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Beueler Bildhauerhalle: Wenn die Kettensäge zum Pinsel wird

Beueler Bildhauerhalle : Wenn die Kettensäge zum Pinsel wird

In der Beueler Bildhauerhalle werden auf 800 Quadratmetern bildende Künstler geschult. Die Halle ist ein Projekt, das die Architektin Heidrun Valentin gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Paul Advena, ins Leben gerufen hat.

"Die Serie ist quasi eine Synthese aus Malerei und Bildhauerei", erklärt Friedemann Dietzel. Der Bildhauer steht vor drei Objekten an der Wand der Bildhauerhalle in Beuel und erklärt Birte Evers den Hintergrund zu seiner Arbeit "Wenn die Kettensäge zum Pinsel wird".

"Ich spiele mit Form und Farbe - der Druckstock wird zum Druckobjekt", erklärt Dietzel der Besucherin voller Enthusiasmus. Die Kunstwerkstatt in der Gartenstraße hatte ihre Tore ganz weit geöffnet und zum diesjährigen Rundgang eingeladen. Zu sehen waren die Abschlusswerke der Teilnehmer der Aufbauklasse, einer einjährigen Veranstaltung für Künstler mit bildhauerischer Erfahrung, und parallel dazu ausgewählte Arbeiten aus dem zweiten Studienjahr des aktuellen Basisstudiums Bildhauerei.

Die Künstler zeigten Skulpturen und Plastiken in verschiedensten Techniken und aus unterschiedlichsten Materialien: Von Holz über Metall, Stein, Ton bis hin zu Textilien reichte die Palette.

Die Bildhauerhalle ist ein Projekt, das die Architektin Heidrun Valentin gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Paul Advena, ins Leben gerufen hat. In der alten Gewerbehalle entstanden nach Umbau und Renovierung im Jahr 2005 auf insgesamt 800 Quadratmetern Ateliers und Werkstätten für Bildhauerei.

Das Paar bietet ein dreijähriges Basisstudium Bildhauerei und eine Aufbauklasse an. Zielgruppe sind in erster Linie Menschen, die sich neben ihrem Beruf ernsthaft mit Kunst und Bildhauerei auseinandersetzen wollen. Vor einem Jahr kam dann noch das "Freie Atelier" hinzu: Einmal pro Woche können hier Skulpturen in Stein oder Holz, aber auch Plastiken aus Ton hergestellt werden. Die Teilnehmer arbeiten weitgehend selbstständig und mit eigenem Werkzeug.

Das Basisstudium bietet den Teilnehmern eine systematische Schulung in den Bereichen Skulptur und Plastik und berücksichtigt dabei aktuelle und traditionelle Themen. Abwechselnd lernen die Schüler dabei unter Anleitung und arbeiten frei. Ergänzt wird die Ausbildung auch durch gezielte Vermittlung von Zeichentechnik und durch kunstgeschichtliche Seminare.

"Die Absolventen erhalten hier eine fundierte handwerkliche Ausbildung und können durch Ausnutzung ihrer eigenen schöpferischen Potenziale eine persönlich geprägte künstlerische Ausdrucksweise entwickeln", so Advena.

Das schlägt sich offenbar auch in den Materialien durch: Angela Lenk, Absolventin der diesjährigen Aufbauklasse, arbeitet neben Ton auch mit Textilien, einem Werkstoff, den viele erst einmal nicht mit Bildhauerei verbinden. In ihren Arbeiten schafft sie "aus der Bewegung des Drehens komplexe Formen", die statisch und dynamisch zugleich wirken und durch ihre Farbigkeit eine beeindruckende Präsenz entwickeln.

"Leben kann ich davon nicht", sagt Friedemann Dietzel mit einem Anflug an Bedauern. Das Basisstudium will den Absolventen in erster Linie eine nebenberufliche Auseinandersetzung mit Kunst ermöglichen. In Berufszweigen wie Pädagogik oder Therapie können die Fähigkeiten aber auch unmittelbar eingesetzt werden. Dietzel ist Sozialpädagoge, sein Wunsch wäre eine eigene Ausstellung. Thema: Frauen und Widerstand.