Combahn Quartier nehmen, um an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität zu studieren. Wegen der Formalitäten musste er zu Stroof und unterschrieb mit seinem Geburtsnamen Harry Heine.

Sie haben in der Begegnung der beiden eine witzige Pointe gesetzt.

Becker: Ein bisschen künstlerische Freiheit muss sein. In der Szene fragt Stroof den Studenten: „Ich weiß nicht ... was soll das bedeuten?“ Worauf der sagt: „O, der Satz ist gut, den muss ich mir merken.“ Wie jeder weiß, ist das der Anfang von Heines Loreley-Lied.

Um welche alltäglichen Probleme musste sich der Bürgermeister vor rund 200 Jahren kümmern?

Becker: In Beuel gab es eine derart schlimme Mäuseplage, dass Stroof Fangprämien aussetzte. Da haben sich offenbar die Geislarer als gute Jäger erwiesen und jede Menge Geld verdient. Mir imponiert sehr, dass Stroof sich vehement für die Pockenimpfung einsetzte ganz im Gegensatz zum Bonner Stadtrat, der meinte, es sei gegen Gottes Willen, wenn man mit Impfungen in den Lauf der Natur eingreife.

War Stroof seiner Zeit voraus?

Becker: In manchen Dingen ist er erstaunlich weitsichtig. Mir imponiert ein Satz aus seinen Aufzeichnungen ganz besonders: „Weil aber so lange Menschen Menschen bleiben nicht Vollkommenes zustande kommt, so fürchte ich auch diesmal, nicht zu einem vollkommenen Zwecke gelangen zu können.“ Man muss ihn zweimal lesen!

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