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Naturschutz: Wilde Wanderer sorgen für Probleme in der Siegaue

Naturschutz : Wilde Wanderer sorgen für Probleme in der Siegaue

Viele Siegauen-Besucher spazieren durch geschützte Bereiche des Naturschutzgebiets. Ein neues Konzept, das die Besucher lenkt, soll Abhilfe schaffen. Zäune würden zwar helfen, passen aber nicht in das Naturschutzgebiet.

Die junge Frau läuft quer über die große Wiese der Siegaue, die sich direkt an der A565 befindet. In ihrer Hand hält sie eine zusammengefaltete Leine, ihr Hund läuft nicht angeleint über die Wiese. Christian Chmela, Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, schüttelt den Kopf und versucht, auf sich aufmerksam zu machen.

Die Frau hört ihn nicht, weil sie Ohrstöpsel trägt, sie bemerkt aber die wilden Gesten, die Chmela macht. Sie nimmt die Ohrhörer kurz raus. „Kommen Sie bitte sofort von der Wiese herunter, Sie befinden sich in einem Naturschutzgebiet“, ruft ihr Chmela zu. Die Frau reagiert nicht, wahrscheinlich kann sie Chmela nicht verstehen, sie setzt sich ihre Ohrstöpsel wieder ein und setzt ihren Spaziergang unbeirrt fort. Ein Fischreiher, der unweit der jungen Frau gelandet ist, fühlt sich von ihr gestört und sucht das Weite.

Siegaue lässt sich nicht einzäunen

Im Hintergrund hört man das Rauschen der Autobahn. „Die nahe Autobahn stört die Tiere hier nicht, daran haben sie sich gewöhnt. Allerdings sind diese abrupten und überraschenden Störungen beispielsweise von der Spaziergängerin absoluter Stress für die Tiere“, so der Leiter der Biologischen Station. „Stadtvögel haben sich längst an ihre laute Umgebung angepasst – sie singen einfach viel lauter.“ In der Ferne entdeckt er einen Turmfalken, der in einem der umliegenden Bäume zu Hause ist.

Die Verärgerung über die Spaziergängerin ist Chmela noch anzusehen, als er einige Hundert Meter entfernt die nächsten Spaziergänger sieht. „Genau wegen solcher Leute brauchen wir hier in den Siegauen endlich das Besucherlenkungskonzept. Tagtäglich laufen Menschen hier durch die geschützten Wiesen und Naturräume und zerstören diese“, so Chmela. Diese Konflikte zwischen der Freizeitnutzung der Siegauen und dem Naturschutz haben in den letzten Jahren „deutlich“ zugenommen und werden in den kommenden Jahren auch weiter zunehmen, heißt in dem Konzept, daher bestehe Handlungsbedarf. Das Gebiet der Siegauen ist groß und unterteilt sich in insgesamt fünf verschiedene Bereiche.

Wenn es Wege in den Siegauen gibt, enden sie entweder unvermittelt oder münden in Trampelpfade, die sich über die Jahre hinweg gebildet haben. Zäune gibt es keine, sodass einige Besucher auch einfach über die Felder laufen, obwohl dies verboten ist. Zäune würden zwar helfen, passen aber nicht in das Naturschutzgebiet. „Zudem müssten sie bei Hochwasserereignissen immer wieder neu aufgestellt und vom Dreck befreit werden“, sagt Chmela. Daher soll es in Zukunft eindeutig markierte Wege geben.

Parkplatz soll ansprechender werden

In der vergangenen Bezirksvertretung Beuel war das Besucherlenkungskonzept ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema. Dabei ging es allerdings lediglich um die Positionierung der Radwege, für die es unterschiedliche Varianten gibt. Diese Diskussion findet der Leiter der Biologischen Station falsch, denn bei dem Konzept ginge es um sehr viel mehr als nur um Radwege.

Chmela zählt dazu beispielsweise auch den Parkplatz an der L269, der Niederkasseler Straße. Der soll laut Konzept so umgebaut werden, dass er für die vielen Besucher ansprechender ist. „Zu dem Konzept zählt aber auch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, die die Besucher über diese reizvolle Landschaft hier aufklären soll“, so Chmela. Dazu sollen vor allem persönliche Gespräche beitragen. Aber auch die Beschilderung in der Siegaue sei mangelhaft. So fehle auf den beiden Infotafeln eine Darstellung der Schutzgebiete.

Das Konzept war in der vergangenen Ratssitzung der Stadt Bonn ebenfalls auf der Agenda. Dabei gab es einen Änderungsantrag der Koalition, der beschlossen wurde. Unter anderem wurde entschieden, dass Radwege, die als Süd-Nord-Achse mit Anschluss an das Radwegenetz des Rhein-Sieg-Kreises beziehungsweise der Stadt Troisdorf dienen, so geplant werden, dass sie ganzjährig auch bei Hochwasser des von Rhein und Sieg weiträumig überfluteten Gebiets befahrbar sind. Bei der anderen Variante, der gelben Route, hätte es sein können, dass diese bei Hochwasser überflutet werden könnte.

Außerdem soll es eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Troisdorf und dem Rhein-Sieg-Kreis geben. Allerdings wurde auch beschlossen, dass Wegebaumaßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Rückbau der Uferbefestigungen und der Umgestaltung der Sieg stehen, zurückgestellt werden, bis das Planfeststellungsverfahren der Bezirksregierung abgeschlossen ist.